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U21-Nationalspieler : Gnabry zwischen Sonntagsglanz und Alltagsgrau

  • -Aktualisiert am

Serge Gnabry ist modisch stets auf der Höhe, sportlich nicht immer. Bild: nordphoto

Nach einem Traumstart saß Serge Gnabry bei Werder Bremen nur noch auf der Bank. Nun haben ihn die Bayern geholt. Um ihn gleich wieder an einen Champions-League-Teilnehmer in spe zu verleihen?

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          Wenn er im thermischen Aufwind ist, wird aus Serge Gnabry in Windeseile ein Überflieger. Dann segelt er scheinbar schwerelos durch die Stadien seiner Welt und verwandelt Fußballarenen zu Spielplätzen, auf denen er sein Tempo, seine Technik und seine Tricks zelebriert. Woran der künftige Profi des FC Bayern München aber noch arbeiten muss, ist, seine Kunst zu verstetigen, seine Mitte zwischen Kür und Pflicht zu finden und dabei trotzdem im Flow zu bleiben.

          Schafft es der zweimalige A-Nationalspieler bei der U-21-Europameisterschaft in Polen, die für Deutschland an diesem Sonntag in Tychy mit dem Gruppenspiel gegen Tschechien beginnt, auf seine Art durchzustarten und dabei immer im Sinne des großen Ganzen zu handeln, kann aus diesem Serge Gnabry einer der prägenden Spieler dieser Hochleistungsshow mit Talenten aus zwölf Ländern werden.

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          Was diesen torgefährlichen Dribbler mit der Rückennummer 11 so besonders macht, ist jenes Maß an selbstverständlicher Extravaganz, das ihn zu einem Star in spe erhebt. Der 21 Jahre alte gebürtige Stuttgarter, Sohn eines ivorischen Vaters und einer deutschen Mutter, liebt den Spaß am Spiel und glänzt dazu mit einem Modebewusstsein, das nicht im Understatement wurzelt. „Gucci, Gucci, Gucci“, haben ihn seine Kollegen von Werder Bremen schon mal gehänselt, wenn Gnabry vom Scheitel bis zur Sohle durchgestylt zur Arbeit erschien.

          Was er hat und was er kann, zeigt er gern. Elf Bundesliga-Treffer plus zwei Torvorlagen in seinem einen Jahr im grün-weißen Werder-Look sind ein Ausweis seiner Klasse. Sieben seiner Tore aber schoss der Bundesliga-Debütant nach wechselhaften Jahren in Diensten des FC Arsenal und von West Bromwich Albion in seiner starken Hinrunde. Danach war er nur noch viermal erfolgreich – auch weil Trainer Alexander Nouri sein Spielsystem von einem 4-4-2 auf ein 3-5-2 ohne klassische Außenangreifer umstellte, um die lange Zeit abstiegsbedrohte Bremer Mannschaft zu stabilisieren.

          Serge Gnabry: Einer der Führungsspieler der deutschen Nationalmannschaft bei der U-21-EM in Polen.

          Die Folge: Werder, am Ende Tabellenachter, wuchsen Flügel, während Gnabry stagnierte. Als der Schwabe wegen muskulärer Probleme zwischen dem 24. und 28. Spieltag verletzt war, verlor er auch noch seinen Stammplatz auf wechselnden Positionen im offensiven Mittelfeld oder als hängende Spitze.

          Der einstige Hinrundenartist der Bremer war nicht darüber erfreut, nur noch eingewechselt oder früh ausgewechselt zu werden, und fand nicht mehr zu seiner unbeschwerten Spiellaune. So wunderte sich am Ende niemand mehr, als der Spieler, wohl schon im Einvernehmen mit den Bayern, von seiner Ausstiegsklausel in Höhe von acht Millionen Euro Gebrauch machte und die Münchner ein paar Tage später den Wechsel als vollzogen meldeten. Sie sollen, das wird schon seit fast einem Jahr kolportiert, eine Art Erstzugriffsrecht auf Gnabry gehabt haben, falls der sich verändern wolle.

          Er wollte, und damit wurden die Mechanismen dieses Transfers in Gang gesetzt, mit dem sich auf Seiten der Münchner große Hoffnungen auf eine neue, 1,73 Meter messende Größe auf den Flügeln verbinden. Da die Personalie Gnabry spezieller als die Standardtransfers zwischen Geben und Nehmen anmutet, spekulieren Kenner der Verhältnisse darauf, dass der deutsche Meister den Flitzer mit leuchtender Perspektive sogleich wieder gehen lassen wird – für ein Jahr zur Leihe und dann möglicherweise zum Bundesliga-Konkurrenten TSG Hoffenheim, der sowieso schon neben dem FC Bayern um Gnabry gebuhlt hatte. Da die Münchner in einer Win-win-Situation sind und im Moment noch üppig auf den Außenpositionen mit Robben, Ribéry, Coman und Costa besetzt sind, könnte ein Praxisjahr für Gnabry beim Champions-League-Teilnehmer in spe nicht schaden.

          Gnabry selbst sagt dazu verständlicherweise nichts, da er nun im Trikot der deutschen U-21-Nationalmannschaft ein neues goldenes Kapitel seiner Karriere schreiben kann. „Ich brauche meine Ziele, mit denen ich mich beschäftige“, sagt er, „ich will Titel gewinnen und mich so gut wie möglich entwickeln.“ Das ist ihm, dem bis dahin in Deutschland kaum bekannten Offensivspieler, schon im Vorjahr beim zweitgrößten Sommerturnier nach der Europameisterschaft in Frankreich exzellent geglückt.

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          Gnabry, der auch vor zwei Jahren bei der U-21-EM in Tschechien dabei war, aber über einen Zehnminuteneinsatz im Spiel gegen Dänemark nicht hinauskam, katapultierte sich mit seinen sechs Toren während der Olympischen Spiele in Brasilien in die Sphäre der jugendlichen Helden und hielt nach dem verlorenen Endspiel in Rio de Janeiro gegen das von Superstar Neymar angeführte Team des Gastgeberlandes eine besonders hell glitzernde Silbermedaille in der Hand. Danach war für ihn der Weg zurück nach Deutschland frei, wo er gegen eine Ablösesumme von fünf Millionen Euro bei Werder landete.

          Dass Gnabrys Laufbahn schon immer zwischen Sonntagsglanz und Alltagsgrau changierte, war auch für den Beginn seiner Profilaufbahn kennzeichnend. Der FC Arsenal wollte das verheißungsvolle Talent des VfB Stuttgart so früh wie möglich abholen und überredete es mit 16, nach London zu einem der führenden Premier-League-Klubs zu kommen. Mit 17 unterschrieb der Deutsche seinen ersten Profivertrag und debütierte in der Spielzeit 2012/13 am achten Spieltag gegen Norwich City.

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          Ein Jahr später erzielte er im Alter von 18 Jahren und 76 Tagen gegen Swansea City seinen ersten Treffer für die „Gunners“ und wurde als seinerzeit zweitjüngster Torschütze in der Premier-League-Geschichte seines Vereins zum „German Wunderkind“ hochgejubelt. Davon war in den Jahren danach keine Rede mehr, als Gnabrys Lust-und-Laune-Fußball an Kontur verlor und Trainer Arsène Wenger nicht mehr bereit war, dem Talent weitere Chancen zu geben. Die Karriere von Gnabry, 2015 für ein weiteres frustrierendes Halbjahr mit nur einem Einsatz an den Ligakonkurrenten West Bromwich Albion ausgeliehen, drohte zu versanden.

          Gut für ihn, dass ihn der damalige U-21-Trainer und spätere Olympia-Silberschmied Horst Hrubesch nie aus den Augen verlor. Gnabrys Raketenstart bei den Spielen und in der Bundesliga brachte seine Qualitäten aufs Neue zum Funkeln. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass Serge Gnabry in diesem Sommer nicht beim sportlich weniger werthaltigen Confed Cup in Russland mitspielt, sondern bei der heiß umstrittenen U-21-EM. „Hier nehme ich eine ganz andere Rolle als bei der A-Mannschaft ein“, sagt Gnabry. „Bei Jogi Löw bin ich einer der jungen Spieler, die gerade herangeführt werden, bei der U21 kann ich als Führungsspieler vorangehen.“ Vielleicht noch einmal so wie während Olympia 2016? Sein „Lauf“ damals beflügelte die ganze Mannschaft. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

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