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Groundhopper leiden : Kein Kick in Sicht

Allerorten das gleiche Bild: Die Tribünen sind verwaist. Bild: Frank Röth

Groundhopper bereisen die Welt, um sich Fußballspiele aller Güteklassen anzuschauen. Doch in Corona-Zeiten stehen auch sie ratlos da. Gayson Stanley, der 1500 Spiele in 94 Ländern gesehen hat, starrt nun auf eine „Liste des Grauens“.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Gayson Stanley hatte große Pläne, alle Flüge waren gebucht. „Samstag wollte ich zum Heimspiel von Perth Glory nach Australien. Ostern dann das Dschidda-Derby in Saudi-Arabien. Und im Juni Nordkorea gegen Turkmenistan, WM-Qualifikation“, sagt der Hamburger. Doch dann kam das Coronavirus. „Alles ist abgesagt oder verschoben. So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Stanley, den in der Groundhopping-Szene alle nur den „Prof“ nennen, im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst.

          Groundhopper sind eine ganz eigene Spezies Fußball-Fans - immer unterwegs, immer auf der Suche nach dem nächsten Kick. Stanley ist seit 20 Jahren dabei, hat 1500 Spiele in 94 Ländern gesehen, doch eine Situation wie diese ist auch für ihn neu. „Im Internet gibt es eine Liste mit Ländern, in denen nicht mehr gespielt wird. Das ist eine Liste des Grauens. Gerade sind Tahiti und die Marshallinseln dazu gekommen“, sagt der 38-Jährige. So klingt Verzweiflung.

          Stanley weiß natürlich, dass er ein Luxusproblem hat. „Wir Groundhopper haben jahrelang das höchste Gut genossen, das es gibt - die Freiheit“, sagt er: „Jetzt müssen wir verzichten, und das ist das einzig Richtige in dieser Situation.“ Die Sucht nach neuen Stadien, bunten Fankurven und verrückten Abenteuern bleibt vorerst unbefriedigt. Ihm fehle sein „Lebenselixier“ schon jetzt, sagt der HSV-Fan.

          Weltweite Pandemie: Alle Stadien stehen leer.

          Das gilt auch für Stefan Schölzel. Der Werder-Anhänger hatte für das kommende Wochenende eine Tour ausgerechnet nach Norditalien geplant. „Wir wollten unterklassigen Fußball sehen. Ravenna gegen Vicenza, Piacenza gegen Fano und Fiorenzuola gegen Mantova. Den Flug hatten wir sogar bis Bergamo gebucht, natürlich lange vor dem Ausbruch.“ Jetzt muss er hoffen, noch etwas Geld zurückzubekommen.

          Doch klagen will auch Schölzel nicht. „Ich kennen einen Hopper, der gerade in Buenos Aires festsitzt. Der ist mit den Nerven am Ende“, sagt er. Überhaupt gebe es nun Wichtigeres als ein Fußballspiel irgendwo auf der Welt: „Keiner von uns heult rum oder ist sauer, dass ihm etwas genommen wird.“ Außerdem habe er nun endlich Zeit für sein Fanmagazin „Grober Schnitzer“.

          Eigentlich beherrschen „Stadionhüpfer“ wie Stanley und Schölzel die Kunst, auch in der größten Einöde ein Spiel aufzutreiben. Aktuell steht aber fast alles still. „Auch in Hamburgs siebter Liga ist alles abgesagt“, sagt der „Prof“. Langweilig werde aber auch ihm nicht. Mit dem Youtuber Jojo arbeitet der Angestellte im öffentlichen Dienst an seinem Podcast (“Jojo und der Profcast“), zudem schreibt er an der Fortsetzung seines Buches „Der Fußballtourist“.

          Und irgendwann, das ist die große Hoffnung von Stanley und Schölzel, geht es endlich weiter. Eigentlich wollte Stanley noch in diesem Jahr sein 100. Land besuchen, sechs fehlen noch. Einen Lichtblick gibt es immerhin nach all den Absagen. „Das muss ja alles nachgeholt werden“, sagt Stanley: „Vielleicht bietet sich Ende des Jahres ja eine Asien-Tour an. Ich hoffe sehr, dass bald wieder Normalität einkehrt.“

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