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Freistoßtor der besonderen Art : Treffer gegen das „Beamtentum“

Treffer gegen das Beamtentum: Christoph Kramer (Mitte) Bild: EPA

Bei Freistößen herrsche oft „typisch deutsches Beamtentum“, meint Gladbachs Kramer: Ball ruht, Spieler auch. Dabei geht es auch anders, wie er im Spiel gegen Wolfsburg beweist.

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          Christoph Kramer hat sich am Freitagabend bei einem schnell ausgeführten Freistoß als Mann der Tat erwiesen. Kurz vor der Pause nahm er sich den Ball, erfasste die Situation, schickte alle anderen beiseite und schoss die Kugel ins Tor: 44. Minute, 3:0 für Borussia Mönchengladbach gegen den VfL Wolfsburg. Das Spiel war praktisch entschieden. Und Gladbachs Mittelfeldspieler hatte nicht nur den Treffer auf seinem Konto, sondern auch die Lacher auf seiner Seite.

          Bundesliga

          „Ich bin ein Fan von schnell ausgeführten Freistößen“, sagte er hinterher bei Eurosport. „Da ist sehr viel möglich, nicht erst, wenn sich jeder deutsche Beamte hingestellt hat.“ Auf deren Mentalität hatte er es besonders abgesehen: Bei Freistößen herrsche auf deutschen Fußballplätzen oft „das typisch deutsche Beamtentum“, erklärte Kramer auch der dpa: „Der Ball steht still, alle orientieren sich erst mal. Dabei kann man doch einfach mal schnell spielen.“

          Doch auch Kramer ist keine Anarchist, er legte Wert darauf, regelkonform gehandelt zu haben. „Ich habe den Schiri gefragt, ob er anpfeifen will. Da hat er gesagt: Nö, der Ball ist frei.“ Daraufhin musste er nur noch seine eigenen Mitspieler beiseite räumen. Er habe zu den Jungs gesagt: „Weg, weg, weg.“ Das taten die dann auch. Und während die Wolfsburger noch versuchten, eine Mauer zu stellen, schoss Kramer den Ball einfach mal ins Tor: zwei kurze Schritte, Rechtsschuss und schon lag die Kugel in der linken Ecke.

          Keiner der Gästespieler hatte bei der Szene, die sich nahe der Strafraumgrenze anspielte, auf Kramer oder auch nur auf den Ball geachtet. Die Düpierten beschwerten sich daraufhin bei Schiedsrichter Tobias Stieler - bewiesen damit aber nur ihr eigene Regel-Unkenntnis. „Da müssen wir in Zukunft schlauer sein“, bekannte Torhüter Koen Casteels später, „und einen vor den Ball stellen, der blockt.“ Oder zumindest mal hingucken, was passiert.

          Mönchengladbachs Trainer Dieter Hecking hatte das coole Tor allerdings auch nicht mitbekommen. „Ich habe gesehen, dass Kramer sich den Ball hinlegt. Da habe ich nicht mehr hingeschaut. Weil ich dachte: Die anderen werden schon dafür sorgen, dass er weggeht.“ Denn Kramer ist eigentlich nicht als Freistoßschütze vorgesehen.

          Die „clevere Aktion“ freute Hecking natürlich, zumal sich seine Mannschaft nun doch noch einmal Richtung Europa League orientieren kann, während Wolfsburg akut in Relegationsgefahr zur zweiten Liga schwebt. Hecking hegte dennoch eine Sorge: „Ich hoffe nur, dass Chris jetzt nicht meint, er dürfe alle Freistöße schießen.“

          Heckings einzige Sorge: „Hoffentlich will er jetzt nicht jeden Freistoß schießen“

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