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Fußball und Corona : Nur noch geimpft zum DFB-Team!

Niklas Süle (links) ist geimpft und infizierte sich, Joshua Kimmich ist bisher nicht geimpft. Bild: picture alliance / SvenSimon

Wie viel ist eine Impf-Kampagne des DFB wert, wenn seine Nationalspieler nicht als Vorbilder vorangehen? Nicht sehr viel. Dabei gibt es ein Lösung: Haltung zeigen. Impfen ist der einzige Weg aus dieser Pandemie.

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          Der Nationaltrainer hat sich entschieden: Nominiert wird nur, wer einen Impfnachweis gegen Covid-19 vorlegen kann. Das hat nichts mit Diskriminierung all jener zu tun, die sich auch rund ein Jahr nach Beginn der Impfkampagne gegen eine Immunisierung entschieden haben. Es ist ein Eingeständnis der Wirklichkeit. Denn diese Pandemie ist noch nicht vorbei, nicht in Deutschland, nicht in Europa, nicht einmal in China.

          Offiziellen Meldungen nach zu urteilen, halten sich die Corona-Ausbrüche dort zwar in Grenzen, dennoch sind die Regelungen eindeutig: Wer zu den Olympischen Winterspielen in Peking im kommenden Februar reisen will, muss geimpft sein oder sich nach der Landung in China für 21 Tage in Quarantäne begeben. Aber das ist nicht wirklich eine Alternative. Eine vernünftige Vorbereitung auf das Eishockey-Turnier wäre so jedenfalls nicht mehr möglich – das weiß auch Bundestrainer Toni Söderholm.

          Wer zu einem Länderspiel der Fußball-Nationalmannschaft eingeladen wird, muss sich testen lassen. Bei Niklas Süle fiel so in dieser Woche eine Corona-Infektion auf, obwohl er vollständig geimpft ist. Vier weitere Nationalspieler wurden daraufhin in Quarantäne geschickt – darunter Joshua Kimmich, von dem bekannt ist, dass er ungeimpft ist. Von den anderen Drei darf das zumindest angenommen werden.

          Und spätestens an dieser Stelle wird ein Glaubwürdigkeitsproblem deutlich. „Schiri, ich hab schon Gelb“ – mit diesem Slogan wirbt der Deutsche Fußball-Bund zusammen mit seinen Regional- und Landesverbänden für die Bedeutung einer Impfung. Das ist löblich, aber wie viel ist es wirklich wert, wenn die großen Fußball-Vorbilder nicht auch als Impf-Vorbilder vorangehen?

          Eine Impfung ist und bleibt eine individuelle Angelegenheit. Aber ein ungeimpftes Individuum lebt selten isoliert. Und wer Nationalspieler ist, bespielt eben nicht nur die großen Fußallbühnen, er reist dafür mit seiner Mannschaft quer durch Europa – und vermittelt so das Gefühl, dass nach wie vor alles möglich ist. Das ist ein Irrglaube. Und es ist gefährlich.

          Denn womöglich wird hierzulande im Angesicht wachsender Infektionszahlen schon in ein paar Wochen wieder darüber diskutiert, ob es richtig ist, Schulen abermals zu schließen, den Fußballbetrieb aber weiter laufen zu lassen. Wiederholt sich diese Geschichte, der Fußball könnte nur verlieren.

          Dabei gibt es ein Gegenmittel, es lautet: Haltung zeigen. Impfen ist der einzige Weg aus dieser Pandemie – so äußerte sich Nationaltrainer Hansi Flick in dieser Woche. Er hat recht. Und er sollte den Mut aufbringen, seine Worte mit Leben zu füllen. Es wäre ein Zeichen – über den Fußball hinaus.

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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