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Hasan Salihamidzic im Gespräch : „Bei Juventus ist vieles extremer“

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„Es ist nicht einfach, gegen vermeintlich kleine Vereine zu gewinnen”: Salihamidzic nach einem Tor gegen Siena am 23. Dezember 2007 Bild: picture-alliance/ dpa

Ein bosnischer Bayer in Turin: Hasan Salihamidzic spricht über das Champions-League-Duell mit Juve gegen „seine“ Münchner, über Diego, sein Auto - und Bratwürste von Uli Hoeneß. Wegen einer Verletzung wird er am Mittwoch allerdings nur zusehen können.

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          Ein bosnischer Bayer in Turin: Hasan Salihamidzic hatte sich so gefreut auf die Rückkehr nach München. Doch beim Gastspiel an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / FAZ.NET-Champions-League-Liveticker) mit Juventus Turin muss er verletzt von der Tribüne aus zuschauen. Eine Sehnenentzündung macht einen Einsatz unmöglich. Dennoch spricht Salihamidzic im FAZ.NET-Interview über das Duell gegen „seine“ Münchner, über Diego, sein Auto mit Münchner Kennzeichen - und Bratwürste von Uli Hoeneß.

          Stimmt es, dass Sie auch noch zwei Jahre nach dem Wechsel zu Juventus Turin mit einem Münchner Kennzeichen unterwegs sind?

          Woher wissen Sie das denn? Es stimmt tatsächlich. Ich fühle mich in München einfach zu Hause. Irgendwie ist es noch immer meine Stadt, und ich gehe davon aus, dass ich nach meiner Karriere gemeinsam mit meiner Familie wieder dorthin ziehen werde. Viele meiner Freunde leben in München, ich habe zehn Jahre für den FC Bayern gespielt. Das sind Erfahrungen, die einen das ganze Leben prägen.

          „Jedes Jahr den Anspruch, die Champions League zu gewinnen”: Salihamidzic nach einem Tor in der Saisonvorbereitung gegen Real Madrid
          „Jedes Jahr den Anspruch, die Champions League zu gewinnen”: Salihamidzic nach einem Tor in der Saisonvorbereitung gegen Real Madrid : Bild: AP

          Bei aller Freude: An diesem Mittwoch geht es - wenn auch ohne Sie auf dem Spielfeld - in der Champions League um wichtige Punkte.

          Natürlich. Juventus Turin hat immer den Anspruch, die Champions League zu gewinnen. Das ist ganz klar. Aber dafür muss man über die Vorrunde kommen, und wir haben mit den Bayern, Maccabi Haifa und Girondins Bordeaux eine sehr schwere Gruppe erwischt. In der Spitze des europäischen Fußballs ist es ausgesprochen eng, da muss man immer an der Grenze des Möglichen spielen. Nur dann kann man etwas erreichen.

          Mit Bayern München haben Sie 2001 die Champions League gewonnen - haben Sie manchmal bereut, diesen Verein im Sommer 2007 verlassen zu haben?

          Auf keinen Fall. Ich hatte eine richtig gute Zeit in München, und wir haben alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Es wäre bequem gewesen, bei den Bayern zu verlängern und die Zeit dort zu genießen. Aber irgendwann muss man einen Schritt machen, der unbequem ist. Das Ausland hat mich immer gereizt. Inzwischen spreche ich Italienisch, auch die Kultur gefällt mir hier. Und ich spiele für Juventus Turin. Den größten und traditionsreichsten Klub Italiens mit mehr als zehn Millionen Fans. Die Liga ist sehr anspruchsvoll. Es ist nicht einfach, gegen vermeintlich kleine Vereine wie Livorno oder Cagliari zu gewinnen. Taktisch sind diese Mannschaften sehr gut organisiert - da ist die Serie A im Vergleich zur Bundesliga sicher im Vorteil.

          Aber die Bundesliga ist zuletzt immer attraktiver geworden. Hier könnten Sie - im Gegensatz zu Italien - in ausverkauften Arenen spielen, und auch die Hooligans spielen hierzulande kaum noch eine Rolle.

          Deutschland ist vielen anderen Ländern in dieser Beziehung voraus. Nicht nur Italien, auch Spanien und vermutlich sogar England. Die Stadien, die Organisation - Deutschland ist in dieser Beziehung weltweit die Nummer eins. Für Italien sind die alten Stadien dagegen das größte Problem. Jedes Jahr gibt es Auseinandersetzungen, jedes Jahr ist zuletzt irgendetwas passiert. Hier sind die Zuschauer einfach unglaublich emotional. Aber einige Dinge müssen sich ändern, weil sie einfach nicht ins Stadion gehören.

          Die Antipathie dürften auch Sie gespürt haben. Juventus und Bayern sind in ihren Ländern die beliebtesten und zugleich verhasstesten Klubs - wie haben Sie dieses Phänomen erlebt?

          Wenn wir mit Bayern München irgendwo hingefahren sind, haben die Leute uns ab und zu mit Bier bespritzt oder Plastikbecher nach uns geschmissen. Bei Juventus ist es extremer. Wenn du außerhalb von Turin mit dem Bus unterwegs bist, beschimpfen dich die Leute oder schlagen mit den Fäusten an die Scheibe.

          Das wird auch Diego erleben, der vor der Saison aus Bremen gekommen ist. Sind Sie froh, dass er da ist?

          Er ist ein super Spieler. Was er für eine Qualität mitbringt, ist unglaublich gut. Wir sind alle sehr froh, ihn in den Reihen zu haben. Er kann Fußball spielen, und er ist ein guter Typ. Leider war er zuletzt verletzt. Genau wie ich. Nach dem ersten Spieltag hatte ich Probleme mit einer Sehne am Knöchel und musste einen Monat pausieren. Beim letzten Ligaspiel war ich zwar zurück im Kader, aber am nächsten Tag sind die Schmerzen zurückgekommen. Deswegen kann ich in München nicht spielen. Die Enttäuschung ist groß.

          Überrascht es Sie manchmal, immer noch auf höchstem internationalen Niveau mithalten zu können - Sie hatten in München immerhin zwei Kreuzbandrisse?

          Ich habe nie aufgegeben. Die Leute haben gut auf mich aufgepasst in München, ich hatte dort eine gute medizinische Betreuung. Aber ich habe auch gekämpft wie ein Löwe, weil ich nicht wollte, dass die Verletzungen bestimmen, wann ich meine Karriere beende. Es ist noch immer ein Kampf, aber er lohnt sich jeden Tag.

          Bayern-Manager Uli Hoeneß hat Ihnen bei der Rückkehr nach München Bratwürste versprochen. Glauben Sie, dass Sie die auch bekommen, wenn Turin gewinnt?

          Davon gehe ich aus. Uli und ich sind Freunde.

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