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Hooligans und Rechtsextreme : Einig im Hass

Aufmarsch in Köln: Hier geht es nur vordergründig um Protest gegen IS Bild: dpa

Die Gewalt der Glatzköpfe verlagert sich von den Stadien auf die Straßen. Ihre neue Allianz mit Rechtsextremisten lässt eine öffentliche Gefahr entstehen. Ein Kommentar.

          Die Hooligan-Gewalt hat bei den Krawallen von Köln in mehrfacher Hinsicht eine neue Qualität erreicht. Bei der Demonstration der Vereinigung „Hooligans gegen Salafisten“ wurden 44 Polizisten verletzt, rund 4500 Menschen sollen an dem Aufmarsch teilgenommen haben. Es war der größte Aufmarsch von Hooligans seit vielen Jahren, mitten in einer deutschen Großstadt. Das alleine ist schon erschreckend genug.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Am Sonntagabend hat sich jedoch die Gewalt der Glatzköpfe vollständig vom Fußball gelöst – und sich dabei auf besorgniserregende Weise geradezu folgerichtig von den Stadien auf die Straßen verlagert. Der Fußball war in Köln nur noch das alte, verbindende Element der Hooligans. Ihre neue Allianz mit rechtsextremistischen Parteien und Gruppierungen hat eine öffentliche Gefahr entstehen lassen. Vollkommen überraschend ist diese Entwicklung allerdings nicht.

          Hooligans aus allen möglichen Stadien quer durch die Republik haben schon länger nach einem neuen, gemeinsamen und diesmal politischen Ziel gesucht – und es nun massenhaft gefunden. Der Protest, der sich angeblich gegen radikale Salafisten und damit auch gegen die Schlächter des IS richtete, war und ist jedoch Camouflage. In Köln ging niemand für Menschenrechte auf die Straße. Die Hooligans lebten, wie immer, ihren Hang zur Gewalt aus. Und ihren Hass.

          Vor allem gegen Ausländer und Muslime, gegen alles, was fremd erscheint. Das Schreckgespenst des radikalen Salafismus ist dabei nur ein hochwillkommener Anlass, hinter dem sich die rechtsextremen Kräfte aus Kurve und Gesellschaft nun so zahlreich wie noch nie mobilisieren ließen. Selbst die jahrzehntealte Konkurrenz der verschiedenen Klubs spielte für die Hooligans angesichts des neuen, selbstgeschaffenen Feindbilds keine Rolle mehr.

          Schon seit einigen Jahren stellen Fanexperten und Sicherheitsfachleute fest, dass die alte Garde der Hooligans in den Stadien Terrain zurückerobert – und rechtsextreme Gruppierungen und Kameradschaften immer stärker versuchen, die Kurven zu unterwandern, um junge Fußballfans für ihre nationale Sache zu gewinnen. Oftmals handelt es sich dabei um dieselben Personen, die in und außerhalb der Stadien in diesen rechten Kreisen den Ton angeben.

          Nicht zuletzt ein hervorragend informierter Fanforscher mit besonderer Kenntnis der rechten Szene, der das Institut für Fankultur gegründet hatte, warnte vor dieser Entwicklung. Im Sommer wurde er als langjähriger Mitarbeiter des Verfassungsschutzes enttarnt und ist seitdem untergetaucht. Die Sicherheitsbehörden dürften daher kaum überrascht sein von dem Szenario in Köln, bei den Hooligans nun auch mit anderen Rechtsextremen gemeinsame Sache machten.

          Vereine und Verbände engagieren sich gegen Rechts

          Einige Fußballklubs hatten diese Entwicklung zunächst tatenlos verfolgt. Seit einiger Zeit jedoch sind die Aktivitäten im Kampf gegen Rechts nicht zu übersehen. Vereine und Verbände haben sich dabei Verdienste erworben. Gewaltforscher und auch hochrangige Polizeibeamte hatten jedoch schon vor einigen Jahren bei einer Expertenanhörung im Sportausschuss des Bundestags darauf hingewiesen, dass Gewalt, selbst wenn man sie im Bereich der Stadien bannt, nicht einfach verschwindet.

          Sondern sich an anderer Stelle entlädt. Dann allerdings an anderen Orten und auf eine Weise, die von Staat und Sicherheitskräften nicht so leicht zu kontrollieren wäre wie ein Fußballstadion samstags um 15.30 Uhr. Die Befürchtung, dass die Gewalt, die aus den Stadien kommt, in den Städten aus dem Ruder laufen könnte, ist in Köln nun Wirklichkeit geworden.

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