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Hertha BSC Berlin : Skandal im Skandal

Berliner Zweckoptimisten: Trainer Rehhagel und Manager Preetz Bild: dpa

Hertha BSC wähnt sich im Recht nach dem Chaos von Düsseldorf. Falls es zum Wiederholungsspiel kommt, werden auf Otto Rehhagel Personalschwierigkeiten zukommen. Einen Abgang verzeichnet der Verein derweil schon.

          Hertha BSC Berlin hat in dieser Saison einiges dafür getan, um seinen Ruf im deutschen Fußball zu ramponieren. Aber nicht nur in der Bundesliga hat der Hauptstadtklub an Ansehen eingebüßt, nun mag auch ein prominentes Mitglied des Vereins die Hertha nicht mehr seine Heimat nennen: Bundesliga-Schiedsrichter Felix Zwayer kehrt zurück zu seinem Heimatverein SC Charlottenburg, wie der „Tagesspiegel“ meldet.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es gehört nicht viel Phantasie dazu, weshalb Zwayer diesen Schritt unternimmt. Der Referee wollte sich nicht zu seinen Motiven äußern, aber man liegt bestimmt nicht falsch, wenn man annimmt, dass er damit seinen Protest gegen das Verhalten der Hertha gegenüber seinem Kollegen Wolfgang Stark beim Relegationsspiel am Dienstag bei Fortuna Düsseldorf zum Ausdruck bringen möchte. Zwayer hat noch einen guten Ruf zu verlieren. Er gehörte vor sieben Jahren zu den Schiedsrichtern, denen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung des Schiedsrichterskandals um Robert Hoyzer zukam.

          Im sportjuristischen Niemandsland

          Die Hertha hatte am Freitag in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) erleben müssen, dass der Klub, der eigentlich vor das Sportgericht gezogen war, um eine Wiederholung des Relegationsspiels zu erzwingen, sich plötzlich selbst auf der Anklagebank wiederfand. Die Entscheidung, ob das chaotische und für rund zwanzig Minuten unterbrochene Duell noch einmal unter regulären Umständen gespielt werden muss, wird nach sechsstündiger Verhandlung erst an diesem Montag fallen.

          Wolfgang Stark versucht den Herthaner Änis Ben-Hatira zu beruhigen

          Aber die Vorwürfe, die Schiedsrichter Stark gegen Hertha-Spieler und Präsident Werner Gegenbauer erhob, waren ein Skandal im Skandal - und ein weiterer (und vermutlich der größte) Tiefschlag für das Image des Klubs im sportjuristischen Niemandsland zwischen erster und zweiter Liga. Stark warf Hertha-Kapitän Lewan Kobiaschwili in seinem erschütternden Bericht vor, ihn mit der Faust geschlagen zu haben. Nur das Treppengeländer habe einen Sturz in fünf oder sechs Meter verhindert.

          Personalschwierigkeiten bei möglichem Wiederholungsspiel

          Stark hatte noch im Düsseldorfer Stadion Anzeige gegen Kobiaschwili erstattet. Er erzählte beim DFB in Frankfurt, dass danach vier oder fünf Hertha-Spieler in seine Kabine eindringen wollten, Torwart Thomas Kraft habe er unter anderen erkannt, Christian Lell habe ihn am Arm gepackt.

          Er sei als „feiges Schwein“ beschimpft worden, Andre Mijatovic hatte demnach noch übleres Vokabular für Stark bereit: „Ich hatte Angst nach dem Spiel“, sagte er, „ich war den Tränen nahe.“ Präsident Gegenbauer sei später, so Stark, in seine Kabine gekommen und habe behauptet, Kobiaschwili sei lediglich ausgerutscht und habe ihn deswegen berührt. Gegenbauer bestreitet dies.

          Den Hertha-Profis drohen nun lange Sperren in einem gesonderten Verfahren - falls es zu einem Wiederholungsspiel kommen sollte, werden auf Trainer Otto Rehhagel einige Personalschwierigkeiten zukommen. Die beste Nachricht für die Hertha ging angesichts der Turbulenzen unter.

          Die Berliner verpflichteten den Niederländer Jos Luhukay als neuen Trainer, der erst mit dem FC Augsburg in die Bundesliga aufgestiegen war und in dieser Saison auch in der Liga hielt. Luhukay musste sich angesichts des sportlichen und moralischen Niedergangs der Hertha fragen lassen, ob ihn die chaotische Berliner Saison nicht abgeschreckt habe. Luhukay sagte: „Nein, dafür bin ich ein zu positiver Mensch.“ Den wird die Hertha gut gebrauchen können.

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