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Füllkrugs Rolle bei Werder : Die Wucht des Rammbocks

  • -Aktualisiert am

Schalkes Schreckgespenst: Füllkrug erzielte beim 3:1 alle Werder-Tore. Bild: Picture-Alliance

Niclas Füllkrug bringt eine andere Farbe in den Bremer Angriff. Schon zum fünften Mal in seiner Profikarriere gelingen ihm drei Treffer in einem Spiel.

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          Im Trainingslager in Zell am See hatte es einmal ordentlich gekracht zwischen Trainer und Spieler. „Wenn du keine Lust hast, dann geh runter“, hatte Florian Kohfeldt während einer Übung zum Pressingverhalten Niclas Füllkrug angeschnauzt. Füllkrug hatte sich daraufhin das Leibchen über den Kopf gezogen, auf den Boden geschmissen und den Platz verlassen.

          Bundesliga

          Eine Situation, wie es sie bei Fußballmannschaften häufig gibt. Allerdings stand Füllkrug Mitte August unter besonderer Beobachtung: Sein Luxusauto war in Berlin gesichtet worden, als ein bekanntes Clan-Mitglied es fuhr. Das hatte in Bremen für einige Aufregung gesorgt; Sportchef Frank Baumann erläuterte die Geschichte eigens in einer Presserunde, legte nahe, Füllkrug habe von der Zweckentfremdung seines Fahrzeugs nichts gewusst, da er es einem Freund in Hannover geliehen hatte. Vielleicht hätten ihn die Schlagzeilen etwas dünnhäutig gemacht und seine „Überreaktion“ hervorgerufen, insinuierte Baumann.

          Noch im Zillertal hatte Kohfeldt die Trainingsschelte eingeordnet und versucht, die Wogen zu glätten. Schnell wuchs Gras drüber, und am Samstagabend, nach dem 3:1 beim FC Schalke 04, sagte Kohfeldt rückblickend: „Ich kenne ihn schon, seit er ein Kind war. Es war ein kleiner Disput im Trainingslager, er ist vom Platz gegangen, im Hotel war alles wieder gut.“

          Comeback nach Verletzung

          Füllkrug ist 27 Jahre alt, etwas Kindliches hat er sich bewahrt, um es freundlich auszudrücken, was nicht nur an der verschmitzt-sympathisch wirkenden Zahnlücke liegt – Spitzname „Lücke“. Eine mittlere Fußball-Katastrophe war es, als ihm vor einem Jahr das vordere Kreuzband im linken Knie riss. Plötzlich fehlte das wichtigste und teuerste Stück der neuen Bremer Offensive. Es fehlte und fehlte. Zehn Monate lang. Erst ganz am Ende gegen Köln und in Paderborn sowie in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim deutete Füllkrug seinen Wert als Rammbockstürmer und Kopfballspieler (und Torschütze) wieder an. Da war plötzlich eine andere Farbe im Werder-Angriffsspiel.

          Im zweiten Bremer Jahr soll Füllkrug nun zum Bundesliga-Stammspieler werden. Aber in der ersten Partie gegen Hertha (1:4) saß er 65 Minuten auf der Bank. Kohfeldt will ihn vorsichtig aufbauen und an regelmäßige Einsätze heranführen. „Er hat nach 65 Minuten um seine Auswechslung gebeten. Es ist kein Automatismus, dass er nächste Woche wieder in der Startelf steht“, sagte Kohfeldt nach dem ersten Saisonsieg, der ohne Füllkrug kaum zustande gekommen wäre. Kohfeldt wirkt in diesen ersten Wochen der neuen Saison ohnehin strenger, entschlossener und klarer als zuletzt. In Watte gepackt wird bei Werder keiner mehr: Trainers Lernprozess.

          Im austrainierten Zustand ist der wuchtige Stürmer unentbehrlich für seinen Verein. Alle drei Tore erzielte Füllkrug beim Auswärtssieg, der in Bremen alle fürs Erste beruhigte – die Mannschaftsleistung im Hertha-Spiel hatte allzu sehr an die Vorsaison erinnert und die Diskussion entfacht, was an diesem Team eigentlich besser sein sollte. Da kamen Füllkrugs Treffer in der 22., 37. und 59. Minute (Elfmeter) gerade recht.

          Besonderes Ausrufezeichen

          Schon fünf Mal hat Niclas Füllkrug in seiner Laufbahn drei Tore in einem Spiel erzielt. Diesmal stand ein besonderes Ausrufezeichen hinter der Leistung, denn seine Hereinnahme in die Stammelf wirkte wie der entscheidende Impuls Kohfeldts, um den Eindruck der Saisonpremiere zu verwischen – wobei Schalke ein schwacher Gegner war.

          Es waren keine herauskombinierten Treffer der Bremer. Füllkrug traf nach einem Eckball, einem Freistoß und eben per Elfmeter. Standardsituationen: Da zuckt jeder Werder-Fan zusammen, weil ebensolche zuletzt für viele Gegentore sorgten. Dass man sie selbst auch mal nutzt, wird nun gern hingenommen.

          Schöner Ballbesitzfußball kann bei Werder ausgedient haben, sollte pragmatischer Stil weiterhin zum Erfolg führen. Kohfeldt will sich nach den Erfahrungen der abgelaufenen Spielzeit nicht mehr auf irgendetwas Werder-Typisches festlegen lassen. Tore sind Tore, ob sie wundervoll herauskombiniert wurden oder „leicht“ erzielt werden wie am Samstag. Dass Niclas Füllkrug den Elfmeter schoss, hatte dabei eine spezielle Note: Reift da einer zum Führungsspieler?

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