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U21-Nationalspieler : Gnabry zwischen Sonntagsglanz und Alltagsgrau

  • -Aktualisiert am

Gnabry selbst sagt dazu verständlicherweise nichts, da er nun im Trikot der deutschen U-21-Nationalmannschaft ein neues goldenes Kapitel seiner Karriere schreiben kann. „Ich brauche meine Ziele, mit denen ich mich beschäftige“, sagt er, „ich will Titel gewinnen und mich so gut wie möglich entwickeln.“ Das ist ihm, dem bis dahin in Deutschland kaum bekannten Offensivspieler, schon im Vorjahr beim zweitgrößten Sommerturnier nach der Europameisterschaft in Frankreich exzellent geglückt.

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Gnabry, der auch vor zwei Jahren bei der U-21-EM in Tschechien dabei war, aber über einen Zehnminuteneinsatz im Spiel gegen Dänemark nicht hinauskam, katapultierte sich mit seinen sechs Toren während der Olympischen Spiele in Brasilien in die Sphäre der jugendlichen Helden und hielt nach dem verlorenen Endspiel in Rio de Janeiro gegen das von Superstar Neymar angeführte Team des Gastgeberlandes eine besonders hell glitzernde Silbermedaille in der Hand. Danach war für ihn der Weg zurück nach Deutschland frei, wo er gegen eine Ablösesumme von fünf Millionen Euro bei Werder landete.

Dass Gnabrys Laufbahn schon immer zwischen Sonntagsglanz und Alltagsgrau changierte, war auch für den Beginn seiner Profilaufbahn kennzeichnend. Der FC Arsenal wollte das verheißungsvolle Talent des VfB Stuttgart so früh wie möglich abholen und überredete es mit 16, nach London zu einem der führenden Premier-League-Klubs zu kommen. Mit 17 unterschrieb der Deutsche seinen ersten Profivertrag und debütierte in der Spielzeit 2012/13 am achten Spieltag gegen Norwich City.

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Ein Jahr später erzielte er im Alter von 18 Jahren und 76 Tagen gegen Swansea City seinen ersten Treffer für die „Gunners“ und wurde als seinerzeit zweitjüngster Torschütze in der Premier-League-Geschichte seines Vereins zum „German Wunderkind“ hochgejubelt. Davon war in den Jahren danach keine Rede mehr, als Gnabrys Lust-und-Laune-Fußball an Kontur verlor und Trainer Arsène Wenger nicht mehr bereit war, dem Talent weitere Chancen zu geben. Die Karriere von Gnabry, 2015 für ein weiteres frustrierendes Halbjahr mit nur einem Einsatz an den Ligakonkurrenten West Bromwich Albion ausgeliehen, drohte zu versanden.

Gut für ihn, dass ihn der damalige U-21-Trainer und spätere Olympia-Silberschmied Horst Hrubesch nie aus den Augen verlor. Gnabrys Raketenstart bei den Spielen und in der Bundesliga brachte seine Qualitäten aufs Neue zum Funkeln. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass Serge Gnabry in diesem Sommer nicht beim sportlich weniger werthaltigen Confed Cup in Russland mitspielt, sondern bei der heiß umstrittenen U-21-EM. „Hier nehme ich eine ganz andere Rolle als bei der A-Mannschaft ein“, sagt Gnabry. „Bei Jogi Löw bin ich einer der jungen Spieler, die gerade herangeführt werden, bei der U21 kann ich als Führungsspieler vorangehen.“ Vielleicht noch einmal so wie während Olympia 2016? Sein „Lauf“ damals beflügelte die ganze Mannschaft. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

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