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Bayer siegt in Europa League : Havertz nimmt Tempo auf

  • Aktualisiert am

Kai Havertz bedankt sich nach dem Sieg gegen Ludogorets bei den mitgereisten Fans. Bild: dpa

Dank zweier Tore von Kai Havertz hat Leverkusen sein erstes Spiel in der Europa League gewonnen. Der Erfolg in Ludogorets macht nun Hoffnung auf die Wende in der Bundesliga.

          Sichtlich übermüdet stiegen Kai Havertz und seine Kollegen am Freitagmorgen in Köln aus dem Flugzeug. Eine rund zweieinhalbstündige Verspätung nach technischem Defekt hatte ihnen eine unerwartet lange Nacht am Flughafen in Varna eingebracht – dafür aber auch einen trainingsfreien Mittag. „Die Jungs sollen jetzt erst einmal ausschlafen. Das ist die beste Regeneration“, sagte Trainer Heiko Herrlich, der nicht hadern wollte: „Mit so etwas kann niemand rechnen. Aber wir machen das Beste daraus.“

          Europa League
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          Mit dem 3:2 (1:2) bei Ludogorez Rasgrad im Gepäck ließen sich die Wirrungen des Rückflugs etwas leichter ertragen. Auch für den 19 Jahre alten Havertz, dem die vielen Lobeshymnen aber unangenehm zu sein schienen. Immer wieder zupfte er sich bei den Interviews am Trikot und versuchte, seine Heldenrolle in Bulgarien möglichst kleinzureden. „Nebensächlich“ seien seine beiden Tore. Die „pure Freude“, die er angeblich verspürte, konnte er sowohl bei seinem beherrschten Jubel nach dem Spiel als auch bei seinen konzentrierten und vorsichtigen Antworten gut verbergen.

          Das Entwicklungs-Tempo der letzten Wochen ist selbst einem Shootingstar wie ihm fast unheimlich. Debüt in der Nationalmannschaft, elf Tage später Matchwinner beim Europa-League-Debüt und nun Hoffnungsträger eines ganzen Vereins in der Krise – das muss ein Teenager erst einmal verarbeiten.

          „Größtes Talent seit Toni Kroos“

          Dass Havertz auch das kann, daran hat Kapitän Lars Bender keinen Zweifel. „Wir werden noch viel Spaß an dem Jungen haben“, sagte der 29-Jährige: „Er ist intelligent genug, auf dem Boden zu bleiben.“ Auch Herrlich ist sich sicher, dass Havertz mit Sonderlob umgehen kann und pries ihn als „den überragenden Mann“. Womit sich der Trainer ausdrücklich nicht nur auf die beiden Tore bezog, mit denen Havertz nach dem bedrohlichen 0:2-Rückstand die Wende einleitete (38.) und schließlich mit dem Siegtreffer vollendete (69.). „Die Tore waren nur das I-Tüpfelchen“, sagte Herrlich, der Havertz schon vor der Nationalmannschafts-Nominierung als „das größte Talent, das ich seit Toni Kroos gesehen habe“ geadelt hatte. Vorbildlich sei vor allem sein Einsatz gewesen.

          Auch zwei Gegenspieler können ihn nicht stoppen: Kai Havertz (Mitte) im Spiel gegen Ludogorets.

          Dieses Lob tat Havertz besonders gut. „Schon in der Jugend wurde ich dafür kritisiert, dass ich keine Mentalität gezeigt habe“, sagte er: „Deshalb habe ich mir vorgenommen, daran zu arbeiten.“ Die DFB-Nominierung habe ihm diesbezüglich noch einmal einen Schub gegeben, erklärte Havertz. Was für alle sichtbar war. Als die Zuspitzung der Krise drohte, war es nämlich vor allem der Jüngste, der sich gegen die vierte Niederlage in Folge stemmte – und sie letztlich abwendete. Der Teenager wird erwachsen. „Ich habe jetzt zwei Jahre Bundesliga gespielt“, sagte Havertz betont gelassen: „Da kann ich langsam mal anfangen, Verantwortung zu übernehmen.“

          Als Ausnahmetalent, Mentalitätsspieler und auch noch Torjäger ist Havertz damit das prädestinierte Gesicht der erhofften Wende. Denn nach dem historisch schlechtesten Bundesliga-Start der Vereinshistorie ist der Druck auf die noch punktlosen Leverkusener vor dem vierten Saisonspiel am Sonntag gegen Mainz (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) weiterhin riesengroß. „Das ist ein völlig anderer Wettbewerb“, mahnte Lars Bender: „Und in der Bundesliga ist die Situation bedenklich.“

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