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Der Hamburger Abstieg : „Immer wieder Wunder gibt’s nicht“

Uwe Seeler frei nach Katja Ebstein: „Immer wieder Wunder gibt’s nicht.“ Bild: dpa

Fußball-Idol Uwe Seeler erinnert das Schicksal seines HSV an einen Schlager von Katja Ebstein. Dennoch glaubt der Hamburger weiterhin an eine Wende zum Guten.

          Ausgerechnet an dem Tag, an dem der „European Song Contest“ (ESC) in Lissabon über die Bühne geht, ist der Hamburger SV zum ersten Mal aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen. Was scheinbar überhaupt nicht zusammenpasst, hat ausgerechnet der sonst so nüchterne Norddeutsche Uwe Seeler in einem Bonmot zusammengefügt. Seeler, das ewige Hamburger Fußball-Idol, ist eigentlich nicht als Poet bekannt. Dennoch verknüpfte der 81-Jährige mit geradezu philosophisch anmutenden Worten das Schicksal seines Vereins mit einem Schlager von Katja Ebstein.

          „Immer wieder Wunder gibt’s nicht“, erklärte Seeler, nachdem der oft prognostizierte und lange fällige Abstieg seines Vereins, der in den vergangenen Jahren stets auf überraschende, glückliche und zumeist unverdiente Weise doch noch verhindert werden konnte, nun tatsächlich eintrat.

          „Wunder gibt es immer wieder“ hatte dagegen Katja Ebstein gesungen, als sie beim Eurovision Song Contest 1970 zum ersten Mal angetreten war und sogleich den dritten Rang belegte. Später, 1971 und 1980, erreichte die Grande Dame des deutschen Chansons noch zwei weitere Male Plätze auf dem Siegerpodest.

          Davon ist der Hamburger SV nach seinem Absturz weiter denn je entfernt. Zum ersten Mal seit seiner Entstehung 1919, damals fusionierten SC Germania, Hamburger FC und FC Falke zum Hamburger Sportverein, der seitdem frech die Gründung des SC Germania 1887 als sein eigenes Geburtsjahr angibt, spielt der HSV zum Hundertjährigen nicht mehr in der höchsten Spielklasse.

          Zuvor hatte der HSV in seinem vorerst letzten erstklassigen Spiel Borussia Mönchengladbach zwar mit 2:1 bezwungen, der Sieg reichte aber nicht mehr, um vom vorletzten Tabellenplatz auf den Relegationsrang vorzurücken, da auch Wolfsburg gegen Köln gewann. „Ich wusste ja vorher schon, dass es schwer wird, wenn man noch von anderen abhängig ist“, sagte der einstige Torjäger, der zu gerne daran glauben wollte: „Wir haben ja in den letzten Jahren immer wieder Wunder erlebt.“

          Nun muss er erst mal mit Phantomschmerzen klar kommen: „Hamburg ohne erste Fußball-Liga kann ich mir noch gar nicht vorstellen“, sagte er im Fernsehsender Sky. Aber, treu wie Seeler ist, werde er auch Spiele in der zweiten Liga angucken. Eigentlich habe er ja nie gedacht, dass der HSV, „solange ich lebe, einmal absteigen würde.“ Doch nun drehte er das Spiel einfach um und blickte sogleich voraus: „Ich glaube aber auch, dass wir wieder aufsteigen und ich dann noch mal 1. Liga zu sehen bekomme.“ Möge Uwe Seeler ein langes Leben vergönnt sein.

          Das Gute am European Song Contest ist übrigens, das Deutschland nicht absteigen kann. Weil „Germany“ für einen der größten Märkte steht und somit ein großer Geldgeber der Veranstaltung ist, ist der Platz in der ersten Liga gesichert – egal wie schlecht die deutschen Vertreter in der jüngeren Vergangenheit auch abgeschnitten haben.

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