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DFL zu Hooligan-Krawallen : „Das war keine Fußball-Demo“

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Aufmarsch in Köln: Hier geht es nur vordergründig um Protest gegen IS Bild: dpa

Die Deutsche Fußball Liga sichert den Behörden nach den Hooligan-Krawallen Unterstützung zu. Eine Alleinverantwortung weist die DFL aber von sich: „Nicht jeder, der einen Fan-Schal trägt, ist ein Fußball-Fan.“

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          Nach den Hooligan-Krawallen in Köln hat die Deutsche Fußball Liga den Behörden ihre Unterstützung zugesagt, zugleich eine Alleinverantwortung des Fußballs aber zurückgewiesen. „Das war keine Fußball-Demo, sondern eine rechtsgerichtete politische Kundgebung. Hier haben sich gewalttätige Schläger unter dem Deckmantel des Feindbildes des IS öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt“, erklärte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig am Dienstag in einer Mitteilung. „Nicht jeder, der einen Fan-Schal trägt, ist ein Fußball-Fan.“

          Die Ausschreitungen am Wochenende seien wie auch das jüngste Abschneiden rechtsorientierter Parteien bei Wahlen ein „Alarmsignal“, sagte Rettig. „Wir brauchen einen Schulterschluss aller positiven gesellschaftlichen Kräfte. Dazu gehört unter anderem auch ein klares Bekenntnis zum Rechtsstaat und Respekt für diejenigen, die für Recht und Ordnung sorgen.“

          Dabei könne sich die Politik auf die Unterstützung der DFL und deren Vereine verlassen. „Es steht außer Frage, dass sich der Profi-Fußball bei der Bewältigung dieser gesellschaftlichen Probleme einbringt“, sagte Rettig. Das habe der Profi-Fußball auch in der Vergangenheit immer wieder getan.

          Randalierer bei der Demonstration in Köln, die in Gewalt ausartete Bilderstrecke
          Randalierer bei der Demonstration in Köln, die in Gewalt ausartete :

          Der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, Michael Gabriel, ist von den jüngsten Hooligan-Krawallen nicht überrascht. „Für Insider war es recht offensichtlich“, sagte Gabriel. So habe es zuvor Vernetzungstreffen unter dem Begriff „Hooligans gegen Salafisten“ gegeben. Der Slogan sei ein Versuch, Brücken in die Debatten der bürgerlichen Gesellschaft zu schlagen, sagte Gabriel. Solche Strategie würden Rechtsextreme auch woanders anwenden. „Was in Köln passiert ist, war eine rechte politische Veranstaltung und hat mit Fußball wenig zu tun.“

          Rund 4800 gewaltbereite Fans und Rechtsextremisten hatten sich am Sonntag in Köln zu einer Demonstration gegen Salafisten versammelt und sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Dabei wurden 49 Beamte verletzt. „Es ist eine ganz große gesellschaftliche Herausforderung, was da passiert ist: nämlich, dass Hooligans, für die Gewalt nicht fremd ist, offen eine rechte politische Agenda verfolgen“, sagte Gabriel. „Vorfälle wie in Köln sind in erster Linie Probleme der Gesellschaft, nicht nur des Sports.“

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          Wenig überrascht zeigte sich das Bündnis aktiver Fußball-Fans (BAFF). Man warne seit Jahren davor, dass sogenannte Althools, die teilweise gar nicht mehr ins Stadion gingen oder dort nicht weiter auffällig würden, an vielen Orten beste Verbindungen zur Neonazi-Szene pflegten oder sogar elementarer Bestandteil derselben seien, hieß es in einer Mitteilung am Dienstag. Scharf kritisierte BAFF angesichts dessen auch die Polizeitaktik: „Es hätte den Einsatzkräften zu einem viel früheren Zeitpunkt auffallen müssen, dass von mehreren tausend Hooligans und Nazis eine große Gefahr für Gegendemonstranten, Journalisten und Unbeteiligte ausging“, hieß es da.

          Im Hinblick darauf sei das Vorgehen als „katastrophal“ zu bewerten: Die Einsatzkräfte seien „hoffnungslos unterbesetzt und überfordert“ gewesen und hätten dem Demonstrationszug angesichts des Bedrohungs- und Gewaltpotentials „extrem viele Freiheiten“ überlassen – Freiheiten, die „interessanterweise“ sonst normalen Fußballfans bei jeder „x-beliebigen Auswärtsfahrt“ kaum möglich erschienen.

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