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Heribert Bruchhagen : „Eintracht Frankfurt ist nicht gefährdet“

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Mann mit langem Atem: Bruchhagen ist zwar nicht mehr Manager der Eintracht, aber ihr Vorstandsvorsitzender – und das will er noch eine Weile bleiben. Bild: Wonge Bergmann

Wie macht man das: sich nach dem Abstieg wieder selbst finden,einen angeschlagenen Klub auf die ungewisse Zukunft vorbereiten, die Macht als Manager abgeben? Eintracht-Chef Bruchhagen verrät es.

          8 Min.

          Herr Bruchhagen, wir finden, dass Sie schlecht aussehen. So, als könnte man den Zustand von Eintracht Frankfurt in Ihrem Gesicht ablesen. Ist das so?

          Es wäre ungewöhnlich, wenn der Abstieg spurlos an mir vorübergegangen wäre. Ich habe ja auch von Anfang an die Hauptverantwortung übernommen – weil ich für die Trainerauswahl verantwortlich bin, für die Spielerauswahl, für die gesamte Konstellation des Vereins. Das schüttelt man nicht so einfach ab.

          Ist der Abstieg ein Rätsel geblieben?

          Erst einmal war er eine absolute Katastrophe für uns, die nicht vorhersehbar war. Er stimmte auch mit meiner eigenen Argumentation nicht überein, dass wir uns im Mittelfeld der Liga etabliert hätten. Wir haben unter Michael Skibbe ja sogar noch investiert, wir wollten den nächsten Schritt machen und haben entsprechende Spieler geholt – zum Schluss auf ausdrücklichen Wunsch Skibbes zum Beispiel noch Gekas und Altintop. Und dann das. Da ist man konsterniert.

          Vorgänger und Nachfolger: Bruchhagen (links) mit  Bruno Hübner.

          Bis heute?

          Ich versuche immer noch zu ergründen, wie es so weit kommen konnte. Zum Beispiel auch in Gesprächen mit erfahrenen Spielern, wenn die mal auf einen Kaffee in mein Büro kommen.

          Ergebnis?

          Keins. Es war kollektives Versagen. Ein kollektives Einbüßen des Selbstvertrauens, bei Spielern, beim Trainer, auch beim Vorstandsvorsitzenden.

          Haben Sie Skibbe zu lange an der langen Leine gelassen?

          Bei der Suche nach Gründen und Argumenten ist mancher darauf gestoßen. Aber ich halte das nicht für durchschlagskräftig. Denn dann hätte es ja auch unsere sehr gute Hinrunde nicht geben dürfen. Ich suche ja auch Gründe, aber ich finde sie nicht. Und andere werden sie auch nicht finden. Natürlich kann man sagen, mit Skibbe wären wir nicht abgestiegen, er sagt das ja auch. Aber wer will das beweisen? Nein, alle sind auf der Suche nach Begründungen, und jeder versucht, seine Haut zu retten. Das habe ich nie versucht, und das wird es auch in Zukunft nicht geben.

          Welche Fehler haben Sie gemacht?

          Ich dachte immer, dass sich eine gewisse Ruhe, Souveränität und Unaufgeregtheit, auch die Weigerung, auf jede Emotion draufzuspringen, dass sich das auf die Mannschaft überträgt und der Sache gut tut. Dass ich noch heute darunter leide, dass es nicht so war, ist doch klar. Ob man mir das allerdings im Gesicht ablesen kann, weiß ich nicht.

          Dass Sie Christoph Daum als Trainer geholt haben, kann bis heute keiner nachvollziehen. Verstehen Sie das?

          Das habe ich getan, weil ich bei uns einen so großen Mangel an Selbstbewusstsein ausgemacht hatte, und die Garde der anderen gehandelten Trainer schien mir in der Situation nicht geeignet. Bei Daum dachte ich: Der kann das. Ich diskreditiere aber keinen Kandidaten, und auch über Herrn Skibbe oder Herrn Daum wird es von mir kein schlechtes Wort geben.

          Trainer kommen und gehen, viele Spieler sowieso: Warum war die Eintracht zuletzt so hektisch, so getrieben?

          Wieso Hektik? Wir haben einmal den Trainer gewechselt. Und dass nach dem Abstieg ein neuer Trainer kommt, ist doch vollkommen normal.

          Trotzdem sieht das nicht nach einer Politik der ruhigen Hand aus, für die Sie immer gestanden haben.

          Die Jahre vorher waren sehr stabil und sehr ruhig, aber jetzt ist der Alltag der Bundesliga eingekehrt. Und da holt man nach dem Abstieg eben einen neuen Trainer. Das hat Hertha BSC Berlin doch auch durchgemacht.

          Skibbe, Daum, vermutlich auch Veh haben eines gemeinsam: Es sind Durchreisende, sie bleiben ein bisschen, haben aber nicht vor, hier etwas langfristig aufzubauen. Reicht Ihnen das?

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