https://www.faz.net/-gtl-77hc8
 

Hoffenheim-Kommentar : Ein Experiment als Eigentor

  • -Aktualisiert am

Hoffenheimer Sündenbock: Tim Wiese muss künftig allein trainieren Bild: dpa

Die neue Erkenntnis im Kampf gegen den Abstieg in Hoffenheim: Für Typen wie Tim Wiese ist kein Platz mehr. Der Torwart darf nicht mehr mit der Mannschaft trainieren.

          2 Min.

          Geld schießt keine Tore! Eine Allerweltsweisheit des Fußballs, so vielzitiert wie falsch, denn wenn es über die Maßen viel ist und richtig ausgegeben, dann schießt Geld natürlich Tore, man frage nur die Scheichs und Fans von Manchester City oder Paris St. Germain. Eine weitere Allerweltsweisheit ließe sich jetzt aus der badischen Provinz in Hoffenheim vermelden, wo in den vergangenen Jahren dank Dietmar Hopp das Geld auch nur so sprudelte, mehr als eine Viertelmilliarde Euro hat der Milliardär in seinen Lieblingsdorfverein gepumpt.

          Und nun also die Erkenntnis: Geld verhindert keine Tore! Das Experiment mit Tim Wiese ist schon nach acht Monaten gescheitert. Der frühere Nationaltorhüter, zu Saisonbeginn für ein Millionengehalt (und ein vermutlich stattliches Handgeld) aus Bremen gekommen, spielt bei der abstiegsbedrohten TSG 1899 Hoffenheim ab sofort keine Rolle mehr. Der 31-Jährige wurde vor der Bundesligapartie bei der Spielvereinigung Greuther Fürth aus dem Kader gestrichen und darf künftig nicht mehr mit der Mannschaft trainieren.

          Zuletzt hatte Wiese seinen Stammplatz auf der Tribüne gehabt, die Sprachregelung für seine Degradierung war bislang, dass man den Torhüter nach manchem Patzer und vielen Gegentoren vor dem Druck schützen müsse, der auf ihm laste. Nun heißt es nebulös, „die Vielzahl der Dinge, die es außerhalb des Platzes gegeben hat“, habe den Verein zu dem aktuellen Schritt bewogen. In Fürth wird wieder Heurelho Gomes zwischen den Pfosten stehen, der Brasilianer, den die Kraichgauer vor einem Monat von Tottenham Hotspur aus der englischen Premier League ausgeliehen haben.

          Fataler Fehler

          Wiese muss gehen, und die Sympathisanten des badischen Klubs, der vor vier Jahren nach einem fulminanten Aufstieg noch Herbstmeister der Bundesliga war, können nur hoffen, dass mit ihm auch die neureiche Großmannssucht dahinschwindet, für die der frühere Trainer Markus Babbel im Spätherbst des Hoffenheimer Fußballmärchens noch einmal sinnbildlich stand. Babbel holte - mit Unterstützung von Hopp - Tim Wiese und opferte dafür Publikumsliebling Tom Starke.

          Zu fröhlich in der VIP-Lounge: Hoffenheims Torwart Tim Wiese wird aus der Mannschaft ausgeschlossen, weil er bei einem Handball-Spiel der ebenfalls von Dietmar Hopp finanzierten Rhein Neckar Löwen gut gelaunt Bier getrunken hat
          Zu fröhlich in der VIP-Lounge: Hoffenheims Torwart Tim Wiese wird aus der Mannschaft ausgeschlossen, weil er bei einem Handball-Spiel der ebenfalls von Dietmar Hopp finanzierten Rhein Neckar Löwen gut gelaunt Bier getrunken hat : Bild: dpa

          Mit dem Promi-Keeper in den Europapokal, darunter wollte es Babbel nicht machen. Wieder ein fataler Fehler, wie sich herausstellte, als die Mannschaft immer mehr im Abstiegskampf versank. So ist das, wenn man zuerst den Bezug zum Geld und dann zur Realität verliert. Der neue Trainer Marco Kurz soll nun mit Manager Andreas Müller das Rad um ein paar Jahre zurückdrehen, zurück zu einer Bescheidenheit, die zu einem Standort wie Hoffenheim passt. Für Profis vom Typ Wiese ist darin kein Platz - das ist die neue Hoffenheimer Erkenntnis im Kampf gegen den Abstieg. Gut möglich, dass sie zu spät kommt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach

          SPD-Gesundheitsexperte warnt : Lockdown möglicherweise schon in wenigen Wochen

          Die jetzigen Einschränkungen reichten nicht aus, um einen deutlichen Anstieg der Todeszahlen zu verhindern, sagt Karl Lauterbach laut einem Bericht. Er fordert mehr Homeoffice und eine Aufteilung von Schulklassen. Auch der Außenhandelsverband warnt vor einem neuen Lockdown.
          Ein ehrenamtlicher Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) hält im Corona-Drive-In-Testzentrum im niedersächsischen Ronnenberg ein Teststäbchen.

          Robert-Koch-Institut : 11.176 Neuinfektionen in Deutschland

          Die hohe Welle an Corona-Infektionen in Deutschland setzt sich fort: Nach dem gestrigen Höchstwert hat das RKI heute mehr als 11.000 neue Corona-Fälle gemeldet. Die Werte an Wochenenden fallen meist niedriger aus, weil nicht alle Neuinfektionen übermittelt werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.