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Greuther Fürth : Der Patriarch stößt an Grenzen

Zum Fürther Weg gehöre es, dass Werte wie Aufrichtigkeit, Wärme und Miteinander noch etwas zählten. Die Fürther „Dugenden“ - mit sanftem fränkischem „t“. „Wir müssen diesen Weg gehen, weil es nur diesen Weg gibt“, sagte er im November, als es zum ersten Mal unruhig wurde. Gemünzt war das auf die Frage, ob er in jedem Fall an Büskens festhalten werde. Dem Aufstiegshelden, dem es im vergangenen Jahr gelungen war, die sagenhafte Serie der Fast-Aufstiege zu beenden. Der Aufstieg, sagte Büskens, sei die „Befreiung der Fürther Seele“ gewesen. Er war der Befreier.

Den Volkshelden einfach abserviert

Und so ist es kein Wunder, dass Hack in diesen Tagen ganz schön unter Feuer steht. Unaufrichtigkeit wird ihm vorgeworfen, Begriffe wie Alleinherrscher und Diktator fallen. Ganz neu ist das nicht. Hack ist bei allen Verdiensten nicht unumstritten. Vielen gefällt seine geradezu allmächtige Rolle nicht. Und so steht die Frage im Raum, ob Hack, der auch im Vorstand der Deutschen Fußball-Liga sitzt, nicht selbst in der ersten Liga relativ hart an Grenzen gestoßen ist. Lange ging es ja gut, dass der einstige Amateurspieler Hack sich selbst um die Zusammenstellung des Kaders gekümmert hat und dafür sogar an den Wochenenden mit seiner Frau über die fränkischen Fußballplätze tingelte. Für die Aufgabe Bundesliga aber war es womöglich eine fatale Fehleinschätzung, auf die Dienste eines Sportchefs zu verzichten. Rachid Azzouzi, der nie aus dem Schatten Hacks treten konnte oder durfte, war zum FC St. Pauli gegangen.

Negative Grundstimmung: Chef Hack und Ex-Trainer Büskens

Und nun die Sache mit Büskens. Den Volkshelden einfach abserviert, so wie in jedem stinknormalen Klub? „Es ging nicht um einen Trainer, es ging darum, dass wir wieder stabilisieren müssen“, sagt Hack. Büskens sei nichts vorzuwerfen, im Gegenteil: „Wir brauchen über das, was Mike Büskens hier bis zuletzt geleistet hat, keine Sekunde sprechen.“ Das Problem sei die lähmende Atmosphäre gewesen, die sich über den Ronhof gelegt hatte. „Wenn Sie zur Arbeit gehen und Ihre Firma nur Misserfolge hat, dann bekommen Sie eine Grundstimmung, die mit jedem Tag negativer wird“, sagt Hack. „Wir mussten die letzte mögliche Maßnahme ergreifen, um wieder nach vorne schauen, um wieder an etwas glauben zu können.“ Das und die Hoffnung, vielleicht doch noch den Relegationsplatz erreichen zu können, ließ den Harmoniemenschen Hack mit dem pastoralen Timbre in den Hintergrund treten. Er ist, wenn er von etwas überzeugt ist, eben auch ein harter Entscheider.

Kein „Hau-Ruck“

Eine Portion emotionale Kränkung war gewiss auch dabei. „Wir sind in eine Situation hineingerutscht, in der wir fast schon Mitleid bekommen haben“, sagt er, „und das ist das Schlimmste, was einem widerfahren kann.“ Mit anderen Worten: Absteigen hätte Fürth zur Not dürfen, ein Träumer ist Hack nicht. Aber eben nicht so. Die Spielvereinigung ist sein sportliches Lebenswerk, und so will er den Klub unbedingt wieder auf Kurs bringen. Kurzfristig sollen Ludwig Preis, der bisherige U-23-Trainer, und der im Winter zum Sportdirektor beförderte Rouven Schröder das Team neu beleben. Dann soll ein neuer Trainer kommen - kein Feuerwehrmann, wie Hack betont. „Wir brauchen eine Lösung, an die wir jetzt und über den Tag hinaus glauben können, nicht irgendein Hau-Ruck.“

In jedem Fall soll der neue Mann seinen Kompass wieder nach den alten Koordinaten ausrichten. „Der Verein muss wieder dahin kommen, dass wir diesen Weg gehen: mit Spielern, die besser werden wollen.“ Die vorbildliche Nachwuchsarbeit, die man in der Bundesliga ein wenig aus den Augen verlor, soll wieder stärker in den Fokus rücken. Was seine eigene Rolle betrifft, spricht Hack davon, die Verantwortung künftig stärker teilen zu wollen. Die Führung aber traut er sich selbst immer noch am besten zu. Von einer „verdammten Herausforderung“ spricht er angesichts der Rahmenbedingungen: „Bundesliga in Fürth ist an den Grenzen dessen, was geht.“

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