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Ghana schlägt Serbien : Der erste Sieg für Afrika

  • -Aktualisiert am

Ghana jubelt: Siegtorschütze Asamoah Gyan Bild: AFP

Ghana gewinnt das erste Spiel in der deutschen Gruppe. Asamoah Gyan verwandelt beim 1:0-Sieg gegen Serbien einen Elfmeter, den der Bundesligaspieler Kuzmanovic verursacht. Serbien beendet das Spiel nach einer Gelb-Roten Karte zu zehnt.

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          Ghana scheint der stärkste Gegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf dem Weg ins Achtelfinale bei der Weltmeisterschaft in Südafrika zu werden. Der Zweite der Afrika-Meisterschaft besiegte am Sonntagnachmittag Serbien in Pretoria durch ein Handelfmetertor von Gyan (84. Minute) 1:0 und sorgte damit für den ersten Erfolg einer afrikanischen Mannschaft bei diesem Turnier. Der Stuttgarter Mittelfeldspieler Kuzmanovic hatte den Treffer des Tages verursacht. Damit gewann auch Coach Milovan Rajevac das Duell der beiden serbischen Trainer gegen seinen Landsmann Radomir Antic. Ghana, für das Torschütze Gyan in der Nachspielzeit noch den Innenpfosten traf, war über neunzig Minuten die bessere Mannschaft und verdiente sich den Sieg dank einer engagierten Leistung. Beide Teams wirkten aber nicht so stark, als dass die deutsche Mannschaft sich allzu große Sorgen vor der Begegnung mit Serbien (Freitag 13.30 Uhr in Port Elizabeth/FAZ.NET-WM-Liveticker ) und gegen Ghana machen müsste.

          Aus deutscher Sicht galt das Hauptaugenmerk zunächst vor allem Kevin-Prince Boateng, dem Berliner mit der kürzlich erworbenen ghanaischen Staatsbürgerschaft. Der Mann, der Michael Ballack, den Kapitän der deutschen Nationalelf, vor ein paar Wochen im englischen Cup-Final mit seinem Foul aus dem WM-Turnier getreten hat (siehe: Der Fall Boateng: „Fußball ist kein rechtsfreier Raum“ und Reportage: Die Brüder Boateng), äußerte vor dem Spiel gegen die Serben die Hoffnung, „dass ich das Bild des Bad Boys in Zukunft wieder los werde“.

          Das mag für den deutschen Markt vermutlich eher schwierig werden. In Ghana hat ihn Rajevac dagegen mit offenen Armen empfangen und halbrechts auf einer Position im vorderen Mittelfeld eingesetzt. „Kevin ist gut integriert“, sagte der serbische Gegenspieler seines Landsmanns Antic vor der Sonntagsbegegnung in Pretoria, „er kann für uns im Verlauf dieses Turniers noch wertvoll werden.“ Das war er schon im ersten WM-Einsatz, in dem der zuletzt vom FC Portsmouth bezahlte frühere deutsche U-21-Nationalspieler als Antreiber und Flankengeber überzeugte - und auch nur ein einziges Mal foul spielte.

          Torwart links, Ball rechts: Gyan verwandelt zum ghanaischen Sieg
          Torwart links, Ball rechts: Gyan verwandelt zum ghanaischen Sieg : Bild: AFP

          Nur wenige Zutaten aus der Bundesliga

          Während Rajevac mit Sarpei (Bayer Leverkusen), Vorsah und Tagoe (beide 1899 Hoffenheim) seinen drei Bundesligaprofis von vornherein vertraute, ließ Kollege Antic die in Deutschland beschäftigten Serben zunächst sogar komplett draußen. Seine Auswahl erschien ihm auch ohne Zutaten aus der deutschen Bundesliga stark genug, den „Black Stars“ trotzen zu können. In den ersten 45 Minuten war aber Ghana auch ohne den bei dieser Weltmeisterschaft wegen einer langwierigen Bänderverletzung schmerzlich vermissten Anführer Michael Essien (Chelsea London) die bessere Mannschaft.

          Die Westafrikaner wirkten schneller, spritziger, quirliger als die behäbigen Serben und waren dazu in der Defensive gut organisiert. Antics Team dagegen hatte auf mehr Ballkontrolle gesetzt und dabei die Kontrolle über das Spiel verloren. Den meist langsamen Aktionen fehlte der Pep und das Überraschungsmoment. Und so pfiff ein Teil der 43.000 Zuschauer im angeblich ausverkauften Loftus-Versfeld-Stadion ob einer spannungsarmen Partie, in der zunächst nur Ghana eine Torchance hatte, als Asamoahs Schuss von Zigic soeben noch zum Eckball abgeblockt wurde (15.).

          Unglücksrabe Kuzmanovic

          An den Kräfteverhältnissen änderte sich nach dem Wechsel nichts. Ghana bestimmte weiter eine Partie, die aber nun ein wenig mehr Fahrt aufnahm. So verfehlte Ayews Kopfball (54.) ebenso knapp das Tor wie der Kopfball von Gyan (60.). Serbien, das weiter unter Rhythmusstörungen litt, war einmal nah am 1:0, doch Zigic machte nichts aus Pantelics guter Vorarbeit (59.). Ghanas Aussichten, vielleicht doch noch zu gewinnen, verbesserten sich von der 75. Minute an, als der argentinische Schiedsrichter Baldassi den schon verwarnten serbischen Innenverteidiger Lukovic nach einem Haltegriff an Gyan per Gelb-Roter Karte vorzeitig vom Platz schickte. Für den Dortmunder Profi Neven Subotic endlich die Chance, als Nachrücker (76.) in der serbischen Mannschaft auf sich aufmerksam zu machen.

          Er kam nicht mehr dazu, allzu viel von seinem Können zu zeigen. Vielmehr hatte der Stuttgarter VfB-Profi Kuzmanovic, der erst in der 62. Minute für Milijas gekommen war, plötzlich die Rolle des Unglücksraben in der Hand. Statt mit dem Kopf klärte er in der 84. Minute nach einer weiten Flanke vor einem ghanaischen Angreifer unnötig mit der Hand, so dass der dafür verwarnte Mittelfeldspieler mitansehen musste, wie Gyan die späte Elfmeterchance für Ghana dankend annahm und zum 1:0-Siegtreffer nutzte.

          Ein glückliches Ende für das insgesamt bessere Team, das davor noch fürchten musste, seine Vorteile aus der Hand zu geben. Doch Krasic (79.) war mit einem herzhaften Schuss an Torhüter Pantsil gescheitert (79.), während Kuzmanovic den Ball knapp über das Tor beförderte (82.), ehe er die Rolle des tragischen Helden annehmen musste.

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