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Manchester-Derby im Titelkampf : Guardiola und der große Charaktertest

  • -Aktualisiert am

Grübelnder Guardiola: Er selbst sagt, er hätte den Druck, dem seine Spieler ausgesetzt sind, nicht standgehalten. Bild: dpa

Es ist das vermeintlich letzte schwere Spiel für einen der Titelanwärter in England. Manchester City trifft auf das kriselnde United, das Wiedergutmachung für die vergangenen Wochen will. Es geht um vieles.

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          Als der Schiedsrichter am vergangenen Samstag das Premier-League-Spiel zwischen Manchester City und Tottenham Hotspur abpfiff, da war vielen City-Spielern keine Heiterkeit anzusehen, sondern die pure Erleichterung. Sie hatten Tottenham 1:0 niedergerungen, nachdem sie nur drei Tage vorher trotz eines 4:3-Sieges gegen die Spurs aus der Champions League ausgeschieden waren.

          Trainer Pep Guardiola zeigte sich nach dem knappen Sieg in der Liga dankbar, dass seine Spieler diesen herben Rückschlag in der Champions League anscheinend rasch verkraftet hatten. „Es war ein schwieriges Spiel nach unserer mentalen Niederlage am Mittwoch. Wir wussten, dass wir heute auch die Premier League verlieren konnten“, sagte der Spanier. Ihm wurden taktische Fehlgriffe bei seinen Aufstellungen im Viertelfinale der Champions League vorgeworfen. Im Kampf um die Meisterschaft liegt Manchester City zwei Punkte hinter Tabellenführer FC Liverpool, hat aber ein Spiel weniger absolviert. Ein Vorteil. Doch jeder verlorene Punkt in den vier verbleibenden Spielen kann Guardiola und seiner Mannschaft auch die erfolgreiche Titelverteidigung in der Premier League kosten. Entsprechend groß ist der Druck. „Als Fußballer hätte ich nicht gekonnt, was meine Spieler heute geschafft haben“, sagte der ehemalige Profi des FC Barcelona demütig: „Der Titel ist immer noch in unserer Hand.“

          Der FC Liverpool hat indes wohl das etwas leichtere Schlussprogramm. Durch das 2:0 bei Cardiff City am Sonntag hielt die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp Manchester City auf Distanz. Als Nächstes muss das Team gegen Absteiger Huddersfield Town antreten, danach gegen Newcastle United und die Wolverhampton Wanderers, die den FC Liverpool im Januar überraschend aus dem FA Cup geworfen hatten. Auf Manchester City warten noch Spiele gegen den Burnley FC, Leicester City und Brighton & Hove Albion. Ebenfalls Gegner, die mit der Qualität Citys im Normalfall nicht mithalten können. Doch vorher steht noch ein Nachholspiel vom 31. Spieltag auf dem Programm: Manchester City ist an diesem Mittwoch im Stadtderby gegen Manchester United zu Gast im Old Trafford. Verliert die Mannschaft von Guardiola oder spielt nur unentschieden, verliert sie auch ihren Vorteil im Titelkampf mit dem FC Liverpool.

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          Manchester United blickt jedoch auf eine beschwerliche Saison zurück. Das Team dümpelte zu Beginn im Niemandsland der Tabelle. Im Dezember entließ der Klub Trainer José Mourinho und ersetzte ihn durch den ehemaligen Spieler Ole Gunnar Solskjær. Der startete mit zehn Siegen aus elf Spielen und brachte die Fans wieder hinter das Team. Im März hat United dem Norweger dann einen Vertrag als Cheftrainer über drei Jahre gegeben. Seitdem haben sich die Leistungen verschlechtert.

          Von den sechs Spielen nach seiner Beförderung hat Solskjær vier verloren, am Sonntag ging United beim FC Everton 0:4 unter. Solskjær fand danach deutliche Worte. „Vom Anpfiff weg lief alles falsch“, sagte er. „Ich will mich bei unseren Fans entschuldigen.“ Außerdem kündigte er personelle Veränderungen an: „Du kannst nicht die gesamte Mannschaft austauschen. Eins nach dem anderen. Ich werde hier erfolgreich sein, und es gibt Spieler, die nicht Teil davon sein werden.“ Die Fans, bei denen Solskjær wegen seiner Verdienste als Spieler sehr beliebt ist, hatten dem Trainer applaudiert, als er nach dem 0:4 mit entschuldigenden Gesten zu ihnen in die Kurve gegangen war. Doch allmählich werden in der öffentlichen Debatte die Stimmen lauter, die bezweifeln, dass der als Trainer vergleichsweise unerfahrene Solskjær auf lange Sicht die richtige Wahl ist. „Solskjær muss einen Weg finden, um diese United-Mannschaft neu zu starten nach einer Leistung, der es an Mumm, Herz und Qualität fehlte“, schrieb die BBC. Der ehemalige United-Spieler Paul Ince wurde deutlicher: „So, wie Manchester United gerade spielt, muss man fragen, ob Ole Gunnar Solskjær der richtige Mann ist.“

          Beim Derby geht es also für beide Trainer darum, mit einem Sieg wieder Ruhe ins Umfeld zu bringen. City-Trainer Guardiola sagte: „Wir kämpfen um die Meisterschaft gegen das beste Liverpool-Team aller Zeiten; eine der besten Mannschaften, die ich in meinem Leben gesehen habe.“ Für sein Team wird es ein Charaktertest, nachdem es im Vorjahr die Meisterschaft mit 19 Punkten Vorsprung gewonnen hatte. Solskjær dagegen braucht nach der Everton-Blamage ein gutes Ergebnis, um seine Kritiker zu widerlegen: „Wir haben am Mittwoch die perfekte Gelegenheit, Wiedergutmachung zu leisten.“

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