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Hilfe für Belounis? : Das Schweigen der Bayern

„Markus, Du weißt es besser“: Bayern-Coach Guardiola (l., mit Ehrenpräsident Beckenbauer beim Bankett zum Klub-WM-Gewinn im Dezember) verlässt sich in Sachen Qatar auf Bayerns Pressesprecher. Bild: dpa

Dem in Qatar festgehaltenen Fußball-Profi Belounis hat der Rekordmeister zur Ausreise verholfen - laut eigener Darstellung. Aber wie? Viele Fragen, aber keine Antwort aus München.

          3 Min.

          Es hilft alles nichts, auch Klubweltmeister müssen wieder zur Arbeit. Am Sonntag brechen die Spieler des FC Bayern München nach dreizehn Tagen Urlaub ins Trainingslager auf. Es darf wieder Qatar sein, seit einigen Jahren bereiten sich die Elitekicker des Rekordmeisters regelmäßig unter der milden Wintersonne am Persischen Golf auf die Rückrunde vor. Trainer Pep Guardiola kehrt zurück an seine alte Wirkungsstätte: Zwischen 2003 und 2005 spielte er für den Klub al-Ahli, anschließend unterstützte er mit seinem Namen Qatars erfolgreiche Bewerbung um die WM 2022.

          Christoph Becker
          (chwb.), Sport

          Guardiola hat kein Problem mit Qatar. Im Gegenteil. Ein früherer Berufskollege ist dagegen froh, dem Land entkommen zu sein: Ende November durfte der französische Fußballspieler Zahir Belounis endlich heim nach Paris, nach einem Jahr Zwangsaufenthalt. Belounis war ein Gefangener des „Kafala“-Systems, wie viele Arbeiter in Qatar, die de facto zu Zwangsarbeitern werden. Denn ausreisen darf ein Arbeitnehmer aus Qatar nur, wenn sein Bürge, in Belounis‘ Fall der Klubpräsident von al-Jaish, die Erlaubnis erteilt. Der weigerte sich aber, weil Belounis Gehaltsansprüche geltend gemacht hatte.

          In seiner Verzweiflung schrieb der Franzose im vergangen Herbst deshalb auch Guardiola einen Brief mit Bitte um Unterstützung. Aber öffentlich rührten sich bis dahin nur Menschenrechtsorganisationen und Politiker. Auf sportlicher Seite hingegen blieb es nahezu still. Weder von Guardiola noch von Michel Platini, dem ebenfalls um Hilfe gebetenen Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa), war - in der Öffentlichkeit - zu diesem Thema etwas zu hören. Mit Ausnahme von Arsène Wenger, Trainer des FC Arsenal, der wie die Spielergewerkschaft Fifpro den Internationalen Fußball-Verband Fifa an seine Verantwortung für die Rechte der Arbeitnehmer in Qatar erinnerte. Ließ die Fußball-Familie eines ihrer Kinder im Stich?

          „Haben getan, was getan werden musste“

          Nicht doch. Die Bayern haben sehr wohl gehandelt. Jedenfalls stellten sie es so dar: „Wir haben von Anfang an mit dem Verein gesprochen, mit Markus (Hörwick, dem Pressesprecher der Bayern, d. Red.), natürlich auch mit dem Präsidenten. Wir wussten alles, was in diesem Moment in Qatar passiert ist. Aber Markus, du weißt es besser.“ So antwortete Guardiola am 13. Dezember auf die Fragen von Reportern des Fernsehsenders „Sky Sports News HD“.

          Woraufhin Hörwick, der Pressechef der Bayern, gemäß der Abschrift des Senders sagte: „Wir waren von Anfang an, nachdem bekannt wurde, dass es Probleme gibt, in Verbindung. Haben im Hintergrund diese Dinge getan, die getan werden mussten. Vielleicht etwas zu wenig in der Öffentlichkeit drüber gesprochen. Nur eines ist aber entscheidend: Dass Belounis jetzt wieder zu Hause ist, und da sind wir alle glücklich.“

          „In eine schwierige Lage gebracht“: Zahir Belounis
          „In eine schwierige Lage gebracht“: Zahir Belounis : Bild: AP

          Die Bayern sind für ihre unbürokratische Hilfe bekannt, wenn Profis in Not geraten. Selten reden sie darüber. In diesem Fall weiß nicht einmal der Betroffene von der guten Tat. Im Interview mit „Sky Sports News HD“ entschuldigte sich Belounis gar bei Guardiola und Platini für seine Post, die beide „in eine schwierige Situation“ gebracht habe. Als der Moderator ihn fragt, ob er von der Hilfe der Bayern gewusst habe, sagte er: „Nein, habe ich nicht. Aber wenn es so war - danke schön.“ Danke schön - aber wofür? Auch Belounis’ Bruder Mahdi wusste auf Anfrage nichts zu einer etwaigen Hilfe der Bayern zu sagen.

          Eine Haltung zu Kafala? 

          Seither hat diese Zeitung mehrfach versucht, von der Presseabteilung der Bayern zu erfahren, was die Vereinsverantwortlichen im Hintergrund den „tun mussten“. Eine Antwort auf die Mails ist der Klub schuldig geblieben. Selbst die Frage, ob der FC Bayern eine für die Öffentlichkeit bestimmte Haltung zur Kafala habe, blieb offen.

          Gemeldet hat sich allerdings Nicholas McGeehan, Qatar-Experte der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Seine deutschen Kollegen hatten die Bayern Mitte November angeschrieben, nach dem es von Seiten des Klubs hieß, man könne sich zu Belounis nicht äußern, da man nicht alle Fakten kenne.

          HRW, heißt es in der Mail, die der F.A.Z. vorliegt, wolle den Bayern die Fakten nachreichen und weist sodann auf die Zustände in Qatar hin. Eine Antwort bekamen die Menschenrechtler nicht. Und so rückt der auf der ganzen Welt bewunderte Rekordmeister, wenn er am Sonntag die Fünf-Sterne-Luxusherberge „Grand Heritage“ bezieht, mitten hinein in das Bild, das McGeehan zeichnet: „Weder ein Fußballprofi noch ein Klub hat Zahir Belounis öffentlich Unterstützung bekundet oder die Menschenrechtsverletzungen in Qatar kritisiert. Spieler und Klubs werden behaupten, sie seien nicht verantwortlich für die Zustände, aber es geht hier darum, was sie tun können, nicht was sie tun müssen. Sie haben gewaltigen Einfluss und können sich öffentlich zu diesen Themen äußern. Fans, Sponsoren und die Verantwortlichen würde das aufmerken lassen - auch in Qatar.“

          Fünf Fragen - keine Antwort

          Auf folgende Fragen gab es vom FC Bayern keine Antwort: 

           

          1. Waren die Aussagen von Ihnen, Herr Hörwick ('haben diese Dinge getan, die getan werden mussten') in der PK am 13.12 so zu verstehen, dass der FC Bayern aktiv zur 'Freilassung' von Herrn Belounis aus Qatar beigetragen hat?


          2. Wenn ja, wie trug der FC Bayern dazu bei?
           

          3. Falls dies in einer Weise geschah, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, könnten Sie präzisieren, warum nicht?
           

          4. Menschenrechtsorganisationen hatten sich von Verantwortlichen europäischer Fußballvereinen eine öffentliche Stellungnahme zur Lage von Herrn Belounis gewünscht, während er in Qatar festsaß. Dies erfolgte nicht, jedenfalls nicht von Verantwortlichen des FC Bayern. Warum? Ist es darüber hinaus richtig, dass Human Rights Watch von Ihnen keine Antwort auf eine Mail vom 26.11. zum Fall Belounis erhielt? Falls ja, warum nicht?
           

          5. Das Kafala-System betrifft nicht nur Herrn Belounis, sondern prinzipiell jeden Arbeitnehmer in Qatar. Gibt es von Ihrer Seite eine für die Öffentlichkeit bestimmte Haltung zu diesem System?

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