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Helmut Haller wird 70 Jahre alt : "Il Biondo" fehlte die Bundesliga

Gleiches Stadion, andere Zeit: Helmut Haller bringt die deutsche Nationalmannschaft im WM-Finale 1966 in Führung Bild: picture-alliance/ dpa

Helmut Haller wird 70. Einer der ganz Großen des deutschen Fußballs hat viel erreicht.

          2 Min.

          Der Weltmeistertitel, der fehlt natürlich in der Sammlung von Helmut Haller. Schuld ist das berühmte Wembley-Tor, das die deutsche Nationalmannschaft 1966 um den Gewinn der Weltmeisterschaft in England brachte. Aber der Wermutstropfen ist eine andere sportliche Niederlage. "Dass ich nie in der Bundesliga gespielt habe, ist gewiss der kleine Makel in meiner Laufbahn", sagt Haller. Damit ist der Augsburger, der an diesem Dienstag in der Heimatstadt seinen 70. Geburtstag feiert, einer von nur zwei deutschen WM-Teilnehmern seit Gründung der Bundesliga im Jahr 1963, die nie in dieser Klasse spielten.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der andere ist Robert Huth, der 2006 am WM-Ball war, aber bis heute nur für englische Profiklubs verteidigte. Huth indes scheint schon in der Blüte seines Fußballspielerlebens fast vergessen, während Helmut Haller bis heute im Gedächtnis der Fußballfans seinen Platz hat. Und das, obwohl sich der schillerndste Teil der Karriere des zwischen 1959 und 1970 33 Mal in der Nationalmannschaft eingesetzten Halbstürmers (13 Tore) eben nicht in der Bundesliga, sondern in Italien abspielte. Dorthin, zum AC Bologna, wechselte der damals 23 Jahre alte Nationalspieler 1962, ein Jahr vor dem ersten Bundesligaspieltag, nachdem er sich beim Heimatverein BC Augsburg in der Oberliga Süd zum international gefragten Mann entwickelt hatte.

          In Italien wurde Haller zum gutbezahlten Profi und schnell zu einer der Säulen einer Mannschaft, die dem Klub aus der Emilia-Romagna 1964 den einzigen Titel der Nachkriegszeit bescherte. Haller, der aufgrund seiner blonden Haare den Spitznamen "Il Biondo" erhielt, war damit der erste deutsche Legionär, der in einer der ausländischen Topligen eine Meisterschaft gewann. Im gleichen Jahr wurde er zum Spieler des Jahres gekürt - als bislang einziger Deutscher. 1966 spielte der dribbel- und schussstarke Angreifer sein bestes von drei WM-Turnieren im DFB-Trikot: Bei fünf Einsätzen erzielte er sechs Tore, darunter das 1:0-Führungstor im Endspiel gegen England.

          Titel mit Juve

          1968 wechselte Haller dann zu Juventus Turin. Mit "Juve" holte er weitere zweimal den "Scudetto", ehe er 1973 nach 295 Serie-A-Spielen nach Deutschland zurückkehrte. In Augsburg löste er einen Fußballboom aus, regelmäßig strömten 25 000 Zuschauer ins Rosenaustadion. Mit seinem mittlerweile zum FC Augsburg fusionierten Heimatverein scheiterte Haller im Jahr darauf dennoch knapp am angestrebten Aufstieg in die Bundesliga. "Dieses Scheitern war genauso bitter wie die Niederlage in Wembley, weil mein Traum von der Bundesliga zerstört wurde", sagt Haller heute.

          1966 in Wembley hatte er sich wenigstens noch einen Trostpreis gesichert, der ihm 30 Jahre später noch einmal zu Berühmtheit verhalf. Aus Protest gegen die Leistung des Schiedsrichters Gottfried Dienst verweigerte Haller nach dem Abpfiff die Herausgabe des Spielballs an den Unparteiischen und nahm den Ball stattdessen für seinen Sohn Jürgen - der später in Diensten von Blau-Weiß Berlin doch noch für den Einzug des Namens Haller in die Bundesliga-Historie sorgte - als Geschenk zum fünften Geburtstag mit nach Deutschland. Die Hallers behielten den Ball, bis kurz vor der Europameisterschaft 1996 in England ein bizarres Wettbieten um die "gestohlene Trophäe" begann. Der englische Milliardär Richard Branson machte letztlich das Rennen, und der vom englischen Boulevard als Balldieb beschimpfte Haller brachte den Ball unter medialem Getöse nach England zurück.

          Nach dem Ende seiner Fußballkarriere 1979 betrieb Haller einen Sportgroßhandel. Von einem Herzinfarkt am zweiten Weihnachtstag 2006 erholte er sich wieder.

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