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Sorge um Fußball-Legende Pelé : Das verschwundene Lachen

  • -Aktualisiert am

Brasilien sorgt sich um seinen größten Fußballer: Pelé, hier 2016, wird von gesundheitlichen Problemen geplagt. Bild: dpa

Er ist ein Idol für Generationen: Pelé stand lange auf der Sonnenseite des Lebens. Doch nun sorgt sich Brasilien um den Gesundheitszustand des Jahrhundertfußballers.

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          Vor etwas mehr als einem halben Jahr tobte das riesige Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro. Brasilien hatte die Copa America im Finale gegen Peru 3:1 gewonnen. Im weiten Rund und draußen im ganzen Land lagen sich viele Fußballfans für einen Moment in den Armen. Endlich wieder einmal. Doch die große Fußball-Party fand ohne Pelé statt.

          Der Mann, der wie kein Zweiter für das „jogo bonito“ (das schöne Spiel) steht, das die Brasilianer so lieben, ist schon seit geraumer Zeit aus der Öffentlichkeit verschwunden. Das wurde in Brasilien lange verdrängt. Doch jetzt verriet sein Sohn Edinho in einem Interview mit dem TV-Netzwerk „Globo“, warum sich Pelé zurückgezogen hat: „Man muss sich vorstellen: Er war immer eine imposante Figur – und jetzt kann er nicht mehr richtig gehen. Daher hat er sich sehr zurückgezogen, es beschämt ihn.“

          Mehr als zwei Jahrzehnte lang drückte Edson Arantes do Nascimento, wie Pelé mit bürgerlichem Namen heißt, der Fußballwelt seinen Stempel auf. Pelé spielte seine Gegner auf dem Rasen schwindlig – so wie bei seinem laut eigener Aussage schönstem Tor. Es war der 2. August 1959, als er beim 4:2-Sieg mit dem FC Santos gegen den Klub Atlético Juventus aus São Paulo im Strafraum den Ball in der Luft jonglierte, nacheinander über drei Gegenspieler und dann auch noch über den Torwart lupfte und schließlich per Kopf verwandelte. Videoaufnahmen gibt es von dieser Szene nicht, was den Mythos nur genährt hat.

          Pelés Stern war bei der Fußball-WM 1958 aufgegangen - und strahlte jahrzehntelang weiter.

          Pelé glänze bei drei Weltmeisterschaften (1958, 1962 und 1970) und sorgte dafür, dass das Potential der noch heute unterdrückten und unter strukturellem Rassismus leidenden afrobrasilianische Bevölkerung in Brasilien richtig wahrgenommen wurde. Er stand für Spielkunst und Technik. Er prägte die brasilianische Kultur und Identität. Ihm gelang es, in einer Zeit ohne soziale Netzwerke weltweit bekannt und verehrt zu werden, durch Leistung und Eleganz Schlagzeilen zu machen.

          Nun ist das Lachen des berühmten Mannes mit der Rückennummer 10, der in 92 Länderspielen 77 Tore erzielte und von 1995 bis 1998 Sportminister in Brasilien war, verschwunden. Der 79-Jährige leidet aufgrund seines Gesundheitszustandes offenbar an Depressionen und verlässt kaum noch sein Haus. Pelé hat nur noch eine Niere, nachdem ihm die andere wegen eines Rippenbruchs noch zu aktiven Zeiten hatte entfernt werden müssen. 2014 lag er wegen einer Harnwegsinfektion auf der Intensivstation. 2015 folgte eine Prostata-OP, im vergangenen April wurde er in Paris wegen Nierenproblemen behandelt, dazu kommen Schwierigkeiten mit Wirbelsäule und Knie.

          Pelé stand stets im Mittelpunkt – nun hat er sich komplett zurückgezogen.

          Pelé – ein alter, gebrochener Mann, dem seine Gebrechen peinlich sind. Welch ein Kontrast zu dem Sportler, der das große Geld nach seiner Karriere verdiente, als sich der Fußball professionalisierte und er als Werbefigur Millionen verdiente. Ein paar Wochen vor der WM 2014 im eigenen Land war Pelé Stargast bei der Übergabe einer Countdown-Uhr am Copacabana-Strand. Ein Schweizer Uhrenhersteller hatte geladen.

          Am Ende, als alle Fragen gestellt, die Pressekonferenz unter freiem Himmel vorbei war, brachte sich Pelé für die Fotografen in Stellung, die nur wegen ihm gekommen waren. Er tat das wie ein Turner, übte spektakuläre Positionen, strahlte wie ein junger Heroe, damit alle ein schönes Bild bekommen konnten. Auch mit weit über 70 wollte der Mann im Land des Körperkults beweisen: Ich bin fit! Aber das änderte sich.

          Ein „niedergeschlagener König“

          Die körperlichen Probleme kommen nicht überraschend – auch für ihn selbst nicht. Immerhin stand Pelé, der am 23. Oktober dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feiert, in insgesamt 1363 Spielen auf dem Platz. „Ich habe 30 Jahre lang Fußball gespielt, 25 beim FC Santos und fünf bei Cosmos New York“, sagte er einmal. „Gott hat jetzt einfach nur die Rechnung geschickt.“

          Sein Sohn beschreibt den berühmten Vater inzwischen als einen „niedergeschlagenen König“. Die Verfassung des einstigen Weltstars mache „traurig“. Immerhin habe Pelé den Rollstuhl, auf den er zwischenzeitlich angewiesen war, wieder wegstellen können, berichtete Edinho. Aber aus der Fußball-Hoheit ist ein gebrechlicher Senior geworden, der sich nur noch mithilfe eines Rollators fortbewegen kann. „Er will nicht rausgehen, er möchte praktisch nichts tun, um das Haus zu verlassen“, sagte Edinho. Pelé lebe sehr zurückgezogen, beinahe „wie ein Häftling“.

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