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Hasan Salihamidzic im Gespräch : „Juve - die Bayern Italiens“

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Das höchste der Gefühle: Hasan Salihamidzic 2001 nach dem Gewinn der Champions League Bild: Imago Sport

Das schlechteste Los nach dem FC Barcelona - so beschreibt Hasan Salihamidzic im Interview den Gegner der Münchner. Im Champions-League-Viertelfinale am Dienstag (20.45 Uhr) sieht er die Deutschen dennoch „einen Tick vorn“.

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          Herr Salihamidzic, wenn Ihre Bayern, sagen wir die Champions-League-Sieger von 2001, gegen den FC Bayern von heute antreten würden, was würde dabei rauskommen?

          Es war alles anders damals, die Typen, die Zusammensetzung der Mannschaft, die Zeiten - alles anders. Man kann das erstmal nicht vergleichen, aber ich bin sicher, die heutigen Bayern sind wirklich sehr stark, sehr dominant, sie haben viel Ballbesitz, spielen auch wirklich einen schönen Fußball, wie es in Europa nicht viele Mannschaften können. Aber: Unsere Truppe von damals würde sich dagegenstemmen, würde fighten, das wäre schon ein interessantes Spiel, und am Ende, glaube ich, würden wir die auch putzen. Chancenlos wären wir jedenfalls nicht.

          Sie sind mit den Bayern sechsmal Meister geworden, viermal Pokalsieger, haben mit ihnen die Champions League gewonnen und den Weltpokal, ehe Sie 2007 zu Juventus Turin gegangen sind. Was haben Ihnen die vier Jahre in Italien gebracht? Vom Sportlichen her war es ja weit weniger erfolgreich.

          Es waren sehr schöne Jahre, ich hatte viel Spaß in Turin. Neues Land, neue Sprache, neue Freunde. Sportlich waren die ersten beiden Jahre ganz gut. Wir waren erst Zweiter, dann Dritter, haben uns jeweils für die Champions League qualifiziert. Die nächsten beiden Jahre waren dann, was das Sportliche betrifft, nicht schön, das ist wahr.

          Das 1:4 von Juventus 2009 zu Hause gegen die Bayern in der Champions League haben Sie damals verpasst.

          Ich saß auf der Bank. Es war das erste Mal nach drei Monaten Verletzungspause. Es war nicht schön, da zuzusehen.

          Sie verfolgen Juventus nach wie vor. Wie stehen die Chancen der Bayern am Dienstag (20.45 Uhr / Live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) gegen diese Mannschaft, die als außerordentlich unangenehmer Gegner gilt?

          Juventus ist nach Barcelona das schlechteste Los gewesen, das die Bayern ziehen konnten, das ist der zweitschwerste Gegner, eine Mannschaft, die in den letzten zwei Jahren eine Superleistung gebracht hat, die in der vergangenen Saison kein einziges Meisterschaftsspiel verloren hat und in der aktuellen bislang nur ein einziges. Juventus ist superstabil, spielt einen gepflegten Fußball, legt wie die Bayern Wert auf viel Ballbesitz und hat wirklich sehr feine Weltklassespieler in seinen Reihen. Das ist ein sehr schwerer Brocken. Trotzdem: Wenn die Bayern ihre Topleistung bringen können, sehe ich sie einen Tick vorn. Aber man kann halt nicht immer auf Knopfdruck seine beste Leistung abliefern, und deshalb bin ich sehr gespannt darauf, wie dieses Duell ausgehen wird.

          So kennt man den Bosnier: Immer voller Einsatz für die Bayern
          So kennt man den Bosnier: Immer voller Einsatz für die Bayern : Bild: REUTERS

          Was ist das typisch Italienische im Fußball? Was ist das Juve-Gen?

          Zuerst mal sind die Spieler einfach richtig gut. Juventus hat viele erfahrene Profis, angefangen mit Buffon im Tor, eine erstklassige Abwehr, Pirlo im Mittelfeld und, und, und . . . Da spielt mehr als die halbe Nationalmannschaft. Es ist kein Wunder, dass die so gut sind.

          Man rühmt die taktische Ausbildung der Italiener. Gibt es in dieser Beziehung immer noch einen Unterschied zwischen Deutschland und Italien?

          In der Intensität war das auch in Italien immer abhängig vom Trainer. Grundsätzlich ist dort aber schon immer viel Wert auf die taktische Entwicklung gelegt worden: Verteidigungsstrategie, Spielaufbau. Man übt das so lange, bis es in die Fußnägel übergeht. Aktuell hat Juventus mit Antonio Conte einen hervorragenden Trainer, er will, dass jeder in der Mannschaft permanent in Bewegung ist. Jeder muss verteidigen, auch die Stürmer, die deshalb manchmal in der Kritik stehen, weil sie nicht so viele Tore schießen. Aber weil alle auch defensiv mitarbeiten, ist die Mannschaft so stabil. Die wirft nichts so schnell um. Und da sind auch Jungs dabei wie Chiellini und Barzagli, wo es mal richtig kracht, die sind wirklich schwer zu knacken. Die anderen Viertelfinals sind eindeutiger: Barcelona, Real und Dortmund sind gegen Paris, Galatasaray und Málaga Favoriten, aber Bayern gegen Juve, das wird eine ganz enge Nummer.

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