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Streit wegen DFB-Pokal : Türkgücü und das „Micky-Maus-Gericht“

Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny im Landgericht München I, Ende September. Bild: dpa

Das Schiedsgericht hat entschieden: Schweinfurt darf im DFB-Pokal spielen, nicht Türkgücü München. BFV-Präsident Koch hält den Fall damit für „final beendet“. Daran gibt es aber Zweifel.

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          Wer darf in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den FC Schalke spielen? Darüber war im Bayerischen Fußball-Verband (BFV) ein Streit entstanden. Sowohl Türkgücü München als auch Schweinfurt 05 sehen sich dazu berechtigt. Der BFV nominierte Schweinfurt, aber Türkgücü stoppte das Spiel mit einer einstweiligen Verfügung. Das war im September.

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          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Jetzt scheint die Entscheidung im Streit zwischen den Vereinen und dem Verband gefallen. So sieht es jedenfalls Rainer Koch, der Präsident des BFV. „Das wochenlange juristische Schauspiel ist final beendet“ sagte er. Das Schiedsgericht des BFV, das vom Zivilsenat des Bayerischen Obersten Landesgerichts als zuständig erklärt worden ist, urteilte am Dienstag, dass Schweinfurt antreten darf. Das Spiel gegen Schalke ist für den 3. November angesetzt. Und so sagte Koch: „Und jetzt halten wir es mit Franz Beckenbauer: Geht’s raus, und spielt’s Fußball.“

          Ist der Fall damit aber wirklich beendet? Daran gibt es Zweifel. „Es ist schlichtweg falsch, wenn die Entscheidung des Schiedsgerichts als letztinstanzlich dargestellt wird“, sagt der Münchner Kartellrechtler Mark-E. Orth. „Man kann sich mit dem Vorwurf, dass das schiedsgerichtliche Urteil gegen Kartellrecht verstößt, an die staatlichen Gericht wenden, die das dann vollständig überprüfen.“ Für den Verdacht eines Kartellrechtsverstoßes spreche das Urteil des Landgerichts München. Das hatte vor vier Wochen geurteilt, dass die Änderung der Spielordnung des BFV vom 5. Mai – auf deren Grundlage der Verband Schweinfurt nominiert hatte – einer kartellrechtlichen Überprüfung nicht standhalte und daher nichtig sei.

          Türkgücü will zum Bundesgerichtshof

          Eigentlich nominiert der BFV die beste bayerische Amateurmannschaft für den DFB-Pokal. Als der Verband die Regionalliga Bayern wegen des Coronavirus unterbrechen musste, versuchte er die sportlichen Unklarheiten mit einem Deal zu lösen: Der Tabellenerste Türkgücü steigt in die dritte Liga auf, der Tabellenzweite Schweinfurt darf am DFB-Pokal teilnehmen, obwohl er zu dem Zeitpunkt eben nur die zweitbeste Amateurmannschaft war. Türkgücü stimmte dem Deal zu, klagte jedoch später – angeblich auch deswegen, weil Schweinfurt die Drittligalizenz der Münchner prüfen ließ. Seitdem wird gezankt. Vor allem Türkgücü kommentiert den Streit polemisch. So nennt Geschäftsführer Maximilian Kothny das Schiedsgericht, das nun die ursprüngliche Entscheidung des BFV bestätigt hat, ein „Micky-Maus-Gericht“. Er sagte dem Portal „Sportbuzzer“: „Es liegt ein schwerwiegender kartellrechtlicher Fehler vor. Wir werden das nicht auf uns sitzen lassen und den Fall vor dem Bundesgerichtshof prüfen lassen.“

          Der Kartellrechtler Orth sieht einen weiteren juristischen Aspekt: „Sollte das Regelwerk (des BFV, d. Red.), wie es das LG München sieht, tatsächlich einen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung darstellen, so hätten die Schiedsrichter durch ihren Schiedsspruch auch persönlich einen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung begangen.“ Für diesen Verstoß seien sie dann auch schadenersatzpflichtig, etwa dem Klub Türkgücü gegenüber. Diesem entgingen mindestens 137.000 Euro. So viel Geld erhält jeder Teilnehmer am DFB-Pokal in der ersten Runde.

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