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2:1 in Hamburg : Gladbach siegt nach „Elfmeterschießen“

  • -Aktualisiert am

Anders als in Florenz brauchten die Gladbacher in Hamburg kein „Wunder“. Bild: dpa

Manchmal geht es schneller als gedacht. Der HSV verschafft Gladbach schon in der regulären Spielzeit zwei Elfmeter – und die Borussia lässt sich nicht lange bitten. Dabei beginnt die Partie erst mit Verspätung.

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          Ein leichtes Nachlassen in Sachen Aggressivität und Laufbereitschaft hat dem Hamburger SV ein bitteres Ausscheiden im DFB-Pokal-Viertelfinale beschert. Vier Tage nach dem bösen 0:8 von München trat Trainer Markus Gisdols Mannschaft eine Halbzeit lang überzeugend auf und hätte zur Pause führen müssen. Als die Bereitschaft im zweiten Durchgang etwas nachließ, das Gladbacher Spiel zu unterbinden, schlug die clevere Borussia zweimal eiskalt zu. Dank der Foulelfmeter-Tore durch Lars Stindl und Raffael (53. und 61. Minute) kam die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking am Mittwochabend zu einem 2:1-Sieg beim HSV und erreichte das Halbfinale. Dort bekam die Borussia Eintracht Frankfurt im eigenen Stadion zugelost.

          Die in der Bundesliga abstiegsbedrohten Hamburger wehrten sich vor knapp 54.000 Zuschauern lange, waren bemüht, kamen nach dem Rückstand aber nur noch zum 2:1 durch Bobby Wood Sekunden vor dem Abpfiff. „Es war eine richtig gute Leistung über 90 Minuten. Uns hat ein bisschen das Spielglück gefehlt“, sagte HSV-Sportchef Jens Todt bei Sky. „Bis zu den beiden Elfmetern hatten wir das Spiel im Griff. Nach dem Spiel in München hat die Mannschaft eine Reaktion gezeigt“, meinte Aaron Hunt.

          Die Hamburger Fans sind schon eine bemerkenswerte Spezies. Enorm leidensfähig auf jeden Fall. Und das seit Jahren. Aber immer noch bereit, sich zu begeistern und ihren HSV anzufeuern. „Lasst uns nach 30 Jahren mal wieder ein schönes Kapitel Vereinsgeschichte schreiben!“, das war ihr Angebot an die Mannschaft in einem offenen Brief auf Facebook am Mittwoch. 1987 hatte der HSV letztmals eine bedeutende Trophäe erbeutet – eben jenen DFB-Pokal, damals gegen die Stuttgarter Kickers, Ergebnis: 3:1. Dabei bleibt es auch bis auf weiteres. Ziemlich lang und ziemlich leidenschaftlich warben die Anhänger da in ihrem Brief für den großen Schulterschluss – trotz des 0:8.

          Oder gerade deswegen? „Wir werden euch niemals hängen oder im Stich lassen“, war die Kernbotschaft der Zeilen. Irgendwie beeindruckend diese Treue, erfährt man als Fan des Rautenklubs seit Jahren doch nur Spott und Häme. Das Viertelfinale und die Aussicht, nicht mehr weit von Berlin entfernt zu sein, hat offenbar auch auf den Rängen besondere Kräfte freigesetzt. Zum speziellen Pokalfeeling an diesem kalten Abend gehörte eine riesige Choreografie auf der Nordtribüne mit der Botschaft: „Kurs halten und volle Kraft voraus.“ Daraus wurde dann trotz ordentlicher Leistung nichts. Zumindest nicht im diesjährigen Pokalwettbewerb.

          Der große Traum der Hamburger Fans geht in diesem Jahr nicht in Erfüllung. Bilderstrecke

          Der letzte Gladbacher Pokaltriumph datiert von 1995, damals bezwangen die Borussen den VfL Wolfsburg. Nach Hamburg reisten sie selbstbewusst an; zweimal auswärts erfolgreich beim 4:2 in Florenz und dem 2:0 beim FC Ingolstadt in nur vier Tagen: Trainer Dieter Hecking hat die Fohlen wieder auf Trab gebracht. Im Vergleich zur Bundesliga verzichtete Hecking in Hamburg auf Drmic, Johnson und Strobl, dafür spielten Raffael, Dahoud und Herrmann. Sein Kollege baute großzügig um. Papadopoulos (wiederum stark) kam für den verletzten Djourou, auch Wood, Hunt, Ekdal und Ostrzolek waren dabei. Walace, Douglas Santos, Kostic und Gregoritsch saßen auf der Bank.

          Die Pleite von München und ihre Folgen waren dem HSV zunächst nicht anzumerken. Die Hamburger bestimmten das Spiel, das mit zehn Minuten Verspätung begann, weil viele Zuschauer noch im Stau standen. Der HSV hatte durch Wood in der 17. Minute die erste gute Chance des Spiels – Yann Sommer im Gladbacher Tor wehrte seinen Flachschuss aus wenigen Metern ab. Gladbach verlegte sich von Beginn an aufs Kontern. Trainer Gisdol hatte die schnelle Reparaturmöglichkeit nach dem 0:8 als positiv fürs Gemüt bezeichnet. So habe seine Mannschaft die Chance, sofort etwas gut zu machen.

          Danach sah es auch aus: in der 23. Minute kam Nicolai Müller vor dem Gladbacher Tor gefährlich zum Abschluss, traf den Ball aber nicht korrekt. Es sah gut aus, was die Hamburger zeigten. Sie spielten bissig und gaben keinen Ball verloren. „Der HSV hat richtig Alarm gemacht, wir hatten Probleme ins Spiel zu kommen“, sagte Gladbachs Trainer Dieter Hecking. Seine Mannschaft wirkte hinten anfällig, bekam die Partie bis zur Pause aber in den Griff und gestaltete sie offen. Der HSV spielte sehr kräftezehrend. Laufintensiv und hellwach war das Spiel der Mannschaft, das ist allerdings eine Notwendigkeit gegen eine so fein abgestimmte Mannschaft wie Gladbach, wo die Konter wie am Schnürchen laufen.

          Bei einem solchen Angriff kam es zum Laufduell zwischen Mavraj und Herrmann, und der Hamburger Innenverteidiger grätschte im falschen Moment. Den fälligen Strafstoß verwandelte Lars Stindl in der 53. Minute sicher. Acht Minuten später besiegelte ein weiterer Foulelfmeter das Hamburger Ausscheiden. Diesmal traf Raffael für Gladbach. Zuvor hatte Matthias Ostrzolek den Wunsch Jonas Hofmanns erfüllt, ihn im Strafraum zu berühren. Der HSV raffte sich auf, machte Druck. Gladbach beendete die Partie siegreich – mit einigen Wacklern, einem späten Gegentor, und die Fans sangen: „Wir fahren nach Berlin!“

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