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Kommentar : Spitzenjob beim DFB zum Selbermalen

Nach zweieinhalb Jahren verlässt Hansi Flick den Posten als DFB-Sportdirektor wieder. Bild: dpa

Der Position als Sportdirektor beim DFB, die Hansi Flick nun verlässt, fehlte es schon immer an einer klaren Struktur. Und so macht jeder dort, was er will – oder gerade kann und darf.

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          Auf dem Amt des DFB-Sportdirektors ruht kein Segen. Vor gut zehn Jahren war diese Position auf Anregung und Forderung des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann geschaffen worden – aber seitdem hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) keinen einzigen Experten gefunden, der dieser Position die nötige Bedeutung und Perspektive hätte geben können. Hansi Flick hat sich nun mit seinem überraschenden Rücktritt als dritter Fehlgriff des Verbandes auf diesem wichtigen Posten erwiesen.

          Jedes Scheitern auf dieser Position, vom ersten Sportdirektor Matthias Sammer über Robin Dutt bis nun zum früheren Assistenten von Bundestrainer Joachim Löw, hat seine eigene Geschichte. Gemeinsam ist diesen drei jeweils ganz speziellen Fällen, dass es der Position des Sportdirektors schon immer und bis heute an einer klaren Struktur fehlt. Der DFB hat es nie geschafft, den Geburtsfehler für diese zentrale sportliche Stelle im Verband zu beheben. Es fehlt, wie es für so eine verantwortungsvolle und perspektivisch wichtige Rolle nötig wäre, nicht zuletzt an einer klaren Stellenbeschreibung – und damit an einem nachvollziehbaren Profil, das der jeweilige Bewerber dann auch tatsächlich zu erfüllen hätte. Tatsächlich läuft es beim DFB seit 2006 genau andersherum: die Person macht den Posten.

          Erst war es Sammer, der überhaupt nicht zu der ursprünglich von der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft erdachten Rolle gepasst hatte. Der ehemalige Nationalspieler diente vor allem dazu, Hockeytrainer Bernhard Peters als DFB-Sportdirektor zu verhindern. Festgeschriebene Inhalte und Kompetenzen waren dem DFB nicht so wichtig. Und so macht seitdem jeder Sportdirektor, was er will – oder gerade kann und darf.

          Sammer hatte seinen selbst ausgestalteten Posten vor allem zur Opposition gegen Löw und Manager Bierhoff genutzt. Nicht zuletzt in der Hoffnung, irgendwann selbst zum Bundestrainer aufzusteigen. Sein Nachfolger Robin Dutt merkte immerhin früh, dass er als Sportdirektor am falschen Platz war. Tragfähige Strukturen hinterließ er auch beim DFB nicht – und fast genauso schnell, wie er gekommen war, geht nun auch Flick nach kaum zweieinhalb Jahren. Eigentlich hatte man gar nicht gemerkt, dass der fleißige und wichtige Helfer von Löw diesen Posten überhaupt besaß.

          Dass Flick vorzeitig demissioniert, kann man vor allem mit Blick auf die künftige DFB-Akademie allerdings gut verstehen. Der ehemalige Assistent des Bundestrainers war auch dort nur Assistent. Zum Leiter wurde der frühere Hockey-Bundestrainer Markus Weise berufen – und Oliver Bierhoff leitet das Projekt. Da kann man, ganz unabhängig von der Kompetenz Weises und Bierhoffs, fragen, welche Aufgabe einem DFB-Sportdirektor eigentlich zukommt – wenn nicht eine oder die führende Rolle im sportlichen und nebenbei auch immer kostspieligeren Zukunftsprojekt des Verbandes.

          Teuer würde es dem Verband mit Sicherheit aber auch kommen, wenn der künftige Sportdirektor, der auf die Interimslösung Horst Hrubesch folgen soll, wieder nach dem bisherigen Prinzip bestellt wird: Nehmen, wer da ist. Und nicht den holen, den man für seine Ideen braucht – falls man welche hat.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

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