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Gladbachs Stürmer Embolo : Nur Elfmeter schießt er nicht mehr

  • -Aktualisiert am

Breel Embolo: „Ich hatte sicherlich gute Momente“. Bild: dpa

Breel Embolo wird trotz eines Fehlschusses vom Elfmeterpunkt zum Borussen des Tages. Vergessen sind für den wuchtigen Angreifer seine grauen Jahre beim FC Schalke 04.

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          Es kommt nicht besonders häufig vor, dass ein Fußballspieler von den eigenen Anhängern gefeiert wird, nachdem er in einer wichtigen Phase eines richtungsweisenden Fußballspiels einen Elfmeter verschossen hat. Aber Breel Embolos melodiöser Name besitzt nunmal eine große Verführungskraft für eine sangesfreudige Fankurve, also nutzten die Gladbacher nach ihrem aufregenden 4:2-Sieg gegen den SC Freiburg die Gelegenheit für ein kraftvolles „Embolo, Oh, Oh, Embolo, Oh Oh!“ Schließlich hatte der Schweizer Angreifer nicht nur einen Strafstoß an den Pfosten gesetzt, er hatte auch zwei Treffer erzielt und einen weiteren vorbereitet.

          Bundesliga

          „Ich hatte sicherlich gute Momente“, sagte Embolo später eher vorsichtig, er ahnte schon, dass sein Trainer nicht so großzügig über die Sache mit dem Elfmeter hinwegsehen würde. „Das Thema hat sich dann erstmal erledigt für Breel“, erklärte Marco Rose, die nächsten Strafstöße werden andere schießen. Wobei ein Hauch von Ironie bei diesen Worten mitschwang. Ohne jeden Zweifel hat Rose auch weiterhin großes Vertrauen in die Fähigkeiten seines Angriffs.

          Die Hervorhebung der einzigen wirklich schwachen Szene Embolos in dieser Begegnung erzählt nämlich viel über das Niveau, auf dem die Borussen-Stürmer derzeit spielen. Marcus Thuram und Patrick Herrmann hatten ebenfalls wieder getroffen, Kapitän Lars Stindl saß neben Alassane Pléa und Raffael auf der Bank, aber sie spielen ebenfalls häufig. „Unsere größte Stärke ist: Egal wer auf dem Platz ist, die Abläufe sind klar“, erklärte Embolo. „Diese ständige Konkurrenz, dieses ständige Gas geben, da muss man immer wieder liefern.“ An diesem Nachmittag hatte Embolo wunderbar mit Thuram und Herrmann harmoniert; die drei Stürmer rissen im Duell mit dem Sportclub Löcher füreinander, sie pressten intensiv und steckten präzise Pässe durch die Schnittstellen der Freiburger Abwehr.

          Borussia Mönchengladbach hat zwar keinen Akteur wie den Polen Robert Lewandowski, dafür aber steht Rose ein Angriffssextett zur Verfügung, mit dem er vielseitigere Gestaltungsspielräume hat als jeder seiner Kollegen in der Bundesliga. Raffael kommt zwar etwas seltener zum Einsatz, aber Stindl, Thuram, Herrmann, Pléa und Embolo wechseln sich fröhlich ab in der Rolle des Tageshelden, die diesmal eben dem Neuzugang vom FC Schalke zufiel. Jenseits des Elfmeters war es „natürlich richtig gut bei ihm“, sagte Rose dann auch über Embolo, „er war sehr fleißig hat, viele gute Situationen kreiert, deswegen darf er auch zufrieden einschlafen.“

          Der Borussen-Stürmer ist kaum zu stoppen: Breel Embolo nach seinem zweiten Tor, verfolgt von Patrick Herrmann und Florian Neuhaus

          Dieser Sonntagnachmittag wurde damit zum vorläufigen Höhepunkt einer erstaunlichen Entwicklung, die viele Experten Embolo nach seinen drei ziemlich grauen Jahren beim FC Schalke 04 nicht mehr zugetraut hätten. Bisher ist der in Kamerun geborene Schweizer immer noch der teuerste Spieler, den die Gelsenkirchener jemals verpflichtet haben. 26 Millionen Euro überwies der Revierklub im Sommer 2016 an den FC Basel. Über die Jahre wurde Embolo mehr und mehr zum Symbol einer in den Augen vieler Beobachter verfehlten Transferpolitik von Manager Christian Heidel, und das hat den jungen Fußballprofi natürlich belastet.

          Zwar war Embolo in Gelsenkirchen auch aufgrund einiger schwerer Verletzungen drei Jahre lang nicht in der Lage, die in ihn gesetzten Hoffnungen zu erfüllen. „Die letzten Jahre waren nicht einfach für mich“, blickte Embolo nun am Sonntag zurück auf diese nicht einfache Zeit. Aber in den Gesprächen mit der Mönchengladbacher Borussia hat er selbstkritisch eingeräumt, dass er bei all dem Pech und angesichts der schwierigen Stimmung beim FC Schalke etwas die Eigenmotivation verloren hatte. Jetzt aber entfaltet sich sein Potential. Und Embolo ist auch deshalb wertvoll, weil er schon eine Menge erlebt hat für einen immer noch erst 22 Jahre alten Profi, der das Glück hat, einer Spielerkategorie anzugehören, die perfekt zur Fußballmoderne passt. „Wuchtig“ ist so ein Modewort der Fachsprache. Und kaum ein Bundesligafußballspieler verkörpert diese Eigenschaft besser als Breel Embolo, der am kommenden Wochenende mit seinem Team den FC Bayern München im Borussia Park begrüßen wird. Als Tabellenführer.

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