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Holland in WM-Qualifikation : Die Angst des Rollstuhlfahrers Louis van Gaal

Nervös im Rollstuhl auf der Tribüne: Bondscoach Louis van Gaal beim Spiel gegen Norwegen Bild: EPA

Im Nervenspiel gegen Norwegen sichern sich die Niederlande das WM-Ticket. Bondscoach Louis van Gaal muss im Rollstuhl von der Tribüne aus zusehen. Später spricht er über die schwierige Situation.

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          Die Bilder für den Untergang waren vorgezeichnet. Ein grauer Tag mit Dauerregen im November. Ein fast leeres Stadion aufgrund der neuen Restriktionen durch die Pandemie in Rotterdam. Und ein eingeschränkter Trainer, der an den Rollstuhl gefesselt ist und aus einer Loge zusehen muss. Es hätte also durchaus ins triste Bild gepasst, wenn die niederländische Fußball-Nationalmannschaft am Dienstagabend nach dem Duell mit Norwegen in die kniffligen Playoffs gemusst oder gar die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Qatar in einem Jahr ganz verpasst hätte. Doch es kam anders für Oranje.

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          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Durch den 2:0-Sieg, der nach den späten Treffern von  Steven Bergwijn (84. Minute) und Memphis Depay (90.+1) feststand, ist die Elftal eines von bisher 13 Teams, das fix für die Endrunde, die am 21. November 2022 im Emirat beginnt, qualifiziert ist. Dass es am Ende ein Nervenspiel für van Gaal und Co. wurde, hatte sich die Mannschaft am vergangenen Samstag selbst eingebrockt. Nach einer 2:0-Führung in Montenegro, die schon seinerzeit für die Qualifikation gereicht hätte, verspielten die Niederländer den schönen Vorsprung noch und hatten plötzlich ihr „Endspiel“ gegen Norwegen.

          Am Tag nach dem Schreck kam ein weiterer hinzu. Der 70 Jahre alte Bondscoach van Gaal stürzte schwer beim Fahrradfahren nach dem Training. Er zog sich einen Knochenbruch an der Hüfte zu. Eine Operation war zwar nicht notwendig, doch der frühere Trainer des FC Bayern sitzt vorerst im Rollstuhl. Zunächst war angedacht, dass er so an den Spielfeldrand geschoben werden sollte, um seine Spieler dennoch wie gewohnt von der Seitenlinie zu coachen. Doch davon wurde abgesehen, nicht zuletzt, weil der Regen in Rotterdam unerbittlich vom Himmel fiel.

          Van Gaal mit Notizblock und Handy

          Es waren noch andere Überlegungen, die van Gaal, der das Abschlusstraining am Montag aus einem Golfcart verfolgte und der die Besprechungen im Hotel und in der Kabine wie gewohnt leitete, in eine Loge auf der Tribüne führten. Kabinen und Trainerbänke sind im Stadion De Kuip in Rotterdam nicht auf der gleichen Stadionseite. Van Gaal hätte also in der kurzen Halbzeitpause samt Rollstuhl über den Rasen transportiert werden müssen. Aus der Loge indes gab es eine schnelle Verbindung zum Kabinentrakt.

          Sowieso stand van Gaal permanent in Verbindung mit seinen Assistenten Danny Blind, dem Vater von Nationalspieler Daley, der auf dem Rasen stand, und Henk Fraser, der mit Ohrstöpseln ausgestattet die Anweisungen des Chefs entgegennahm. Für den schnellen Kontakt war also gesorgt. Die TV-Kameras fingen immer wieder van Gaal ein, der mit Jacke, Notizblock und Handy bestens ausgestattet in der offenen Skybox des Stadions saß. Doch was er dort von seinem erhöhten Platz sah, machte ihn nicht unbedingt ruhiger.

          Das lag nicht an der etwas deplatzierten Nebelshow, die die Veranstalter inszenierten. Beim Einlauf der Spieler startete sie, womöglich um der Atmosphäre wenigstens ein wenig von der Tristesse zu nehmen. Nach dem Anstieg der Corona-Zahlen auch in den Niederlanden hatte die Regierung einen Teil-Lockdown verhängt, der auch das Spiel betraf. Statt 50.000 frenetische Fans in Oranje verstreuten sich nur ein paar wenige Funktionäre auf der Tribüne vom Stadion Feyenoord. Wie schon aus früheren Pandemiezeiten gewohnt, hallte jedes Wort der Spieler über den Platz bis zum TV-Zuschauer.

          Die sahen zwei sehr vorsichtige Mannschaften. Die Niederländer waren offensichtlich verunsichert und nervlich belastet, zudem reichte ihnen ein Unentschieden zur WM-Qualifikation. Die Norweger, ohne den verletzten Dortmunder Stürmerstar Erling Haaland angetreten, waren einfach zu limitiert in ihren Fähigkeiten, um offensiv gefährlich zu werden. So dauerte es bis in die Schlussphase, als die Skandinavier mehr Risiko gingen – und die Niederländer mit ihrer Klasse final zuschlugen. Außenangreifer Bergwijn traf zur Führung und legte bei einem Konter in der Nachspielzeit für Memphis auf.

          Entsprechend erleichtert war der sichtlich angespannte van Gaal nach dem Spiel. „Ich habe der Mannschaft zur Halbzeit ein Kompliment gemacht, ihr aber auch gesagt, dass sie etwas mehr nach vorne spielen sollen“, sagte der Trainer im niederländischen Fernsehen nach der Partie. Der sonst so selbstbewusste Coach gab auch Einblicke in die schweren Tage zuvor. „Die Stimmung war am Tag nach Montenegro etwas angeschlagen, dann hatte ich Angst, dass es ganz schief gehen könnte.“ Aber alles in allem sei es trotzdem eine fantastische Woche gewesen. „Wir haben uns durch Höhen und Tiefen kennengelernt.“

          Oranje ist also für Qatar qualifiziert. Van Gaal kann sich nun um seine Genesung kümmern. Doch es gibt vor dem Weltturnier in einem Jahr noch einige Baustellen. Torwart Jasper Cillessen spielte erstmals seit 13 Monaten wieder und war gerade im Spiel mit dem Fuß unsicher. In der Offensive sind eigentlich genügend starke Spieler vorhanden, doch der eine Torjäger fehlt. Wolfsburgs Wout Weghorst saß 90 Minuten auf der Bank. Auch die Abwehr um Virgil van Dijk und Matthijs de Ligt ist zwar namhaft besetzt, kassierte in der Qualifikation aber insgesamt auch acht Gegentore.

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