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Hoeneß und sein Verein : „Das Beste, Uli zu helfen, ist gewinnen“

Pep Guardiola: „Uli Hoeneß ist die wichtigste Person in diesem Verein“ Bild: AFP

Trainer Pep Guardiola zeigt Verbundenheit mit der Person, die er für die wichtigste bei den Bayern hält. Die Spieler gehen vor der Begegnung mit Arsenal gelassen mit dem Fall Hoeneß um.

          Es ist kurz vor zwölf Uhr am Montag, eigentlich geht es um Fußball und um das Spiel gegen Arsenal, als Pep Guardiola um seine Meinung über den Prozess gegen Uli Hoeneß gebeten wird. Er überlegt kurz. Und findet dann eine Formulierung, die das politisch Gebotene mit dem praktisch Wünschenswerten verbindet: „Das Beste, Uli zu helfen, ist, das Spiel zu gewinnen“. Der Trainer des FC Bayern fügt etwas hinzu, was er „hier in nur sieben, acht Monaten“ über den Präsidenten gelernt habe: „Uli Hoeneß ist die wichtigste Person in diesem Verein“. Fast in derselben Minute aber kommt es knapp zehn Kilometer entfernt im Münchner Justizpalast zu einem Geständnis, das Guardiolas Urteil in die falsche Zeitform setzt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die 15 Millionen Euro an Steuern für Devisentermingeschäfte, die Hoeneß demnach über die bisher bereits bekannten und in der Anklage genannten 3,5 Millionen Euro hinaus hinterzogen hat, lassen für den Ausgang des Verfahrens den Schluss zu, dass Guardiolas Satz bald in der Vergangenheitsform stehen muss: Uli Hoeneß war die wichtigste Person in diesem Verein.

          Es gibt nur wenige Zweifel daran, dass der FC Bayern an diesem Dienstag, den 2:0-Vorsprung aus dem Hinspiel in London im Rücken, das Viertelfinale der Champions League erreicht. Und daran, dass Guardiolas Team am Samstag gegen Bayer Leverkusen, den letzten Klub, der ein Ligaspiel gegen die Bayern nicht verlor (ein 1:1 im Oktober), einen nie dagewesenen Beweis unfassbarer Überlegenheit liefert. Es hätte dann alle 17 Gegner der Bundesliga nacheinander besiegt.

          Finanzielle Überlegenheit würde auch ohne ihn weiter wachsen

          Aber dieser Verein, der ein Team hat, das derzeit alle Fesseln sprengt, hat auch einen Präsidenten, der womöglich bald kein freier Mann mehr sein wird. Man konnte am Montag nicht den Eindruck gewinnen, dass diese Aussicht die Mannschaft belaste. Auch die Ergebnisse haben darauf bisher nie einen Hinweis gegeben, seit die Elf im April 2013, nur drei Tage nach Bekanntwerden von Hoeneß‘ Steueraffäre, den FC Barcelona 4:0 besiegte. Thomas Müller und Toni Kroos scherzten vor dem Arsenal-Spiel auf dem Podium, etwa auf die Frage, ob sie das Buch von Lukas Podolski schon gelesen hätten. Müller sagte, das sei literarisch „nicht so mein Genre“. Kroos gab einen zeitsparenden Tipp: „Wenn man Poldi kennt, muss man nicht sein Buch lesen“. Zum Fall Hoeneß, dessen neues Geständnis da allerdings noch nicht bekannt war, gab Kroos Erwartbares zu Protokoll: „Wir sind Profis, jeder verfolgt das, aber man kann das ausblenden“. Das sei es, „was auch unser Präsident will: Dass wir uns auf das Spiel konzentrieren“. Auch Müller erwartete nicht, dass der Prozess „negative Einflüsse auf uns hat“.

          Zum Scherzen aufgelegt: Thomas Müller erwartet keine negativen Auswirkungen durch den Prozess

          Das gilt vermutlich nicht nur für das nächste Spiel, auch für die nächsten Jahre. Die finanzielle Überlegenheit der Bayern würde auch ohne einen Präsidenten Hoeneß weiter wachsen, wenn die Arena bald abbezahlt ist. Die sportliche Dominanz und die globale Anziehungskraft eines Guardiola werden die Marktanteile noch steigern. Der Kader gilt als der beste der Welt, der Trainer auch.

          Matthias Sammer sollte Gott danken

          Hoeneß könnte also wohl reibungslos abtreten – läge nicht persönliche Tragik darin, auf eine solch traumhafte Zukunft 35 Jahre lang hingearbeitet zu haben und gerade dann, wenn sie Gegenwart wird, von der eigenen Vergangenheit eingeholt zu werden. In solch einer Situation kann man Freunde gebrauchen. Doch der einzige, der kurz vor Prozessbeginn als Fürsprecher auftrat, war einer von der Sorte, deren Hilfswirkung zweifelhaft erscheint. „Ich kann nur hoffen, dass das Gericht sich von der menschlichen Seite zeigt, denn der Uli ist ein wunderbarer Mensch“, hatte der alte Weggefährte Franz Beckenbauer am Sonntagabend beim Fernseh-Bezahlsender „Sky“ plädiert. „Ich weiß, dass das keine Absicht war“, sagte er über den Mann, der in finanziellen Fragen stets als Maßstab der Cleverness galt. „Uli ist in diesen Dingen ein Schlamper“.

          Der Klub hält sich mit Kommentaren zurück, so wie der Rest der Liga. Nur Jürgen Klopp, der Dortmunder Trainer, war in seiner Replik auf Bayern-Sportvorstand Sammer am Freitag kurz auf Hoeneß zu sprechen gekommen – ohne seinen Namen zu nennen. „Ich an Matthias Sammers Stelle würde jeden Morgen, bevor ich das Trainingsgelände von Bayern München betrete, Gott danken, dass irgendjemand auf die Idee gekommen ist, mich dazu zu nehmen“.

          Dieser Irgendjemand war natürlich Hoeneß, der Sammer 2012 nach München holte – ihn aber seitdem mehrfach zurechtwies, wenn Sammer sich mit Kritik am eigenen Team hervorwagte. Dieses Recht reklamiert Hoeneß vorerst noch für sich selbst – zuletzt vor einem Jahr nach dem 0:2 im Rückspiel gegen Arsenal, das so gerade zu Weiterkommen reichte. Diesmal kann ein 0:2 zu wenig sein. Doch das wird am Abend seines zweiten Prozesstages wohl Hoeneß’ kleinste Sorge sein.

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