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2:1 in Bochum : Gnabry und Müller bewahren Bayern vor Pokalaus

Es müllert: Irgendwie bugsiert Thomas Müller (links, im Duell mit Bochums Anthony Losilla und Torwart Manuel Riemann) den Ball in dieser Szene zum Siegtreffer ins Bochumer Tor. Bild: Team2

Der VfL Bochum bestreitet ein großes Pokalspiel. Am Ende bleibt die Überraschung aber aus. Bayern München dreht die Partie in den letzten fünf Minuten. Den Siegtreffer erzielt Thomas Müller auf seine Weise.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Erfüllt von gemischten Gefühlen sanken die Spieler des VfL Bochum zu Boden, als der Schlusspfiff ertönte und der Zweitligaverein durch ein 1:2 gegen den FC Bayern München aus dem DFB-Pokal ausgeschieden war. Einerseits waren sie traurig über die Niederlage, frustriert über eine verpasste Chance, den spürbar verunsicherten Rekordmeister zu schlagen. Anderseits konnten sie mächtig stolz sein, „großes Kino“ habe der VfL dem Publikum geboten, sagte Torhüter Manuel Riemann, nach einem wunderbaren Pokaldrama, in dessen Verlauf der Favorit am Rande einer Niederlage stand und wankte. So ein Siegtreffer in der 89. Minute setze zwar „Emotionen und Glücksgefühle frei“, sagte Thomas Müller, der eine Minute vor dem Ende zum 2:1 getroffen hatte, räumte aber auch ein: „Im Großen und Ganzen können wir nicht so zufrieden sein.“

          DFB-Pokal

          Ganz im Gegensatz zum Publikum, das nicht nur einen hoch spannenden Abend erlebt hatte, sondern auch ein Festival für Nostalgiker. Im Vorfeld der Partie schwelgten alte Helden auf allen Kanälen in ihren Erinnerungen an Duelle zwischen Bochum und Bayern aus den 1970er und 1980er Jahren. In einem nachgebauten Gelsenkirchener-Barock-Wohnzimmer auf der Haupttribüne saßen Ata Lamek und Hermann Gerland, zwei besonders prominente Figuren der guten alten Zeit. Normalerweise werden diese Plätze in einem Gewinnspiel verlost, nun stellte der VfL die beiden ehemaligen Fußballer dort aus wie Exponate in einem Museum, und auch auf dem Platz war vieles wie früher. Der VfL bekämpfte die individuelle Überlegenheit der Gäste mit viel Leidenschaft und hielt lange Zeit richtig gut mit.

          Bayern suchen weiter die Leichtigkeit

          Je länger die Partie dauerte, desto deutlicher war Niko Kovac sein innerer Schmerz über das Spiel anzusehen. Der Münchner Trainer wand sich, wenn seine Stars mal wieder zu ungenau agierten oder geistig zu langsam waren. Er pfiff, um Spieler in die richtigen Positionen zu dirigieren, die große Münchner Verunsicherung, die schon die zurückliegenden Wochen in der Bundesliga prägten, war nun auch beim Drittletzten der Zweiten Liga zu sehen. Die Gründe bleiben rätselhaft. „Wenn wir es besser wüssten, würden wir nicht so viele Fehler machen“, sagte Serge Gnabry nach dem Schlusspfiff, „wir hoffen, dass die Leichtigkeit zurück kommt und wir wieder besser Spiele machen.“

          Schon in der ersten Minute hatte der Außenseiter eine Chance aus der „Den-muss-er-machen“-Kategorie, als Simon Zoller nach einem Rückpass Danny Blums von der Grundlinie am Elfmeterpunkt frei zum Abschluss kam, den Ball aber nicht richtig traf. In der Folge fehlte zwar oft die Durchschlagskraft. Die Bayern hatten viel Ballbesitz, waren aber kaum gefährlicher, so dass der Führungstreffer für den VfL nicht einmal überraschend kam. Joshua Kimmich verteidigte nicht mit der letzten Konsequenz, als er ein Duell auf der rechten Münchner Abwehrseite gegen Blum verlor, der scharfe Querpass vor das Tor von Manuel Neuer sprang Alphonso Davies ans Bein und von dort ins Tor (36.).

          Bilderstrecke

          Auch die Rückkehr eines Langzeitverletzten in die Startelf half dem FC Bayern nicht. An den ersten sieben Bundesligaspieltagen konnte der gebürtige Bochumer Leon Goretzka aufgrund einer Oberschenkelverletzung nicht eingesetzt werden. Zuletzt hatte Trainer Kovac Goretzka zweimal kurz vor dem Abpfiff eingewechselt, nun spielte er genauso inspirationslos wie die meisten seiner Kollegen. Zur zweiten Halbzeit wechselte Kovac dann seine krisenfeste Allzweckwaffe Robert Lewandowski ein, auch Coutinho und Thomas Müller kamen nach und nach in die Partie. Die Bochumer waren phasenweise eingeschnürt in der eigenen Hälfte, aber zu klaren Chancen kam der Rekordmeister lange Zeit nicht. Gefährlich war lediglich ein Lewandowski-Kopfball, der wenige Zentimeter neben das Tor ging (70.) – die Konter, die der VfL nicht sauber zu Ende spielte, waren kaum weniger vielversprechend.

          Wie tief der Frust bei den Münchnern in diesem komplizierten Herbst sitzt, war an den kleinen Dingen erkennbar. An einem nutzlosen Ellenbogenfoul von Benjamin Pavard oder einem theatralischen Sturz auf den Boden von Lewandowski nachdem er allenfalls sanft von einem Gegner im Gesicht touchiert worden war. Und beinahe wäre den Bochumern zehn Minuten vor dem Ende das 2:0 gelungen, Blum hatte aus 60 Metern auf das verlassene Münchner Tor geschossen, nachdem er einen von Manuel Neuer weit vor dem Strafraum geklärten Ball abgefangen hatte. Doch der Münchner Torhüter schaffte es gerade noch, den Schuss zu halten.

          Erst als die Kräfte des hingebungsvoll kämpfenden Außenseiters dann mehr und mehr nachließen, schlugen die Münchner doch noch zu: Eine Flanke von Kimmich landete bei Gnabry, der am langen Pfosten zum 1:1 traf (83.), bevor der Bochumer Verteidiger Armel Kotchap nach einem Handspiel die rote Karte (88.) sah. Müllers später Siegtreffer aus kurzer Distanz nach Vorarbeit von Kingsley Coman (89.) ersparte dann allen eine Verlängerung, in der die Bochumer wahrscheinlich eingebrochen wären. Und ein kleiner Trost bleibt dem Zweitligaverein auch in der Niederlage. „Das ist ein Spiel, in dem wir positive Schlagzeilen machen wollen. Denn im Moment haben wir nicht viele“, hatte Trainer Thomas Reis vor dem Spiel erklärt. Das haben sie bravourös umgesetzt.

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