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Gruppe D : Ein bißchen genervt sind sie schon, die Tschechen

  • -Aktualisiert am

Jetzt heißt es, Farbe zu bekennen: Nedved und Koller Bild: AP

Beim deutschen Gruppengegner herrscht ein brüchiger Friede vor der Partie gegen Lettland. Der Gegner paßt, aber die schlechten Nachrichten summieren sich.

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          Es kribbelt den Tschechen in den Füßen. Endlich ist die Wartezeit vorüber, endlich können sie Tatsachen schaffen, wenn an diesem Dienstag für sie in Aveiro die Europameisterschaft gegen Lettland beginnt (FAZ.NET-Spezial Euro 2004).

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Im vergangenen Winter und Frühjahr sahen sie der EM in ruhiger und freudiger Erwartung entgegen. Die Nationalmannschaft befand sich in Hochform, baute ihre Serie ohne Niederlage auf zwanzig Spiele aus, Europa konnte kommen. Dann wich die Zuversicht, Verunsicherung kehrte ein. Jungstar Baros verletzt, Mittelfeld-As Rosicky verletzt, Superstar Nedved außer Form: Von der tschechischen Fußball-Herrlichkeit war im April nicht mehr allzuviel geblieben.

          Bestechungsskandal als Belastung

          Und als sich die Helden so langsam berappelten, wurde Tschechien vom größten Fußball-Skandal in seiner Geschichte heimgesucht. Die Polizei erwischte am 1. Mai den Geschäftsführer eines Erstligaklubs in flagranti, als er gerade einen Schiedsrichter für seine geleisteten Freundlichkeiten mit 175.000 Kronen entlohnte. Die weiteren Ermittlungen sollen laut tschechischen Medien ergeben haben, daß 14 von 16 Erstligaklubs in Bestechungsdelikte verwickelt sind.

          Der tschechische Verbandspräsident Jan Obst bestreitet, daß der Skandal irgendwelche Auswirkungen auf das Abschneiden bei der EM haben könnte. Dabei sind immerhin sechs der 23 Spieler des Aufgebotes in der "Gambrinus-Liga" beschäftigt. Im Juli will die Staatsanwaltschaft weitere Beweise liefern und neue Anschuldigungen formulieren. "So lange gilt die Unschuldsvermutung", sagt Obst. So lange soll doch bitte schön Ruhe herrschen. Währenddessen plädieren einige tschechische Journalisten dafür, die Liga einfach zuzuschließen und einen neuen Verband zu gründen.

          Den Star plagen Kopfschmerzen

          Der tschechische Frieden erfuhr auch unmittelbar vor dem EM-Start Störungen durch kleinere Unannehmlichkeiten. Erst wurde Stürmer Vratislav Lokvenc das Auto vor der Haustür seiner Prager Immobilie gestohlen, dann plagten Europas Fußballer des Jahres 2003, Pavel Nedved, anhaltende und starke Kopfschmerzen, schließlich mußte Nationaltrainer Karel Brückner wegen plötzlicher Zahnbeschwerden zum Dentisten. Und als Brückner seiner Mannschaft einen freien Nachmittag einräumte, herrschte im Trainingslager in der Nähe Lissabons eine so große Hitze, daß er die Spieler dazu verpflichtete, in den klimatisierten Hotelräumlichkeiten zu bleiben. Hoffentlich erweist sich in diesem Zusammenhang die Hochzeit des Stürmers Jan Koller mit seiner Freundin Hedvika unmittelbar vor der Abreise nach Portugal nicht als Teil dieser Pechserie.

          Kein Vorfall bedeutete einen Beinbruch, aber ein bißchen genervt sind sie schon, die Tschechen. Die Letten sollen es büßen - mit einem überzeugenden Sieg über den Außenseiter wären schlagartig alle kleinen schlechten Nachrichten hinweggefegt. Trainer Brückner kann die Elf seines Vertrauens aus dem Aufgebot auswählen, niemand klagt über Verletzungen. Die Dortmunder Jan Koller und Tomas Rosicky sind im Sturm und im Mittelfeld gesetzt, ebenso der Hamburger Tomas Ujfalusi im Abwehrzentrum. Die beiden anderen Bundesligaspieler im Kader, der Lauterer Stürmer Lokvenc und Roman Tyce von 1860 München, haben als Auswechselspieler gute Einsatzchancen.

          Trainer Brückner: "Ich habe Demut vor jedem Gegner"

          Die ausgesprochene Stärke der Mannschaft spricht für eine erfolgreiche EM-Premiere. Mit Poborsky, Rosicky, Galasek und Nedved verfügen die Tschechen über ein spielstarkes Mittelfeld, mit Koller und dem Liverpooler Baros über zwei torgefährliche Stürmer. Sie sind genau die Richtigen, um ein defensiv ausgerichtetes Team auszuspielen. Dagegen steht es nicht zu erwarten, daß die lettischen Abwehrkünstler die Schwachstelle in Brückners Team unter Druck setzen können - die Innenverteidigung. Aber so gut die Letten auch als Gegner passen, Trainer Brückner würde sie niemals unterschätzen: "Ich habe Demut vor jedem Gegner."

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