https://www.faz.net/-gtl-8n5af

8:0 in San Marino : Humorlos – aber mit Vergnügen

Mann des Abends in San Marino: Serge Gnabry trifft dreifach Bild: AFP

Standesgemäßer Sieg im Zwergstaat: Der Fußballriese Deutschland gewinnt auch das vierte Qualifikationsspiel auf dem Weg zur Titelverteidigung. In San Marino ist vor allem ein Debütant in Torlaune.

          Titano heißt die höchste Erhebung der insgesamt eher übersichtlichen Republik San Marino. Nicht Oliver Kahn allerdings hütete das deutsche Tor, als die Nationalmannschaft zum ersten und bis dato einzigen Mal hier spielte, sondern Jens Lehmann.

          Und der war im September 2006, beim 13:0-Sieg der Mannschaft von Joachim Löw, an der Anekdote des Tages beteiligt. Als die Deutschen einen Elfmeter zugesprochen bekamen, forderten die Fans lautstark Lehmann als Schützen. Der machte sich schon auf zum Punkt, doch der Rest des Publikums und auch die Spieler von San Marino fanden das despektierlich und intervenierten. Und tatsächlich, Lehmann verzichtete. „Er hat das Richtige getan“, sagte Selcuk Dereli, der Schiedsrichter der damaligen Begegnung, kürzlich dem Fußballmagazin „Socrates“ und erzählte überdies, dass die Deutschen die Sache ziemlich ernst genommen hatten damals – so sehr, dass um die 70. Minute San Marinos Kapitän zu ihm gekommen sei und gesagt habe: „Es reicht doch jetzt langsam.“ Aber was sollte er machen.

          Gnabry in Torlaune

          Am Freitagabend war Lehmann wieder dabei im Stadion von Serravalle, diesmal als Experte des übertragenden Senders RTL. Vergleichbar Anekdotisches gab es diesmal nicht zu berichten, die Deutschen erledigten ihre Aufgabe in der Weltmeisterschafts-Qualifikation mit der von Joachim Löw eingeforderten Seriosität: humorlos, aber durchaus nicht freudlos, wenngleich das bei den unwirtlichen Bedingungen bei Dauerregen und frösteln machender Kälte menschlich gewesen wäre. Sami Khedira (7.), Serge Gnabry (9./ 58./76.), Jonas Hector (32./65.). Kevin Volland (85.) erzielten die Treffer für den Weltmeister, dazu traf der gegnerische Stürmer Mattia Stefanelli ins eigene Netz (82.).

          Premierentor: Serge Gnabry schießt beim Nationalelf-Debüt ein Bilderstrecke

          Vom deutschen Rekordsieg eines 16:0 blieb das Team noch weit entfernt, Bestmarken, wenn auch eher buchhalterischer Natur, stellte sie dennoch auf: Zum ersten Mal schaffte sie unter Löw vier Siege in den ersten vier Spielen einer WM-Qualifikation. Ohne Gegentor waren deutsche Mannschaften seit 1934 noch nie in den ersten vier Spielen auf dem Weg zu einem WM-Turnier geblieben. Zudem hat Löw als erster Bundestrainer in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bunds in einer Amtszeit 95 Siege errungen. Er hat damit nun einen Sieg mehr in der Statistik als Sepp Herberger. Serge Gnabry war zudem der erste Debütant seit Dieter Müller, der beim ersten Einsatz drei Treffer erzielte. Müllers Leistung war freilich denkwürdiger: Er traf damals in einem EM-Halbfinale gegen Jugoslawien als Einwechselspieler nach einem 1:2-Rückstand zum 4:2-Sieg dreifach.

          Zumindest am Freitag waren das Zahlenspielereien ohne Aussagekraft. Etwas anderes als ein klarer Sieg war gegen die Mannschaft, die auf Platz 201 von 211 der Weltrangliste steht, nicht zu erwarten gewesen. San Marino, die Enklave im nordöstlichen Teil Italiens, nahe der Adriaküste, zählt auf 61 Quadratkilometern gerade einmal etwas über 30000 Einwohner. Ihre elf Vertreter auf dem Rasen vermochten Marc-André ter Stegen, der in Vertretung des unpässlich in München gebliebenen Manuel Neuer im Tor stand, nicht in Verlegenheit zu bringen.

          Löw bringt Debütanten

          Bundestrainer Löw nutzte das Spiel, um einigen Perspektivspielern ein erstes Hineinschnuppern zu ermöglichen. In der Startelf standen gleich zwei Debütanten, der Leverkusener Benjamin Henrichs als Außenverteidiger (sofern man von Verteidigung sprechen konnte), und der Bremer Gnabry, der auf der linken Offensivseite einigen Wirbel veranstaltete. Auch der Dritte im Bunde der Neuen, Yannick Gerhardt aus Wolfsburg, soll auf dieser Reise noch auf seine Kosten kommen – am Dienstag beim Test gegen Italien in Mailand. Gut möglich, dass Löw dann neben Sami Khedira, mit dem das schon abgesprochen ist, noch auf weitere arrivierte Kräfte verzichtet. Bis dahin stehen erst einmal zwei gesellige und ein besinnlicher Tag auf dem Programm. Dem gemeinsamen Freizeitvergnügen in Rom am Samstag und Sonntag folgt am Montag die Audienz bei Papst Franziskus, ehe es weiter nach Mailand geht.

          Das Spiel entwickelte sich nach knapp 30 Sekunden san-marinesischen Ballbesitzes schnell zu der erwartet einseitigen Angelegenheit. Immerhin vier Weltmeister standen zu Beginn auf dem Platz – Hummels, Müller, Götze und Khedira, der vertretungsweise Neuers Binde trug –, dazu die nicht minder kompetenten Hector, Kimmich, Gündogan und Gomez.

          Die Formation war das vertraute 4-2-3-1, allerdings natürlich in einer maximal offensiven Ausrichtung mit weit vorgeschobenen Außenverteidigern und stets ins Stürmische changierenden Mittelfeldspielern. Die Neuen fügten sich gleich belebend ein, Henrichs gab den ersten Schuss ab, Gnabry den zweiten, auf Vorlage Henrichs‘. Der erste Treffer aber blieb dem Kapitän vorbehalten, der nach Gündogans Zuspiel in die Tiefe Torhüter Simoncini umkurvte; es war zugleich das Premierentor im neuen Trikot für den Confederations Cup im kommenden Jahr. „Auswärtssieg“, skandierten die völlig im Regen stehenden deutschen Fans allen Ernstes.

          Als zwei Minuten später Gnabry schon erhöhte, schien sich ein Wettschießen anzubahnen. Aber so leicht ging das alles den Deutschen dann doch nicht vom Fuß. Die Angriffe auf dem tiefen, holprigen Boden erforderten Mühe und Konzentration – nicht immer gelang das. San Marinos Trainer Manzaroli coachte unentwegt und leidenschaftlich an der Seitenlinie, er schien jeden einzelnen seiner Spieler persönlich an die richtige Position schieben zu wollen. Belohnt wurde der Aufwand in Form eines Eckballs, dem eine gute Kopfballchance folgte. In Löws Coaching-Zone herrschte hingegen keinerlei Bewegung, dafür erhöhte Hector vor der Pause noch auf 3:0, ehe nach dem Seitenwechsel Gnabry, Hector Volland und unfreiwillig Gegner Stefanelli für klare Verhältnisse sorgten.

          Weitere Themen

          280 km/h – Mit dem Fahrrad Video-Seite öffnen

          Weltrekord : 280 km/h – Mit dem Fahrrad

          Somit übertraf der Brite den 1995 aufgestellten Spitzenwert von 268 Stundenkilometern. Im nächsten Jahr will Campbell 320 km/h fahren.

          Topmeldungen

          „Verschrotter“ gegen „Planierraupe“: Renzi am Dienstag im italienischen Senat

          Regierungskrise in Italien : Im Land der wilden Matteos

          Italiens früherer Ministerpräsident Renzi wittert in der Regierungskrise die Gelegenheit für ein Comeback – und versucht nun, die Neuwahlpläne seines Erzfeindes Salvini zu durchkreuzen. Der Publizist Massimiliano Lenzi prophezeit einen „langen Krieg der Matteos“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.