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Glosse zu Bayern München : Kreisen um den Bauchnabel

  • -Aktualisiert am

Bei den Bayern 2018 nicht mehr erwünscht: Ehrenspielspielführer Paul Breitner. Bild: Picture-Alliance

Das eigentliche Problem der Breitner-Affäre ist, dass Hoeneß und Rummenigge die Außenwelt gar nicht mehr oder verzerrt wahrnehmen. Meinungsabweichler dürfen bei diesen Bayern nicht mal mehr auf die Ehrentribüne.

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          Wenn das so stimmt, was Paul Breitner der „Bild“-Zeitung erzählt hat, dann ist es der Bayern-Führung und vor allem Präsident Uli Hoeneß gelungen, das Niveau der mittlerweile berühmt-berüchtigten Die-Würde-des-Menschen-ist-unantastbar-Pressekonferenz noch zu unterbieten.

          Vor fünf Wochen hatten Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Hoeneß Medien und Experten aufgefordert, die Spieler des FC Bayern nicht weiter auf entwürdigende Weise zu behandeln. Der Klub werde sich in Zukunft dagegen wehren. Zehn Minuten später kanzelte der Bayern-Präsident den ehemaligen Münchner Verteidiger Bernat ab: „Er hat einen Scheißdreck gespielt.“

          Eine Ungehörigkeit, die Hoeneß eine Menge Kritik einbrachte, auch von seinem früheren Mitspieler und Freund Paul Breitner: „Bei Hoeneß geht es immer um die Bayern-Familie. Da müssten jetzt die Kinder der Familie sagen: Für den Papa müssen wir uns jetzt gewaltig schämen“, sagte der 67-Jährige damals.

          Nun sagte der ehemalige Nationalspieler, Berater, Scout, Markenbotschafter und zudem Ehrenspielführer des deutschen Rekordmeisters der „Bild“auf Nachfrage, dass er nicht mehr auf der Ehrentribüne seines Klubs erwünscht sei. Es habe einen Anruf von Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen gegeben, „mir werde von Uli Hoeneß nahegelegt, mich auf absehbare Zeit nicht im Ehrengast-Bereich blicken zu lassen. Ich habe ihm gesagt: Damit habe ich ohnehin gerechnet. Und ich möchte den einen oder anderen im Moment sowieso nicht sehen“, sagte Breitner. Er habe nun beschlossen, „meine zwei Ehrenkarten, die ich als Ehrenspielführer auf Lebenszeit besitze, zu Händen von Herrn Dreesen zurückzuschicken. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich Freikarten will“, ergänzte Breitner, der seit 2017 keine offizielle Funktion mehr im Klub ausübt.

          Kinderkram, könnte man meinen und ein Witzchen drüber machen. Aber dieser Fall offenbart das Kernproblem, das zum Niedergang der Bayern führt. Hoeneß und Rummenigge kreisen nur noch um sich und nehmen auf ihrer Umlaufbahn um den eigenen Bauchnabel die Außenwelt gar nicht mehr oder nur noch verzerrt wahr. Niemand begegnet ihnen mehr auf Augenhöhe, niemand dient als Wetzstein oder Korrektiv. Alle Kollegen in Vorstand und Präsidium sind ihnen verpflichtet, durch sie im Verein erst groß geworden.

          Mit Hasan Salihamidzic suchten sie sich einen Sportdirektor ohne Format und Statur aus und mit Niko Kovac einen Trainer, der erst noch auf Weltniveau wachsen muss. Die Dortmunder Koryphäen Watzke und Zorc reagierten nach jahrelangem Schmoren im eigenen Saft und daraus entstehender Langzeitkrise. Sie holten mit Sammer und Kehl frischen Input von außen. Und 2012 war es Hoeneß, der einen unbequemen, kritischen Geist als Antipoden zu den Bayern lotste. Er machte Matthias Sammer zum Sportdirektor. 2018 dürfen Meinungsabweichler noch nicht mal mehr auf die Ehrentribüne.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

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