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Gründung einer Super League : Zerreißprobe für den Fußball

Champions League gegen Super League: Wer hat die Hand am Ball? Bild: dpa

Der identitätsstiftende Verlust für den Fußball ist kaum zu ermessen. Sein globales Publikum wird eine Super League gleichwohl finden. Und ihre Ausdehnung muss nicht an den Grenzen Europas stoppen.

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          Auch wenn in Europa schon länger das Gespenst einer wie auch immer verfassten Superliga umging: Nun ist die Katze aus dem Sack. Von entsprechenden Planungen ist seit einigen Jahren die Rede. Die Kommerzialisierung und Internationalisierung des Fußballs haben diese Entwicklung nahegelegt. Mehr noch: Sie erscheint geradezu zwangsläufig. Doch nach der ganz konkreten Präsentation der sogenannte Super League durch zwölf der teilweise namhaftesten Klubs in Europa zeigt sich: Diese Katze ist ein Tiger. Einer, der die Kraft hat, den europäischen Fußball in Stücke zu reißen.

          Der Proteststurm, der nun durch Fußball-Europa fegt, sucht seinesgleichen. Nachdem ein Konsortium von einem Dutzend britischer und südeuropäischer Klubs bekanntgemacht hat, in einem weitgehend geschlossenen Zirkel viele Milliarden Euro unter sich zu verteilen, haben sich Staatschefs wie Boris Johnson und Emmanuel Macron, die EU-Kommission sowie die internationalen Fußballverbände, nationale Ligen und Millionen von Anhängern zu einer Einheitsfront im Kampf gegen die Entkernung der europäischen Sportidee formiert. Es ist ein Stich ins Herz. Das einzige Argument, das die abtrünnigen Superklubs dagegen ins Feld führen können, lautet: mehr Geld!

          Auch Bayern München und Borussia Dortmund wissen nur zu gut: Das hat bisher noch immer gewirkt. Die beiden großen deutschen Klubs, die von ihrer sportlichen Bedeutung in eine europäische Liga der besten zwanzig Klubs gehören, lehnen die Pläne derzeit noch ab. Denn die Revolution der Superreichen wirft auch bisher noch ungeklärte juristische Fragen auf. Manches spricht dafür, dass sich auch diese Dinge, wenn so viel Geld im Spiel ist, über kurz oder lang im Sinne der Super-League-Investoren regeln lassen. Dann werden sich auch der FCB und der BVB entscheiden müssen, wo sie ihre Zukunft sehen: auf einem lukrativen Weltmarkt oder in der nationalen Nische. Die Antwort, so traurig und schmerzhaft sie für Traditionalisten auch sein mag, liegt auf der Hand.

          Es bleibt zu hoffen, dass der geballte Widerstand stark genug bleibt, um wenigstens gewisse Auf- und Abstiegsregelungen dauerhaft in einem Format zu etablieren, das mit der europäischen Sportkultur nichts am Hut hat. Der Trend, so scheint es, ist wegen der internationalen Player jedoch kaum aufzuhalten.

          Die setzen konsequent auf Topfußball als Wirtschaftsbetrieb, der sich nach amerikanischem Vorbild von wirtschaftlichen Risiken abschotten will. Als geschlossene Gesellschaft. Der identitätsstiftende Verlust, der damit in Europa einherginge, ist kaum zu ermessen. Sein globales Publikum wird eine Super League gleichwohl finden. Und auch, dass sie sich langfristig anschlussfähig zeigen dürfte für Klubs aus asiatischen oder arabischen Ländern, die neben internationalen Investoren den Fußball schon jetzt ideell entkernen und zu ihrer eigenen Sache machen.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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