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Hakan Calhanoglu bedroht : „…, sonst erschieß’ ich dich“

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„Meine Mutter hat jeden Abend geweint“: Hakan Calhanoglu Bild: Reuters

Hakan Calhanoglu erzählt im ZDF-„Sportstudio“ von einem Abend bei der türkischen Nationalmannschaft, der mit einem Eifersuchtsdrama und Waffengewalt endet. Im Zentrum: drei in Deutschland geborene Fußballprofis.

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          Hakan Calhanoglu hat eine leise Stimme, leicht gefärbt vom Singsang seiner Mannheimer Heimat. Sein Lächeln wirkt manchmal ein bisschen schüchtern, auch nach Jahren im reichen Profifußball, auch am Samstagabend im Studio des Zweiten Deutschen Fernsehens. Aber das sollte nicht täuschen. Der 20-jährige ist Offensivspieler beim Champions-League-Klub Bayer Leverkusen, als solcher und als Sohn türkischer Einwanderer hat er vergleichsweise viel gesehen von der Welt, auch wenn es die eigenartige Welt junger Fußballprofis ist.

          Calhanoglu erzählte der Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, den Zuschauern im Mainzer Studio und 2,2 Millionen, die eingeschaltet hatten, aus dieser Welt. Er konnte den seit Monaten schwelenden Streit mit seinem früheren Klub, dem Hamburger SV, nicht ruhen lassen, warf dessen früherem Sportdirektor Oliver Kreuzer Wortbruch vor, als dieser ihn vergangene Saison nicht ziehen lassen wollte. Mündliche Absprachen mit Kreuzer, ihn gehen zu lassen, habe es gegeben, sagte Calhanoglu, der im Winter noch seinen Vertrag beim HSV verlängert hatte. Der damalige HSV-Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow bestreitet Nebenabreden mit dem jungen Mann.

          Letztlich war es Calhanoglu selbst, der dem Wechsel mit einem Attest vom Arzt nachhalf – er blieb wegen psychischer Erschöpfung so lange krankgeschrieben, bis der Vertrag mit Bayer Leverkusen unterschrieben war und sein neuer Klub zum Training rief. So recht wurde nicht deutlich, was Calhanoglu, der mit seinem neuen Arbeitgeber in 14 Tagen in Hamburg antritt, dazu bewog, diese beendet geglaubten Transfersaga ein weiteres Mal aus dem Archiv zu kramen.

          Vielleicht wollte er einfach mal loswerden, wie es so ist in der Welt junger Fußballprofis. Manchmal, das war der stärkste Eindruck, den Calhanoglu hinterließ, auch ziemlich beängstigend. Dieser Eindruck hat allerdings viel mit dem Phänomen der auch außerhalb von Fußballprofikadern weitverbreiteten Eifersucht zu tun. Calhanoglu erzählte von einem Abend im Kreise der türkischen Nationalmannschaft im Oktober 2013. Die Türken hatten im Sükrü-Saracoglu-Stadion 0:2 gegen die Niederlande verloren, Calhanoglu ließ den Abend anschließend im Istanbuler Mannschaftshotel nach eigener Darstellung mit Ömer Toprak und einem Freund Topraks ausklingen.

          In der Disko seien sie nicht gewesen, das gehöre sich nicht nach einer Niederlage. Trotzdem wurde es plötzlich wild. Die beiden Bundesligaprofis, so erzählte Calhanoglu, bekamen Besuch von einem dritten in Deutschland geborenen und bekannten türkischen Nationalspieler, dem früheren HSV-Profi Gökhan Töre. Töre, in der Jugend von Bayer Leverkusen groß geworden und inzwischen bei Besiktas in Istanbul unter Vertrag, kam nicht allein zu Besuch, sondern war ebenfalls in fußballfremder, aber durchsetzungsstarker Begleitung.

          Denn Töres Kompagnon, so erzählte Calhanoglu, trug einen Anzug, aus dem er eine Pistole zog: „Ich lag in einer Ecke, er ist zu mir gekommen und hat zu mir gesagt: Beweg dich nicht, sonst erschieß ich dich“, sagte Calhanoglu. „Ich war sehr nervös und konnte mich kaum bewegen.“ Nach Calhanoglus Darstellung war Töre eifersüchtig auf den Freund Topraks, der sich mit Töres früherer Freundin verbandelt hatte, und für den der Abend blutig endete.

          „Herr Völler hat direkt den Trainer angerufen“

          Töre, 22, hatte die Geschichte bereits im Sommer als frei erfunden bezeichnet. Am Osterwochenende war er bei einer Schießerei in einer Istanbuler Diskothek verletzt worden. Für Besiktas war dieser Vorfall Anlass für eine Pressekonferenz, bei der betont wurde, Töre sei zufällig, durch von der Decke fallende Splitter, verletzt worden. Zu den jüngsten Länderspielen hat der türkische Nationaltrainer Fatih Terim Töre  wieder berufen, er wurde aber beim 1:2 gegen Tschechien und beim 1:1 in Lettland jeweils ausgewechselt. Calhanoglu verzichtete auf diese Reisen.

          Mit dem Eifersuchtsdrama am Bosporus vor einem Jahr („Meine Mutter kam gar nicht klar, als ich das erzählt habe. Sie hat jeden Tag geweint“) habe das aber überhaupt nichts zu tun gehabt, sondern einzig und allein mit seiner maladen Wade. „Ich bin in Paderborn in der 70. Minute ausgewechselt worden. Herr Völler hat direkt den Trainer angerufen und gesagt: Hakan kann nicht, er muss zur MRT. Ich war auch verletzt. Das hat nichts mit Töre zu tun oder sonst was.“ Er wolle jetzt mal mit Trainer Terim über seine Zukunft in der Nationalmannschaft sprechen.

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