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Günter Netzer über Jupp Heynckes : „Er hat die Fähigkeit, Bundestrainer zu sein“

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Alte Weggefährten: Günter Netzer (l) und Jupp Heynckes Anfang der 1970er Jahre Bild: dpa

Günter Netzer schätzt Arbeitsethos und Empfindlichkeit von Jupp Heynckes. Vor dem Pokalfinale am Abend (20 Uhr), Heynckes letztem Spiel mit den Bayern, spricht der Fußball-Experte über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Erfolgstrainers.

          Wenige kennen den scheidenden Bayern-Trainer Jupp Heynckes besser als Günter Netzer. Vor seinem letzten Spiel gegen den VfB Stuttgart im Berliner Pokalfinale widmet ihm das Fußball-Idol eine freundschaftliche Würdigung.

          Sie waren mit Jupp Heynckes gemeinsam Spieler in Mönchengladbach. Als Borussen-Trainer war er Ihr Gegner in Ihrer Zeit als HSV-Manager, und nun erleben Sie ihn als „elder statesman“ bei den Bayern. Wie viele Jupps sind Ihnen im Leben begegnet?

          Ich kenne ihn nun seit exakt fünfzig Jahren. Wir haben unsere erste Saison in der Regionalliga gespielt, als er 17 und ich 18 war. Wir teilten dort als Jugendliche das gleiche Schicksal, wir waren die „Kleinen“, die immer von der Massagebank geflogen sind, wenn die Älteren kamen. Jupp war mein Kumpel, charakterlich hundert Prozent in Ordnung. Das hat sich nie geändert. Er ist sich immer treu geblieben, stand mit beiden Beinen auf dem Boden und hat immer nah an der Realität gelebt. Das hat seine Erfolge begründet. Es war eine Symbiose zweier Menschen entstanden, die sich auf dem Fußballplatz gefunden haben. Jupp hat auch meinen persönlichen Erfolg mitbegründet, weil wir zusammen mit den anderen Jungs in Mönchengladbach eine besondere Gemeinschaft aufgebaut haben.

          Dann wurde Ihr Kumpel zum Gegenspieler als Borussen-Trainer, während Sie den HSV zum Titel führten - wie haben Sie ihn als Konkurrenten erlebt?

          Es ist erstaunlich, dass ich diese Konkurrenzzeit gar nicht stark in Erinnerung habe. Wir hatten damals kaum Kontakt. Wir mussten nach der Profikarriere unseren eigenen Weg finden, aber uns hat immer eine Verbindung getragen, die man nicht hinterfragen musste, weil sie einfach vorhanden war. Dass er mal Trainer werden würde, war mir allerdings früh klar. Er war wie Berti Vogts prädestiniert für diesen Job, beide haben Fußball schon damals gelebt, sie dachten - inspiriert durch Weisweiler - an nichts anderes.

          Welcher Jupp war Ihnen in all den fünfzig Jahren der liebste?

          Es ist ein gutes Zeichen, wenn man darüber lange nachdenken muss. Aber wenn man es am Ende nicht weiß, ist das ein schönes Kompliment. Das heißt, sein Charakter ist beständig - und nur so kann man auch jemanden nach vielen Jahren wiederfinden, den man einst verlassen hat. Natürlich hat sich Jupp verändert und entwickelt, auch in seinen Ansichten zum Fußball, aber immer verbunden mit seinen menschlichen Fähigkeiten. Sonst wäre daraus auch nicht eine so schöne Erfolgsgeschichte geworden. Es ist ein Ganzes, was er jetzt geschaffen hat, ein Lebenswerk, auf das er wahnsinnig stolz sein kann. Er hat sich genau dieses Leben gewünscht. Er hat nie etwas anderes angestrebt - und jetzt ist es vollendet.

          Heynckes ist als Trainer stets und bis zuletzt auch als spröde und empfindlich wahrgenommen worden - erstaunlich eigentlich nach 40 Jahren im Profigeschäft, in dem sich solche Eigenschaften meist abschleifen.

          Ich empfinde das als positiv. Richtig ist aber auch, dass er sich im Fall Guardiola nicht sehr souverän verhalten hat. Das ist jedoch sehr verständlich. Wenn man als Trainer sieht, dass man seine Mannschaft auf einen großen Weg bringt, muss man es als traurig empfinden, dass der Abschied sich mit dem Gefühl verbindet, abserviert zu werden. Seine Reaktion muss man auch im Licht des späten Erfolgs sehen. Mit einer solchen Entscheidung tut man sich schwerer als in jungen Jahren, wenn man noch mal etwas Neues anpacken kann. Jupp ist ein Vernunftmensch, er hat natürlich gleich erkannt, dass die Bayern-Führung so reagieren musste. Der Verein musste diese Chance nutzen, um den Klub in eine sichere Zukunft zu führen - ob sie besser wird, ist eine ganz andere Frage.

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