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Gerechtigkeit im Fußball : Der Technik eine Chance

Tor oder kein Tor? Die Technik soll es richten Bild: dpa

An diesem Montag dürfen die Bundesliga-Vertreter darüber entscheiden, ob die Torlinientechnologie eingeführt wird. Es wäre ein schlechter Witz, sollten sich die Gegner durchsetzen.

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          Wenn es um die Regeln geht, lässt der Internationale Fußball-Verband (Fifa) seinen einzelnen Mitgliedsverbänden nicht allzu viel Spielraum für Interpretationen. Ob beispielsweise bei einer regelwidrigen Verhinderung einer großen Torchance die dann zwangsläufig folgende Rote Karte der Weisheit letzter Schluss ist, darüber gibt es verschiedene Meinungen. Letztlich aber verfolgt die Fifa in dieser Frage eine entschiedene Basta-Politik - und lässt bislang nicht mit sich reden.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Dementsprechend ist es also schon eine kleine Sensation, dass die Vertreter der 36 Profiklubs in Deutschland eine Entscheidung von weitreichender Bedeutung treffen dürfen. Abgestimmt wird am Montag in Frankfurt darüber, ob in den ersten beiden Spielklassen die Torlinientechnologie eingeführt wird - und falls ja, wann. Die Fifa überlässt diese Entscheidung ihren Verbänden, hat aber schon verkündet, dass bei der WM in Brasilien erstmals ein solches System - getestet beim Confed-Cup im vergangenen Jahr - während der Endrunde eingesetzt wird.

          Zumindest auf dem Platz soll bei Weltmeisterschaften künftig, soweit es technisch überprüfbar ist, in der wichtigsten Situation des Spiels alles mit rechten Dingen zu gehen. Entschieden hatte dies nach langen Diskussionen das International Football Association Board, das sich aus vier Vertretern der Fifa und je einem Vertreter des englischen, schottischen, nordirischen und walisischen Verbandes zusammensetzt. Dass die Briten dabei durchaus modern denken, zeigte sich in der Premier League - sie führte eine Torlinientechnologie zu Beginn dieser Saison schon ein. Nur die Europäische Fußball-Union (Uefa) sperrt sich und setzt auf Torrichter, was aber vielleicht an einem grundsätzlichen Problem zwischen den Chefs Blatter (Fifa) und Platini (Uefa) liegt.

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          Die Deutschen bleiben auf dem technischen Niveau von Wembley 1966: soll sich nur keiner hinterher beschweren :

          Erstaunlicherweise gibt es in der Bundesliga nicht nur Befürworter. Die Gegner skizzieren gerne das Bild von minutenlangen Unterbrechungen, und es wird bemängelt, dass kein System zu 100 Prozent ausgereift sei. Und letztlich fehlt auch nie das Stammtisch-Argument, dass man über Fehlentscheidungen wunderbar streiten könne. Tatsache ist, dass kein System - Chip im Ball, Signale von Magnetfeldern oder hinter dem Tor positionierte Antennen, Überwachung durch mehrere Kameras, die zusammen die genaue Position des Balles errechnen können - eine hundertprozentige Sicherheit gewährt. Genauso richtig ist aber auch, dass in vielen anderen Sportarten die wie auch immer geartete technische Überwachung der Torlinie (Eishockey, Hockey) oder anderer spielentscheidender Situationen (American Football, Tennis, Hockey) längst Normalität ist.

          Es wäre ein schlechter Witz, sollten sich an diesem Montag die Gegner der Torlinientechnik durchsetzen. Selbst die vermutlich kostengünstigste Überprüfung durch Fernsehbilder wäre eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Status quo, weil sich damit die krassesten Fehlentscheidungen der Vergangenheit hätten verhindern lassen und der auf den Schiedsrichtern lastende Druck geringer wäre. Da trifft es sich gut, dass der Spielplan am Sonntag die Partie Leverkusen gegen Hoffenheim auf dem Programm hatte. Das Phantomtor der Hinrunde als solches zu erkennen hätte beim Studium der Fernsehbilder nur Sekunden gedauert.

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