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Horst Hrubesch im Gespräch : „Meine Spieler nennen mich ,Mister Gnadenlos‘“

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„Ich bin eine Respektsperson – auch wenn mich das manchmal stört“: Trainer Horst Hrubesch in seinem Element Bild: dpa

Unter seiner Führung hat die deutsche U21-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation drei Siege in drei Spielen geschafft. Horst Hrubesch ist eine Respektsperson - auch wenn ihn das manchmal stört.

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          Herr Hrubesch, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat seit 1996 keinen Titel gewonnen, Sie aber waren 2008 mit der U19 und 2009 mit der U21 Europameister. Warum sind ausgerechnet Sie so erfolgreich?

          Nicht ich habe meine Spieler zum Europameister gemacht, sie haben mich zum Europameister gemacht. Bei der verbesserten Jugendarbeit, die es im deutschen Fußball gibt, und die ja schon vor der katastrophalen EM 2000 in die Wege geleitet wurde, war klar: Irgendwann müssen Titel dabei herausspringen.

          Sind Titel also planbar?

          Machen wir uns nichts vor. Am Ende hängt es zum Teil von einer einzigen Aktion ab, ob Du – nehmen wir mal die Qualifikation für ein Turnier – am Ende hinfahren kannst oder zu Hause bleiben musst. Wenn du das Glück nicht hast, dann hast du in Europa kaum eine Chance. Aber das gesamte Paket in der Nachwuchsarbeit ist bei uns so gut, dass wir immer eine Chance haben, ganz vorne mitzuspielen. Aber es gab ja auch schon andere Zeiten.

          Was meinen Sie?

          Nach dem Bosman-Urteil, also 1998, 1999 etwa, habe ich immer wieder geklagt: Meine jungen Spieler sind zum Teil besser als viele Ausländer in der Bundesliga, von denen es damals ja noch viel mehr gab als heute – aber sie durften eben nicht spielen. Da ging es um Namen wie Kuranyi, Hinkel, Tiffert. Nur als Beispiele. Ich bin froh, dass sich das geändert hat. Spieler wie Bastian Schweinsteiger oder Kevin-Prince Boateng sind heute der Beleg dafür, was wir in dem Bereich erreicht haben. Gut, ich habe dann das Glück gehabt, mit den Jungs Titel zu gewinnen, wunderbar. Aber ich habe ihnen schon damals gesagt: Der Trainer kann euch zwar helfen, aber Europameister müsst ihr selber werden.

          So bescheiden?

          Ich bin dazu da, ihnen den Weg zu ebnen, dass sie vorankommen können. Und um ihnen klarzumachen, dass die Zeit, in der ihr Talent allein ausreicht, irgendwann vorbei ist, und dass dann die Zeit der harten Arbeit beginnt. Das ist das Entscheidende am Ende: Sind sie bereit, die Arbeit zu machen und andere Sachen zurückzustellen? Ich helfe ihnen, so gut ich kann, mehr mache ich nicht. Da ist nichts Besonderes dran.

          Es hieß, Sie seien als Nachfolger von Rainer Adrion jemand, der eine Siegermentalität vermitteln kann. Wie geht so etwas?

          Ich muss meinen Spielern beibringen, ein breites Kreuz zu bekommen. Sie müssen in jeder Situation überzeugt davon sein, was sie können. Meine Spieler kommen auch immer wieder zurück, egal, was auf dem Platz passiert. Ich habe nur einmal erlebt, dass es nicht so war, ansonsten galt immer: Die kommen wieder, auch nach Rückschlägen. Aufgeben gibt es nicht.

          Das klingt so einfach.

          Ich mache tatsächlich nichts anderes, als ihre Stärken zu nutzen. Ich nehme das, was sie mir bieten, und versuche, es in eine Form zu packen. Die Arbeit, der Glaube, das Talent, daraus ergibt sich alles. Aber irgendwann spielt auch noch hinein, wie ich mich entwickele, was für eine Persönlichkeit ich werde und wie ich auftrete.

          Was heißt das konkret?

          Ich will es mal an einem Beispiel deutlich machen: Als wir 2008 mit der U19 im Finale gegen Italien gespielt haben, da standen wir mal im Hotel, und drei von meinen Spielern gingen in einen Aufzug, in den passten zehn Leute rein. Dann kamen vier Italiener und wollten auch in den Aufzug. Sie stiegen aber nicht ein. Meine Spieler hatten mit ihrer ganzen Haltung klar dokumentiert: Für euch ist hier kein Platz. Ohne einen Ton zu sagen, ohne Aggressivität. Und genau so haben sie am Ende auch gespielt.

          Grund zum Jubeln: Die U21-Nationalmannschaft beim Spiel gegen Montenegro
          Grund zum Jubeln: Die U21-Nationalmannschaft beim Spiel gegen Montenegro : Bild: dpa

          Gehört bei Ihnen das Formulieren großer Ziele zum Programm?

          Dass wir zur Europameisterschaft wollen, ist ja klar, aber ich fahre nicht da hin, um Dritter zu werden. Wenn ich dabei bin, dann will ich das Ding auch gewinnen. Das ist beim Fußball wie beim Mensch, ärgere dich nicht: Es geht immer ums Gewinnen.

          Andere sind da vorsichtiger, um sich und ihre Spieler nicht zu sehr unter Druck zu setzen.

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