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Hertha BSC Berlin : "Um die Klasse zu halten, ist alles erlaubt"

  • Aktualisiert am

Manager Dieter Hoeneß und Trainer Hans Meyer Bild: dpa

Hertha-Manager Dieter Hoeneß über Macht und Ohnmacht im Bundesliga-Geschäft. „Ich bin überzeugt, daß sich gute Arbeit auf lange Sicht durchsetzt“, sagte Hoeneß im Gespräch mit der F.A.Z.

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          Hertha-Manager Dieter Hoeneß über Macht und Ohnmacht im Bundesliga-Geschäft. „Es ist fürchterlich, Spielern zuzuschauen, von denen man weiß, daß sie in der Lage sind, viel besser zu spielen“, sagte Hoeneß im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Haben Sie eigentlich einen Vertrag für die zweite Liga? Und haben Sie einen Plan für die zweite Liga?

          Was die erste Frage angeht: Das ist wohl so, aber ich mache den Job nicht für mich, sondern er ist eine Herzensangelegenheit. Einen Plan für die zweite Liga müssen wir natürlich vorbereiten angesichts unserer Tabellensituation. Das ist schon notwendig für das Lizenzierungsverfahren. Aber ich gehe davon aus, daß wir uns für die erste Liga qualifizieren. Dann können wir den Plan für die zweite getrost wieder in die Schublade legen - möglichst weit unten.

          Zu Saisonbeginn sprach Ihre Mannschaft vom Ziel Champions League. Wie weit ist die Hertha durch die verkorkste erste Saisonhälfte vom Leitbild des Hauptstadtklubs, wie Sie sich das vorgestellt haben, abgekommen?

          Momentan sehr weit. Aber man weiß natürlich auch, wie schnell das im Fußball in beide Richtungen geht. Es war ja nicht so, daß nur die Mannschaft sich im Sommer den dritten Platz zugetraut hat. Fast alle Experten waren sich einig, daß Hertha BSC das Zeug hat, Dritter oder Zweiter zu werden - und daß unsere Neuverpflichtungen mit geringen Mitteln geradezu ideal waren. Wie schnell sich so ein Trend ändern kann, sieht man an Bayer Leverkusen. Deshalb halte ich nichts davon, im einen wie im anderen Extrem zu lange zu verweilen. Fakt ist, daß wir eine Aufgabe haben: die Klasse zu halten und dann die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß wir wieder andere Ziele anstreben können.

          Sie sagen: Eigentlich habe ich alles richtig gemacht, nur ist es leider schiefgegangen?

          Das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, daß uns viele Experten bestätigt haben, daß wir uns ideal verstärkt haben. Im nachhinein muß man sagen, daß die Erwartungen, die wir in die Zusammensetzung der Mannschaft und insbesondere in die Neuverpflichtungen hatten, sich nicht erfüllt haben; teilweise in sportlicher Hinsicht, teilweise hatten wir gehofft, daß Fredi Bobic und Niko Kovac Führungsaufgaben in der Mannschaft übernehmen können. Da sie nicht in der Lage waren, wie alle anderen auch, sportlich die Erwartungen zu erfüllen, war es ihnen auch nicht möglich, die anderen Aufgaben zu erfüllen. So gesehen, haben sich die Entscheidungen vom Sommer als nicht richtig erwiesen, zumindest bisher.

          Wenn es denn gruppendynamische Prozesse waren, die Hertha geschwächt haben: Ist Trainer Hans Meyer jetzt für die Seele der Profis zuständig?

          Es ist sehr, sehr wichtig, der Mannschaft wieder den Glauben an sich selbst zu geben. Aber natürlich wird die Seele auch durch sportliches Erleben gestärkt, nämlich indem man einfach wieder Sicherheit bekommt und Erfolgserlebnisse hat im Training. Damit man sich blind auf jemanden verlassen kann, bedarf es gewisser Automatismen. Die sind vorhanden, wenn es gut läuft, und sie fehlen, wenn es schlecht läuft. Daran muß man arbeiten.

          Nach dem Stimmungswandel nähert Meyer sich nun dem Kern des Teams. Darf er Ihre Personalpolitik korrigieren?

          Er darf alles. Ich habe ihm und auch öffentlich gesagt, daß ich jede Maßnahme unterstütze, die er ergreift. Zweitens hat auch Huub Stevens Bobic weggelassen, als er der Meinung war, daß er auf andere setzen muß. Mir wäre es zu kleinkariert, jetzt mit Gewalt Entscheidungen zu verteidigen, die ich im Frühjahr getroffen habe. Um die Klasse zu halten, ist alles erlaubt. Aber es wäre unfair, alles auf Bobic, Kovac oder Wichniarek abzuladen. Ich glaube, es ist eine kollektive Fehlentwicklung, wenn man eine so schlechte Vorrunde spielt wie wir.

          Bobic eignet sich gut als Beispiel: Wie weit darf Meyer das treiben? Hat der Manager des Spielers schon angerufen und gesagt, Bobic muß sofort den Verein wechseln, denn er muß spielen, um bei der EM dabeizusein?

          Wir werden alles dem Ziel unterwerfen, in der Liga zu bleiben. Wenn es hilft, in dieser Frage eine klare Entscheidung zu treffen, werden wir das tun. Hans Meyer hat das aber nicht getan. Er hat nicht gesagt: "Bei mir spielt Fredi Bobic in dieser Runde nicht mehr." Er hat lediglich festgestellt, daß, wenn nichts Besonderes passiert, Bobic nicht in der Startelf für Bremen steht.

          Jeder Spieler weiß, daß Sie die Personalpolitik machen. Kann es sein, daß er deshalb auf Sie schaut statt auf den Trainer?

          Nein. Wenn, dann beträfe das doch nur Spieler, deren Verträge auslaufen.

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