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Flick und die Nationalmannschaft : Ende der One-Man-Show

Entwicklungshelfer: Hansi Flick sieht, anders als sein Vorgänger, die Aufgabe nicht als erledigt an, wenn die Spiele gespielt sind – auch Leroy Sané profitiert davon. Bild: dpa

Unter Bundestrainer Hansi Flick gelten im DFB-Team wieder die Fußball-Grundgesetze – und es wird eine Sprache gesprochen, die jeder versteht.

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          Als sich Hansi Flick auf der Pressekonferenz um 12.28 Uhr vor das Mikrofon setzte, war es dem Medienchef der Nationalelf wichtig, selbst dieses Detail ins Bewusstsein der Fußballöffentlichkeit zu rücken: „Auch eine Neuerung: Bei Hansi Flick sind wir auch mal früher.“ Was der Mann fürs Öffentliche damit im ersten Herbst nach 15 Jahren unter Joachim Löw indirekt ausdrückte, war klar: Auch hier ist jetzt wieder Zug drin. Und da ist was dran. Fünf Wochen nach dem ersten Länderspiel unter Flick lässt sich jedenfalls feststellen: Der neue Bundestrainer macht sich daran, in der Nationalelf die Dinge wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Die Wahrheit, um eine alte Fußballweisheit zu bemühen, die auf dem Platz liegt, war in den vergangenen Jahren rund um die Nationalelf ziemlich in Nebel gehüllt. Flick hat sich zur Aufgabe gemacht, den Fußball-Grundgesetzen nun auch dort wieder Geltung zu verschaffen. Das fängt in diesen Tagen, in denen der Bundestrainer sein Team auf die WM-Qualifikationsspiele gegen Rumänien und in Nordmazedonien vorbereitet, schon beim Training an. Die Intensität bei der letzten Einheit sei dermaßen hoch gewesen, dass er auf die letzte Trainingsform verzichtete, sagte Flick am Tag vor dem Spiel. Sein Ziel, „dass wir im Training genauso aktiv sind wie im Spiel“, sah der Bundestrainer in diesem Moment schon erreicht. Und mehr als hundert Prozent geben, so war er zu verstehen, gehe eben auch nicht. „Wir sind sehr zufrieden.“

          „Es zählt die Leistung“

          Auch wenn es um Personalfragen geht, wird bei der Nationalelf wieder eine Sprache gesprochen, die jeder versteht. Auch Flick muss sich mit der Frage befassen, ob hochverdiente, aber in die Jahre gekommene Stars wie Thomas Müller und Mats Hummels der Nationalelf tatsächlich noch helfen können, bei der WM 2022 aus der deutschen Mannschaft wieder ein international wettbewerbsfähiges Team zu machen. Der Dortmunder Abwehrchef ist auch diesmal nicht dabei, weil es für ihn wegen Knieproblemen besser sei, in seinem Klub an Form und Fitness zu arbeiten. Thomas Müller, der ebenfalls beim Flick-Auftakt im September fehlte, ist hingegen zurückgekehrt.

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          Doch der Bundestrainer hat sich weder dazu verstiegen, auf die beiden 32 Jahre alten Weltmeister aus grundsätzlichen Erwägungen beim Neuaufbau zu verzichten, noch stattet er sie mit einer Einsatzgarantie aus. „Jeder hat die Chance, sich ins Team zu spielen. Es zählt die Leistung“, sagt Flick. Und das heißt gegen Rumänien: Er vertraut in der Innenverteidigung weiter auf die zuletzt überzeugenden Antonio Rüdiger und Niklas Süle. Und auf der Position von Thomas Müller, dies betonte Flick ausdrücklich, gäbe es selbst im derzeitigen und auf 20 Feldspieler begrenzten Kader „drei oder vier Spieler“, die auf der Müller-Position spielen könnten. „Wir haben die Qual der Wahl“, sagt Flick. „Wir haben Qualität und Potential. Es gibt kaum Spieler, die gesetzt sind.“

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