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Investor Hasan Ismaik : Der unberechenbare Herrscher über die Münchner „Löwen“

  • Aktualisiert am

Greift in München hart durch, kommt aber nicht voran: Investor Hasan Ismaik Bild: dpa

Sechs Jahre, dreizehn Trainer, viel mehr Ausreden: Hasan Ismaik wurde bei 1860 München als unbekannter Retter gefeiert. Doch die zweifelhaften Methoden des Milliardärs haben großen Anteil am Absturz des Zweitligaklubs.

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          Als noch unbekannter Retter bei 1860 München träumte Hasan Ismaik von der Champions League, von Kraftproben mit dem FC Bayern und dem FC Barcelona mit Weltstar Lionel Messi. Selbst die Bundesliga schien damals, im fernen Frühjahr 2011, in den Plänen des jordanischen Geschäftsmannes nur ein Zwischenschritt auf dem Weg in die internationale Fußballelite. Fast sechs Jahre, ebensoviele Präsidien und Sportchefs, 13 Trainer, drei Beinahe-Abstiege und unzählige Skandale später steht der Name Ismaik an der Grünwalder Straße in München-Giesing längst für etwas anderes als Hoffnung. Wie konnte es in gut einer halben Dekade so weit kommen? Und welchen Anteil am Absturz des Zweitligaklubs hat der Milliardär?

          Mit einem Investment von 18 Millionen Euro hatte Ismaik die „Löwen“ im Mai 2011 vor dem finanziellen Kollaps gerettet und sich damit 60 Prozent der Aktien des Klubs gesichert. Im Laufe der Zeit kamen immer weitere Millionen an Darlehen dazu. Der Einfluss wuchs parallel.

          1860 ist voll von Ismaik-Vertrauten

          Ismaik ist inzwischen längst der Mann, der bei den „Löwen“ final das Sagen hat. Formal verbietet die 50+1-Regel der Deutschen Fußball Liga (DFL), dass Investoren über den Stammverein hinweg Entscheidungen treffen können. Und rein juristisch sicherte sich Ismaik bei seinem Einstieg auch nur 49 Prozent der stimmberechtigen Anteile.

          Ein Blick auf das Organigramm der Profi-Abteilung genügt aber, um Ismaiks Ruf als Alleinherrscher zu verstehen: Im fünfköpfigen Aufsichtsrat sitzen Ismaik als Vorsitzender sowie seine Brüder Yahya und Abdelrahman, der Verein stellt zwei Vertreter. Der Beirat besteht aus Hasan und Yahya Ismaik sowie TSV-Präsident Peter Cassalette als Klub-Abgesandtem. Geschäftsführer ist ein gewisser Anthony Power, ein langjähriger, fußballferner Ismaik-Mitarbeiter.

          „Die Zusammenarbeit mit Hasan Ismaik war unmöglich“, resümierte der bis dato letzte 1860-Sportchef Thomas Eichin. Er verlor Anfang Dezember seinen Job nach nur 165 Tagen. Gegenwind und offene Kritik in den Gremien hat Ismaik inzwischen nicht mehr zu befürchten. Das scheint dem Selbstverständnis des Immobilien- und Öltycoons zu entsprechen. Der 1977 in Kuwait geborene Ismaik arbeitete sich nach eigener Aussage von Null in die Liga der Superreichen vor. Das Magazin „Forbes“ kürte ihn 2014 zum ersten jordanischen Milliardär. Seine Firma HAMG hat ihren Sitz in den Etihad Towers von Abu Dhabi.

          Glamour und Prestige, das hatte sich Ismaik auch beim Traditionsclub aus Giesing erhofft. Mit den „Löwen“ wollte der Geldgeber, der sich bei seinen Stippvisiten standesgemäß im Maybach vorfahren lässt, die 2. Liga verlassen und den Stadtrivalen FC Bayern attackieren. Zudem soll ein eigenes Stadion im Osten der Stadt her, vor dem Ismaik sogar mal ein Tiergehege mit echten Löwen bauen wollte. Aber sportlich läuft es seit Jahren ebenso wenig wie organisatorisch. Querelen des Geldgebers aus Nahost mit immer wieder neuen Vereinsbossen bestimmten an der Grünwalder Straße die Tagesordnungen. Erst der aktuelle Präsident Peter Cassalette scheint Ismaik nichts entgegenzusetzen.

          So knöpft sich der unberechenbare Investor andere vor, die Schuld seien an der 1860-Misere. Frühere Vereinsbosse, die einen schlechten Arena-Deal mit dem FC Bayern ausgehandelt hätten; Mitarbeiter, die den Verein plünderten; Sportdirektoren, die versagt hätten; Medien, die voreingenommen und schändlich berichten sowie Lügen verbreiten. Die Liste seiner angeblichen Feinde ist in Ismaiks Welt lang.

          Die Konsequenzen häufen sich: Einigen Münchner Zeitungen wurden zuletzt die Dauerakkreditierungen für Heimspiele entzogen, eine Reporterin der „Bild“-Zeitung darf gar nicht mehr ins Stadion. Darüber hinaus soll Ismaik während des 1860-Heimspiels gegen St. Pauli am vergangenen Wochenende Anhänger des Gästeklubs von der Ehrentribüne verwiesen haben – weil sie ihm zu sehr jubelten.

          Am Montagabend teilte der Verein mit, es sei „nicht unser Ziel, die Journalisten bei der Arbeit zu behindern“. Außerdem sei man „höchst erstaunt“ über die Äußerungen aus St. Pauli, wolle diese aber eigentlich gar nicht kommentieren. Diese Logik geht wohl nur bei einem Verein unter der Führung eines Mannes wie Hasan Ismaik.

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