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Gründung einer Super League : Ein Verbrechen am Fußball?

Fans in Liverpool verabschieden sich von ihrem Klub: Die Kritik an einer Super League ist laut. Bild: Reuters

Die Superliga ist ein Angriff auf die europäische Kultur des Sports. Bisher aber hat sich noch immer das Geld im Profifußball durchgesetzt – und auf Spiele mit Madrid und Manchester will auch niemand verzichten.

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          Seitdem ein Konsortium von Superklubs und Superreichen in der Nacht zum Montag den Plan öffentlich gemacht hat, eine Super League aus dem Boden zu stampfen, fegt ein Sturm der Entrüstung durch Fußball-Europa. Die neue Liga wäre das Ende der Champions League, deren Vorgänger, der im Jahr 1955 geschaffene Europapokal der Landesmeister, seinen Teil zum europäischen Verständnis von Gemeinsamkeit und Gleichberechtigung beigetragen hat.

          Setzten die zwölf europäischen Spitzenklubs und die internationalen Finanziers ihren Willen durch, entstünde eine Superliga, die ausdrücklich auf Exklusion gründet. Auf- und Abstieg wären weitgehend ausgeschlossen. Das ist nicht weniger als ein Angriff auf die europäische Kultur des Sports.

          Gerichte könnten letztes Wort haben

          Die Empörung über den Vorstoß der sechs englischen sowie jeweils drei spanischen und italienischen Vereine reicht bis in höchste politische Kreise. Der britische Premierminister Boris Johnson bezeichnet die Pläne als „sehr schädlich“ für den Fußball. Sie träfen ins Herz des Nationalsports und versetzten die Fans im ganzen Land in Aufruhr. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron sieht das sportliche Leistungsprinzip gefährdet. Margaritis Schinas, der griechische Vizepräsident der EU-Kommission, ruft zur Verteidigung des werteorientierten europäischen Sportmodells auf, das auf Vielfalt und Inklusivität basiere.

          Fußballidole wie Völler oder Neville sprechen von einem Verbrechen am Fußball, von einem kriminellen Akt. Der europäische Fußballverband Uefa droht den abtrünnigen Vereinen mit Ausschluss von nationalen Wettbewerben und will deren Spieler nicht mehr im Trikot der Nationalmannschaften auflaufen sehen. Das letzte Wort könnten Gerichte haben.

          Bayern München und Dortmund, die beiden deutschen Klubs, die für die neue Liga in Frage kämen, sitzen zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite lehnen sie den neuen Wettbewerb ab, auf der anderen locken bisher unvorstellbare Summen. Bisher hat sich noch immer das kommerzielle Interesse im Profifußball durchgesetzt. Darauf setzen die Macher der Super League. Und darauf, dass die Fans, die in allen Ländern gegen die Pläne Sturm laufen, auf Spiele ihrer Klubs gegen Madrid oder Manchester auf Dauer nicht verzichten wollen.

          Michael Horeni
          (hor.), Sport

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