https://www.faz.net/-gtl-9mfdp

Hamburger Krisenklub : Beim HSV bricht Panik aus

  • Aktualisiert am

Wie geht es weiter beim HSV? Trainer Hannes Wolf hadert derzeit mit den Leistungen seiner Mannschaft. Bild: dpa

Dem Hamburger SV droht ein zweites Jahr in der zweiten Liga – mit harten Konsequenzen. Die größten Probleme macht sich der Klub wieder mal selbst. Und nun wird auch noch Lewis Holtby suspendiert: „Das ist Wahnsinn.“

          Der ehemalige Bundesliga-Dino macht sich selbst in der Zweitklassigkeit noch zum Gespött und schaltet in den Verzweiflungsmodus. Durch den Sturz aus der Aufstiegszone taumelt der Hamburger SV in der zweiten Fußball-Liga nicht nur durch die sportlich größte Krise unter seinem angeschlagenen Trainer Hannes Wolf, sondern muss sich angesichts der Suspendierung von Lewis Holtby auch noch die Willensfrage im Saisonfinale stellen.

          „Das ist Wahnsinn“, fasste HSV-Sportvorstand Ralf Becker nach der 0:2-Pleite am Sonntag bei Union Berlin die Posse um die Verweigerungshaltung des früheren Nationalspielers zusammen. Nach dem Ausschluss von Holtby vom Profiteam will der Manager nun auch vor weiterem Durchgreifen nicht zurückschrecken. „Es geht darum zu schauen, auf wen wir uns verlassen können. Wer ist dabei, wer hat seine Zukunft hier, wer zerreißt sich?“

          So wird spannend, mit welchen Mitteln die Verantwortlichen das völlig verunsicherte Team wieder auf Kurs bringen wollen. Einen Trainerwechsel schloss Becker direkt nach Schlusspfiff in Berlin zwar aus, doch auch Wolf selbst sieht sich in der Verantwortung. „Ich bin ein Teil der Rückrunde“, gestand der Coach, der nach zehn Spielen auf Christian Titz gefolgt war. „Deswegen würde ich es normal finden, wenn darüber gesprochen wird und dann muss der Verein entscheiden, wie man damit umgeht.“

          Wolfs Taktik, ohne echten Stürmer bei Union anzutreten, schlug fehl, seine Bilanz ist sogar noch schlechter als bei seinem Vorgänger. Mit Titz holte der HSV 1,8 Punkte im Schnitt pro Spiel, unter Wolf sind es nur noch 1,67. In der Rückrunden-Tabelle steht der Verein lediglich auf Platz 14. „Der HSV ist ein fantastischer Klub, aber was wir auf den Platz bringen, passt nicht dazu und ist zu wenig“, resümierte der 38-Jährige den jüngsten Absturz.

          Nach sechs Spielen ohne Sieg ist der HSV erstmals unter Wolf von den direkten Aufstiegsplätzen auf Rang vier abgerutscht und hat nur noch das Erreichen des Relegationsplatzes in eigener Hand. Zum Schlüsselspiel dürfte dabei das Duell beim derzeitigen Tabellenzweiten SC Paderborn in knapp zwei Wochen werden, aber auch das nächste Heimspiel gegen den Abstiegskandidaten FC Ingolstadt birgt höchste Stolpergefahr.

          Ein weiteres Jahr zweite Liga würde die Hanseaten auch finanziell treffen, der Personaletat müsste weiter gekürzt werden. Ein Verbleib von kostspieligen Leistungsträgern wie Douglas Santos und des in Berlin zunächst nicht berücksichtigten Top-Torjägers Pierre-Michel Lasogga stünden im Zweifel.

          Vom zwischenzeitlichen Kapitän zum Einsatzverweigerer: Lewis Holtby (links) ist beim Hamburger SV für den Rest der Saison suspendiert.

          Zumindest Holtby soll definitiv nie wieder Teil des HSV-Profiteams sein. Zwar gestand der 28-Jährige am späten Sonntagabend mit einem reumütigen Statement über die sozialen Netzwerke öffentlich Fehler und eine „Kurzschlussreaktion“ ein, als er Wolf darum bat, nicht mit nach Berlin zu müssen. Doch stehen diese selbst gemachten Probleme sinnbildlich für die prekäre Lage. Wenn es gut lief, klopfte sich Holtby in der Vergangenheit stets als einer der Ersten auf die Raute, nun ließ der Streik-Profi seine Mitspieler im Stich.

          Jetzt fahndet der HSV für die letzten drei Spiele nach Führungsspielern – bisher vergeblich. „Wir haben zu wenig Leute, die vorne weg gehen, die die Mannschaft mitziehen“, sagte Becker als vernichtendes Urteil über die Kaderstruktur. Und auch wegen solcher Sätze dürfte die flehentliche Bitte von Kapitän Aaron Hunt nur ein frommer Wunsch bleiben: „Wir dürfen uns nicht verrückt machen, wir müssen uns eine gewisse Ruhe bewahren.“

          Um das Team auf den Saisonendspurt einzuschwören, bezieht Trainer Wolf mit dem HSV in dieser Woche ein Kurztrainingslager. Der 38-Jährige kündigte am Montag an, dass er sich mit seiner seit sechs Spielen sieglosen Mannschaft von Mittwoch an in Malente oder Rothenburg auf das Heimspiel gegen den FC Ingolstadt (Samstag, 13.00 Uhr) vorbereiten wird. „Bisher waren wir die Gejagten. Jetzt müssen wir jagen und auch so auftreten. Wir brauchen jetzt Jungs, die Gas geben. Dafür müssen wir die Sinne schärfen. Jeder muss jetzt verstehen, dass wir uns reinhauen müssen.“

          Weitere Themen

          Boldt für Becker

          HSV baut um : Boldt für Becker

          Als Konsequenz aus der erfolglos beendeten Zweitligasaison entlässt der Hamburger SV nach Trainer Wolf nun auch Sportchef Becker. Management-Talent Boldt kommt aus Leverkusen.

          Mit Spaß in die Millionenspiele

          SV Wehen Wiesbaden : Mit Spaß in die Millionenspiele

          Auch dank einer beeindruckenden Rückrundenbilanz in der dritten Liga fühlt sich der SV Wehen Wiesbaden für die Relegationspartien gegen Ingolstadt um die Rückkehr in die Zweitklassigkeit gewappnet.

          Topmeldungen

          Angst vor Populisten und der Wunsch nach einer anderen Klimapolitik haben die Menschen in Europa an die Wahlurnen getrieben.

          Die EU hat gewählt : Europas Ängste

          Zu wenig Klimaschutz, zu viel Nationalismus: Wegen dieser Sorgen haben sich viel mehr Bürger an der Europawahl beteiligt. Nicht in allen Ländern wurden die Rechtspopulisten jedoch ausgebremst.

          Europawahl : Volksparteien verlieren Mehrheit im Parlament

          Im Europaparlament werden Christ- und Sozialdemokraten sich erstmals einen Partner suchen müssen. Die Rechte geht aus der Wahl gestärkt hervor, aber die eigentliche Überraschung liegt woanders.
          Ministerpräsident Alexis Tsipras

          Schon Ende Juni : Neuwahl in Griechenland

          Weil seine Regierungspartei Syriza bei der Europawahl schlecht abgeschnitten hat, geht Ministerpräsident Alexis Tsipras in die Offensive: Im Juni soll ein neues Parlament bestimmt werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.