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Kritik vom Bayern-Trainer : Flick und sein Seitenhieb gegen den DFB

Nicht glücklich mit der Ansetzung des Pokal-Halbfinales: Bayern-Trainer Hansi Flick Bild: Picture-Alliance

Der heutige Bayern-Trainer Hansi Flick war selbst viele Jahre beim DFB. Nach dem Sieg im Pokal-Halbfinale aber kritisiert er den Verband. Zudem äußert der Münchner Coach einen Wunsch fürs Endspiel.

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          Hansi Flick hat gute Beziehungen zum Deutschen Fußball-Bund (DFB). Schließlich stand der heutige Trainer des FC Bayern von August 2006 bis Januar 2017 selbst beim größten Sportfachverband der Welt unter Vertrag. Acht Jahre war er Assistent von Bundestrainer Joachim Löw, nach dem WM-Titel 2014 wurde Flick Sportdirektor, ehe er auf eigenen Wunsch ausschied. Nach dem 2:1-Sieg seiner Bayern im Halbfinale des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt setzte Flick allerdings einen kleinen Seitenhieb gegen den alten Arbeitgeber. Ihm missfiel die terminliche Ansetzung des Spiels.

          DFB-Pokal
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          „Normalerweise diskutiere ich die Spiel-Ansetzungen wenig, weil man eh nichts tun kann“, sagte er am Mittwochabend in der ARD. Er finde es jedoch „unglücklich“, zwischen zwei Bundesliga-Partien wie gegen Bayer Leverkusen am vergangenen Samstag, das die Münchner mit 4:2 gewannen, und gegen Borussia Mönchengladbach an diesem Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) ein Pokalspiel bestreiten zu müssen. „Vielleicht hätte man so ein Halbfinale, ähnlich wie es die Champions League plant, auch nach der Runde machen können, um sich erst einmal komplett auf die Meisterschaft zu konzentrieren“, sagte Flick.

          Er habe dies von Anfang an intern so gesagt, „aber leider ist beim DFB keiner auf die Idee gekommen, das umzusetzen. Das ist so, das muss man hinnehmen“, sagte Flick. Die Bayern treffen am 4. Juli im Endspiel im Berliner Olympiastadion auf Bayer Leverkusen. Die Kritik erstaunt ein wenig, schließlich sind es die Münchner gewohnt, alle drei Tage zu spielen durch ihre Verpflichtungen in Deutschland und im Europapokal. Womöglich aber förderte die müde Vorstellung in der zweiten Halbzeit, als bei den Bayern sichtbar die Kräfte schwanden, Flicks Lust zur öffentlichen Konfrontation mit dem DFB.

          Grund zur Klage hätten auch die Frankfurter Gegner gehabt, die noch mehr belastet waren als die Münchner. Durch das Bundesliga-Nachholspiel in Bremen in der Vorwoche bestritt die Eintracht seit dem Wiederbeginn des Spielbetriebs in der Corona-Krise schon das dritte Spiel unter der Woche, während die Münchner nun bei zwei stehen. Eine Verschiebung der Pokal-Halbfinalspiele auf einen Termin nach Bundesliga-Ende wäre zudem für Viertligaklub Saarbrücken noch problematischer gewesen. Der Außenseiter, der am Dienstag gegen Leverkusen 0:3 verlor, hat seit Mitte März gar nicht mehr gespielt, da die Saison in der Regionalliga abgebrochen worden ist.

          Lange wollte sich Flick mit der ihm unliebsamen Terminierung aber nicht aufhalten. Vielmehr schaute er voraus auf das große Finale – und wünschte sich, dass wieder Fans im Stadion zusehen können bei einem Duell, das eigentlich den rauschenden Saisonabschluss im deutschen Fußball bildet. „Ich weiß nicht, ob das jetzt schon so weit sein kann, dass in Berlin eventuell Zuschauer sind. Ich kann es mir fast nicht vorstellen“, sagte er zur möglichen Zulassung zumindest einiger Stadionbesucher. „Wir haben einfach die Bedingungen, die jetzt da sind. Die müssen wir akzeptieren.“

          Das Olympiastadion ist bei Pokalendspielen stets mit mehr als 70.000 Zuschauern ausverkauft. Wegen des Coronavirus dürfen die Bundesligasaison und auch der DFB-Pokal-Wettbewerb nur mit Geisterspielen in leeren Stadien zu Ende gespielt werden. Flick ist dennoch überzeugt, dass das Duell des Titelverteidigers mit Herausforderer Leverkusen zumindest sportlich ein großer Fußballabend wird. „Bayer ist eine Mannschaft, die einen sehr schönen Fußball spielt. Von daher kann sich der neutrale Zuschauer sicher auf ein schönes Spiel freuen.“

          Auch Thomas Müller blickte freudig voraus auf das Finale. „Mit Leverkusen ist ein Gegner auf dem Platz, der große Fähigkeiten hat“, sagte der Stürmer. „Aber wir haben am Wochenende eine Duftmarke gezeigt“, erinnerte Müller an den Münchner 4:2-Erfolg im Kampf um Ligapunkte: „Das wollen wir in Berlin auch wieder zeigen.“ Für Flick dominierten nach dem mühsamen Sieg über die Eintracht die glänzenden Aussichten, die Saison mit dem Double krönen zu können. „Ich muss meiner Mannschaft einfach ein Riesenlob aussprechen, weil sie in diesem Jahr 2020 hervorragend performt“, sagte der Trainer. Schon am Samstag könnte im Idealfall mit einem Heimsieg über Gladbach in der Bundesliga der 30. Meistertitel perfekt gemacht werden.

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