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Bundestrainer Flick beim DFB : All in!

Hansi Flick beim DFB: Er packt es an. Bild: dpa

Hansi Flick erwartet vom Nationalteam eine besondere Mentalität. Der neue Bundestrainer zeigt sich anpackend und pragmatisch. Aber er spricht auch eine Warnung aus.

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          Nur mal angenommen, Joachim Löw wäre noch in ein weiteres Jahr als Bundestrainer gegangen, sein sechzehntes. Auch ihm wäre zu Beginn des neuen Turnierzyklus wieder die Frage gestellt worden, die Fußball-Deutschland nun schon eine ganze Weile beschäftigt und bewegt. Und vielleicht hätte Löw dann vor seiner Antwort auf diese Frage nach Thomas Müller und Mats Hummels kurz den Blick über den Raum schweifen lassen, seine Gedanken gesammelt und dann erklärt, dass er zu gegebener Zeit mit dem Thomas und dem Mats schon auch das Gespräch suchen werde.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Vielleicht hätte er auch darüber räsoniert, ob er den vor der EM unterbrochenen Umbruch nun fortsetzen wolle, ob er also quasi die Unterbrechung des Umbruchs jetzt abbricht. Oder er hätte ein anderes Gedankenkonstrukt gezimmert, das aus der Innensicht des Baumeisters Kohärenz und Logik verströmen soll, von außen aber schwer durchschaubar wirkt.

          Als diese Frage am Dienstag Hansi Flick gestellt wurde, dem neuen Bundestrainer, antwortete dieser jedenfalls auffallend geradeheraus: „Die Besten werde eingeladen“, sagte Flick. Und wenn Hummels und Müller weiter ihre Leistung brächten, wozu er sie selbstverständlich in der Lage sehe, „dann sind sie weiter ein Teil der Mannschaft“. Fußball kann ganz unkompliziert sein – vor allem wenn man nicht ständig über die Verstrickungen der Vergangenheit stolpert. Und so war das, was Flick bei seiner Antrittspressekonferenz zu diesem Thema sagte, nicht nur das, was auch schon vor zweieinhalb Jahren das Richtige gewesen wäre, als Löw den Weltmeistern von 2014 demonstrativ die Tür wies. Es war auch ein Wink, wie es in der Zukunft mit der Nationalmannschaft weitergehen könnte: pragmatischer, aber eben auch befreit von mancher Last, die sich unter Löw zuletzt angesammelt hatte.

          Gerland kommt zum DFB – und der Standardtrainer der Dänen

          Vor knapp zwei Wochen, zu seinem Dienstantritt am 1. August, hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Video verbreitet, in dem Flick, mit Dreitagebart, Sicherheitsweste und Schutzhelm die Baustelle des neuen DFB-Campus in Frankfurt besuchte. Am Dienstag nun saß er dort frisch rasiert, im weißem Hemd, die Ärmel hochgekrempelt, und stellte der Reihe nach seine Assistenten vor, die allesamt in schwarzen T-Shirts neben ihm Platz nahmen: Marcus Sorg, der schon unter Löw dabei war, Danny Röhl, den Flick aus München mitbringt, Torwarttrainer Andreas Kronenberg aus Freiburg und Mads Buttgereit, den Standard-Spezialisten, der zuletzt dem dänischen Nationalteam bei der EM zuarbeitete. Hermann Gerland, das Urgestein des FC Bayern, soll auch noch dazukommen, als Scout, jedoch wird noch am genauen Zuschnitt gearbeitet. Mit diesem Team wolle er vorleben, was er auch von seiner Mannschaft erwarte, sagte Flick, eine „All-In-Mentalität“ – jene Anleihe aus dem Pokerspiel, die längst auch Eingang in der Sportwortschatz gefunden hat: als Metapher für unbedingten Einsatzwillen, dafür dass man am Ende zumindest sagen kann, dass man „alles dafür getan hat, den Pott zu holen“, wie Flick das formulierte. Geben und nehmen – das griff der Sechsundfünfzigjährige noch mit einem anderen Satz auf, der leitmotivisch für seinen Ansatz stehen soll: „Erfolg hat, wer andere erfolgreich macht.“

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