https://www.faz.net/-gtl-159t3

Hoeneß' Fußball-Soli : „Ich werde doch auch monatlich abkassiert“

Immer auf Ballhöhe: Bayern-Manager Uli Hoeneß (re.) herzt Trainer Jürgen Klinsmann Bild: dpa

Uli Hoeneß hat mit einem Vorschlag für Aufregung gesorgt: Nach seinem Willen sollen die Deutschen für Bundesliga-Fußball im frei empfangbaren Fernsehen einen „Soli“ von zwei Euro bezahlen. Dass sie neben der GEZ-Gebühr noch ein zweites Mal abkassiert würden, stört den Bayern-Manager nicht.

          Über die "soziale Ader" von Uli Hoeneß ist oft geredet worden. Dem Manager des FC Bayern München Wohlgesinnte erzählen dann gern die Geschichte von tief gefallenen Fußball-Stars, die nur wegen Hoeneß' sozialer Ader zu einer Anstellung bei Hoeneß' Renommierklub und darüber zurück in die Gesellschaft gefunden haben. So mancher Bayern-Fan kann auch noch etliche Benefiz-Spiele aufzählen, die Hoeneß zugunsten hilfsbedürftiger Vereine oder Organisationen veranstaltet hat. Viele andere Beobachter unterstellen dem umtriebigen Bayern-Manager, nach der Formel vorzugehen "Was gut ist für den FC Bayern, ist auch gut für die Liga".

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Was gut für die Liga wäre, findet Hoeneß, wäre ein "Soli" von 2 Euro für Bundesliga-Fußball im frei empfangbaren Fernsehen. Damit solle die angebliche finanzielle Benachteiligung der deutschen Fußballvereine gegenüber den Rivalen aus England und Spanien ausgeglichen werden. Und weil Hoeneß' Vorschlag vom Wochenende nicht das gewünschte Echo fand, legte er gegenüber dem Sport-Informations-Dienst noch mal nach: Für 2 Euro im Monat "könnten alle Spiele live bei ARD und ZDF übertragen werden", sagte er. "Jeder, ich wiederhole, jeder könnte dann alle Spiele live plus zeitversetzt plus eventuell kostenfrei auf Abruf sehen." Hoeneß glaubt, dass viele Haushalte "sogar bereit wären, drei Euro im Monat zu investieren".

          Dem Bayern-Manager geht es wieder mal nur ums Geld

          In einer Zeit, in der der deutsche Steuerzahler ohnehin schon Milliarden aufbringen muss, um Banken zu retten und Autos abzuwracken, dürften ein paar zusätzliche Steuer-Millionen für die hochbezahlten Bundesliga-Kicker nicht ins Gewicht fallen, mag sich Hoeneß in seiner letzten Saison als Bayern-Manager gedacht haben. Dass Fernsehzuschauer ohne Interesse am Fußball neben der GEZ-Gebühr für ARD und ZDF noch ein zweites Mal zwangsweise abkassiert würden, stört Hoeneß nicht: "Ich werde doch auch monatlich abkassiert, obwohl ich nur Nachrichten, Sport und politische Diskussionen anschaue."

          Nun wollte Hoeneß gewiss nicht eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Gebührenerhebung für die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten beginnen. Vielmehr geht es dem Bayern-Manager wieder einmal nur ums Geld. Seit Hoeneß 1979 seine aktive Fußballerlaufbahn wegen chronischer Kniebeschwerden beenden musste und als jüngster Manager der Liga an der Säbener Straße die Nachfolge des legendären Robert Schwan antrat, ist er immer auf der Suche nach neuen Einnahmequellen für die Bayern und die Liga. Seine markigen Sprüche, die Stänkereien gegen Kollegen, seine cholerischen Ausbrüche sind nur Begleitmusik. Hoeneß weiß, dass er polarisiert wie kein anderer seiner Zunft. Und der Metzgersohn aus Ulm weiß auch, dass Fußball längst ein internationales Milliardengeschäft ist, in dem derjenige verliert, der nicht genügend Geld mobilisieren kann.

          Die sportlich-wirtschaftliche Grauzone

          Der heute 57 Jahre alte Hoeneß hat es in 30 Jahren geschafft, den FC Bayern zu einem der wenigen profitablen Klubs in Europa zu machen. Ihm ist das gelungen ohne den Gang an die Börse, ohne abenteuerliche Anleihefinanzierungen oder Millionen russischer Oligarchen. Hoeneß macht vieles im Verborgenen, manche würden das "die sportlich-wirtschaftliche Grauzone" nennen: Mal verkauft er zehn Prozent der neuen AG für stolze 75 Millionen Euro an Adidas, mal fädelt er einen umstrittenen Deal mit dem Medienmogul Leo Kirch ein.

          Als Spieler kannte Hoeneß noch die Zeit, in der Verträge auf dem Bierdeckel in einer Kneipe geschlossen wurden; als Vize-Vorstand einer Fußball-AG hat er den Kulturwandel im Fußballgeschäft mitgestaltet, ohne sich selbst untreu zu werden. Viele Vereine werden heute von Technokraten in Nadelstreifen geführt, aber Hoeneß sitzt heute noch mit Sportjacke auf der Bank am Spielfeldrand, direkt neben dem Trainer.

          Einer wie er ist immer auf Ballhöhe. Er hat auch nie den Kontakt zum Fan in der Südkurve verloren. Beobachter sagen sogar, dass Hoeneß schon seit Jahrzehnten für zusätzliche Fernsehgebühren wirbt, wohl wissend, wie gering die Chancen dafür sind. Tatsächlich hat sich der Bayern-Manager in der Vergangenheit immer wieder ähnlich geäußert, meist, um auf die steigenden Kosten in der Fußball-Bundesliga hinzuweisen. Nur in Zeiten der Wirtschaftskrise hat Hoeneß wohl unterschätzt, dass er mit diesem Vorstoß von vornherein im Abseits stehen würde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Markt für Smartphone-Hersteller wie Apple, Huawei und Samsung kannte lange nur eine Richtung: nach oben. Diese Ära ist jetzt vorbei.

          Absatz von Smartphones : Handybesitzer zögern Neukauf immer länger hinaus

          Umweltschützer freut es, die Hersteller sind frustriert: Handybesitzer warten immer länger, bis sie sich ein neues Gerät kaufen. Die Top-Marken müssen ein Minus von fast 4 Prozent verkraften – 5G soll das ändern.
          Ein Rettungsboot mit aufgenommenen Migranten im Oktober 2018 im Mittelmeer

          Aufnahme von Migranten : Seehofer fordert Ende „quälender Prozesse“

          Der Bundesinnenminister wirbt für einen „kontrollierten Notfallmechanismus“ für die Verteilung von auf dem Mittelmeer aufgenommenen Migranten. Es könne nicht sein, dass Boote lange auf See ausharren müssten. Eine Einigung scheint fern.

          Video von Trump und Epstein : „Sie ist scharf“

          Donald Trump hat in den vergangenen Wochen immer behauptet, den des Sexhandels beschuldigten Milliardär Jeffrey Epstein kaum zu kennen. Ein Video von 1992 zeigt die beiden jedoch bei einer von Trumps Partys in Florida.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.