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Nachfolger von Löw nach EM : DFB-Wunschkandidat Flick wird neuer Bundestrainer

Gruppenbild mit dem neuen Bundestrainer: DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge, der künftige Coach Hansi Flick, DFB-Vizepräsident Peter Peters, DFB-Direktor Oliver Bierhoff und DFB-Vizepräsident Rainer Koch (von links) Bild: Vera Loitzsch/DFB

Pünktlich vor dem Start der EM-Vorbereitung verkündet der DFB, wer neuer Bundestrainer wird. Hansi Flick übernimmt nach seinem Ende beim FC Bayern wie erwartet und wird Nachfolger von Joachim Löw.

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          Das Zeitspiel beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat sich gelohnt. Als Joachim Löw im März seinen Rücktritt als Bundestrainer nach der Europameisterschaft in diesem Sommer verkündete, gab es viele Kandidaten, die schnell als Nachfolger gehandelt wurden. Doch einige, die hoch im Kurs standen, waren gebunden. Jürgen Klopp winkte gleich ab, er habe in Liverpool noch einiges zu erledigen. Auch Hansi Flick hatte einen bis Mitte 2023 laufenden Vertrag beim FC Bayern. Zweieinhalb Monate später besitzt er nun einen anderen Kontrakt – als neuer Bundestrainer und Nachfolger von Löw, bis ins Jahr 2024 inklusive der Europameisterschaft im eigenen Land.

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          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Das gab der DFB am Dienstagvormittag bekannt, nachdem Bilder von Flick in der Zentrale des Verbandes aufgetaucht waren. Flick unterzeichnete am Morgen in Frankfurt seinen Vertrag, der offiziell am 1. Juli 2021 beginnt. Ob Löw, der ursprünglich eine Vereinbarung bis Mitte 2022 besaß, die erste deutsche Fußball-Mannschaft an diesem Tag trotzdem noch anführt, hängt vom sportlichen Erfolg bei der Europameisterschaft ab. Dazu müsste er mindestens das Viertelfinale erreichen, das am 2. und 3. Juli ansteht. In der Vorrunde des kontinentalen Turniers geht es gegen Frankreich (15. Juni), Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni). Bis zum Ende des Turniers für das deutsche Team bleibt Löw Bundestrainer.

          Danach übernimmt Flick, der seinen Vertrag in München trotz großer Erfolge mit sieben Titeln in nur eineinhalb Jahren jüngst auflösen ließ. Die Unstimmigkeiten und das Kompetenzgerangel beim FC Bayern führten zu diesem Schritt. Julian Nagelsmann übernimmt beim deutschen Rekordmeister. Der 56 Jahre alte Flick kehrt dann zurück zum DFB, für den er schon von 2006 bis 2014 als Assistent von Löw arbeitete. Nach dem Höhepunkt, dem WM-Titel in Brasilien, beendete er seinen Job in Löws Schatten und wurde Sportdirektor beim Verband. 2017 verließ der frühere Profi des FC Bayern aber überraschend den DFB, um sich eine Auszeit zu nehmen.

          Flick: „Ich bin sehr glücklich“

          Ein halbes Jahr später wurde er Geschäftsführer bei der TSG Hoffenheim; dieses Engagement währte aber nur einige Monate. 2019 folgte die Rückkehr Flicks auf die große Bühne als Assistent von Niko Kovac in München. Nach dem Aus des Cheftrainers übernahm Flick, erst interimsweise, dann fest, und führte den Klub in eine letztlich nur kurze, aber sehr erfolgreiche Phase mit dem Höhepunkt des Titels in der Champions League im vergangenen Sommer. Doch im April bat er um Vertragsauflösung. Damit war der Weg frei für die Übernahme des Postens seines einstigen Chefs Löw. Das Zeitspiel des DFB hatte sich gelohnt, zumal nun auch der Abschluss vor der EM gelang.

          „Es ging jetzt doch alles auch für mich überraschend schnell mit der Unterschrift, aber ich bin sehr glücklich, ab dem Herbst als Bundestrainer tätig sein zu dürfen“, sagte Flick in der DFB-Mitteilung. Auf Fotos, die der Verband verbreitete, ist er mit DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der für die Nationalmannschaften zuständig ist und die Verhandlungen mit Flick führte, und den Ersten DFB-Vizepräsidenten Peter Peters und Rainer Koch sowie Schatzmeister Stephan Osnabrügge zu sehen. „Meine Vorfreude ist riesig, denn ich sehe die Klasse der Spieler, gerade auch der jungen Spieler in Deutschland. So haben wir allen Grund, die kommenden Turniere, zum Beispiel die Heim-EM 2024, mit Optimismus anzugehen“, sagte Flick.

          Flick machte deutlich, wie stark die Verbindung zu Bierhoff ist, der schon nach dem blamablen WM-Aus 2018 in die Kritik geraten war, anders als Löw nun aber auf seinem Posten blieb. „Ich weiß aus bester Erfahrung, dass ich mit Oliver Bierhoff einen starken, vertrauensvollen Partner an meiner Seite habe und welche Fachleute im Team hinter dem Team arbeiten, sodass die Mannschaft, wir Trainer und der Staff ohne lange Anlaufzeit durchstarten können“, sagte Flick laut Mitteilung. „Ich freue mich auch, meine Vorstellungen und Ideen über die Nationalmannschaft hinaus in der Akademie und den weiteren Nationalmannschaften einzubringen.“

          Jetzt sei aber nicht wichtig, was ab September sein wird. „Dazu werde ich mich im August detailliert melden.“ Wichtig sei, laut Flick, „die anstehende EM, für die ich Jogi Löw, Marcus Sorg, Andy Köpke und der Mannschaft den größtmöglichen Erfolg wünsche. Jogi Löw hat einen großen Abschluss seiner Karriere als Bundestrainer mehr als verdient.“ Danach startet Flick in seine Mission, die am 2. September in St. Gallen in der Schweiz mit dem WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein starten wird. Es folgen das Heimspiel gegen Armenien (5. September) und die Partie in Island (8. September). Abgeschlossen wird die WM-Qualifikation für Qatar 2022 noch in diesem Herbst.

          „Ich bin sehr stolz, dass es uns gelungen ist, Hansi Flick für den Posten des Bundestrainers zu verpflichten“, sagte Bierhoff. „Er stand von Anfang an ganz oben auf meiner Wunschliste. Die menschlichen und fachlichen Qualitäten von Hansi Flick kenne und schätze ich seit unseren vielen gemeinsamen erfolgreichen Jahren bei der Nationalmannschaft.“ In der Zeit bei Bayern München habe Flick gezeigt, wohin er eine Mannschaft als Cheftrainer führen kann. „Wir sind uns schnell über die Zusammenarbeit und künftige Aufgaben einig geworden. Es war für mich wichtig, noch vor Beginn der Europameisterschaft Klarheit zu schaffen. Wir haben ein großes gemeinsames Ziel: zurück an die Weltspitze.“

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          Ob Sorg und Köpke auch Flicks Assistenten werden, ist noch unklar. Der neue Bundestrainer möchte eine Entscheidung über die Besetzung der Posten erst zu seinem Dienstantritt nach der EM verkünden. Auch Details zu einem möglichen Kompensationsspiel zugunsten des FC Bayern, der seinen Vertrag mit Flick zum 30. Juni auf dessen Wunsch auflöste, sollen erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge hatte anfangs des Monats bereits verkündet, dass man sich mit dem DFB auf eine „smarte Geste“ verständigt habe.

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