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Hamburger SV : Viele Risse, wenig Kitt

  • -Aktualisiert am

Schwierige Zeiten: Labbadia steht beim HSV vor einer ungewissen Zukunft Bild: dpa

Beim HSV überdeckt allein die Aussicht auf das Europa-League-Finale eine missratene Saison. Doch selbst ein Sieg im heute beginnenden Halbfinal-Duell mit dem FC Fulham kann Trainer Labbadia wohl nicht mehr retten.

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          Der Satz kam, wie seine Sätze oft kommen. Schnell, locker und sehr treffend. Bernd Hoffmann, der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV, sagte also am Tag nach der Heimniederlage gegen Mainz 05: „Sollten wir das Finale der Europa League gewinnen, wäre es die erfolgreichste Saison seit 1987.“ Was Hoffmann nicht sagte, aber sehr wohl gemeint haben könnte, war: Sollte der HSV das Endspiel im eigenen Stadion verpassen, also wieder ohne Titel dastehen und zudem auf Rang sieben der Bundesliga ohne Aussicht auf weitere europäische Auftritte verharren, wäre es die schlechteste Spielzeit der vergangenen Jahre.

          Hoffmanns Satz, der so zuversichtlich daherkam, hat ganz nebenbei den Druck auf Trainer Bruno Labbadia enorm erhöht. Denn der Subtext lautet ja, dass nur der Triumph am 12. Mai im eigenen Stadion die Saison noch retten könnte. Allerdings gilt es als ausgemacht, dass Labbadia selbst im Fall eines Sieges den Verein wird verlassen müssen, auch wenn Hoffmann sagt: „Es gibt keinen Anlass, am Trainer zu zweifeln.“ In Wahrheit gibt es nämlich genügend Anlass. Zu enttäuschend sind die Auftritte der veranlagten, teuren Mannschaft in der Fußball-Bundesliga, zu tief ist der Graben zwischen Trainer und Mannschaft: Seit Dezember hat es Labbadia geschafft, sich mit acht Spielern zu überwerfen, darunter die Führungskräfte und Topverdiener Zé Roberto, Frank Rost, Mladen Petric und David Jarolim.

          An diesem Donnerstag werden sich zwar alle wieder zusammenreißen, wie von Hoffmann Anfang April gefordert. Gegen den Premier-League-Klub Fulham FC (21.05/ live @) im soll der Grundstein für das Erreichen des Endspiels gelegt werden. Zum zweiten Mal nacheinander hat der HSV das Halbfinale der Europa League (des Uefa-Pokals) erreicht.

          Bernd Hoffmanns Aussagen lassen Zweifel zurück

          Doch die Stimmungslage könnte kaum unterschiedlicher sein als vor einem Jahr: Da hoffte der HSV unter Trainer Martin Jol noch auf drei Titel, ehe mit Spielverderber Werder Bremen das böse Erwachen kam. Dieses Mal kittet allein die Perspektive des Endspiels im eigenen Stadion die Risse beim HSV notdürftig.

          Labbadia fehlt der innere Kompass

          Dass die Hamburger Profis dabei noch irgendetwas für ihren Trainer tun, darf als ausgeschlossen gelten. Sie spielen auf eigene Rechnung. Labbadias Ansehen im Team hat nach starker Vorrunde sehr gelitten, auch weil Labbadia unbelehrbar wirkt. Trochowski setzte er auf die Bank, obwohl kein anderer Spieler für seine Position da war. Aogo strich er ohne Grund aus der Startelf. Van Nistelrooy und Jarolim verärgerte er durch Auswechslungen, Boateng durch Sturheit. Rost und Zé Roberto brüskierte er durch überzogene Autorität, Petric hielt er nicht vom Training ab.

          Labbadia fehlt der innere Kompass, wie er mit Spielern umzugehen hat. Er will sie alle gleich behandeln, dabei findet er kein Maß. Das ist der Hauptgrund für sein Scheitern in Hamburg.

          Es kann nicht nur am Trainer liegen

          Eine Etage weiter oben muss sich Hoffmann eingestehen, dass auch der fünfte Trainer seit 2004 nicht die erwünschte Kontinuität bringt. Die Mannschaft hat längst gemerkt, dass ihr die ständige Wechselei auf der Bank das beste Alibi liefert. So klagte Frank Rost: „Jedes Jahr kommt ein neuer Trainer, das ist unwahrscheinlich schwierig. Das nagt am Verein, das nagt auch an den Spielern, das steckt auch nicht jeder Spieler so einfach weg.“ Da es allerdings zum vierten Mal in den vergangenen fünf Spielzeiten so ist, dass der HSV im Schlussbogen einer Saison eine starke Hinrunde verspielt, kann es nicht nur am Trainer liegen.

          Die Mischung macht's: Hoffmann und der ehemalige Sportchef Beiersdorfer haben alternde Stars nach Hamburg geholt (Rost, Zé, van Nistelrooy) und Talente auf dem Sprung (de Jong, Elia, Boateng). Das Laufbahnende vor Augen oder den nächsten Klub: Eine Mannschaft mit Titelformat konnte so bislang nicht wachsen.

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