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Geoff Hurst : Der ewige Wembley-Mann

Das Bild ohne Held: Hurst hat getroffen - 3:2 für England in Wembley ’66 Bild: dapd

1964 hatte er mit West Ham United den englischen Pokal gewonnen, 1965 den Europacup. Und 1966 gewann England in Wembley das WM-Endspiel. Dank Geoff Hurst und dem berühmtesten Tor der Fußballgeschichte.

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          Einer der ganz Großen des englischen Fußballs ist er nicht, kein Matthews, Moore oder Charlton. Aber er war im richtigen Moment am richtigen Ort, und so wurde Geoff Hurst ein Mann, der Ritterschlag und Ehrendoktorwürden erhielt und der aller Welt an diesem Donnerstag, seinem 70. Geburtstag, eine Nachricht wert ist.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Der richtige Ort, das war Wembley. Nur dort gewann er Titel: 1964 mit West Ham United den englischen Pokal, 1965 den Europacup der Pokalsieger gegen 1860 München. Und natürlich 1966 mit England das WM-Endspiel gegen Deutschland.

          Bachramow macht ihn zum Helden

          Er, der Wembley-Mann, entschied es mit jenem Schuss in der 101. Minute, der für immer Wembley-Tor heißen wird. Kein Fernsehbild, kein Foto, keine wissenschaftliche Analyse hat je belegen können, ob der Ball die Linie überquerte. Nicht mal Hurst selbst sah es, nur der Linienrichter Tofik Bachramow. Er machte Hurst zum Helden.

          Hurst war kein klassischer Mittelstürmer. Doch als eher spielender Stürmer passte der frühere Mittelfeldmann in das neuartige 4-4-2-System von Nationaltrainer Alf Ramsey. Als Ersatzmann kam Hurst in die Elf - und schrieb mit drei Endspieltoren WM-Geschichte.

          Geoff Hurst (Foto: Nach seiner ernennung zum Ritter 1998)
          Geoff Hurst (Foto: Nach seiner ernennung zum Ritter 1998) : Bild: dapd

          Allerdings war nur sein Treffer zum 1:1 eindeutig regulär. Das 3:2 in der 101. Minute blieb das umstrittenste Tor der Welt. Und das 4:2 in der 120. hätte eigentlich nicht zählen dürfen, weil schon Zuschauer auf dem Rasen waren. Hurst selbst soll erst beim Bankett erfahren haben, dass auch das letzte Tor zählte.

          Das letzte Länderspiel? Natürlich in Wembley - gegen Deutschland

          Sonst hätte er sich wohl vorher um den Spielball bemüht, der nach englischer Sitte vom Schützen eines „Hattricks“ mitgenommen werden darf. So schnappte sich Helmut Haller das orangebraune Leder und rückte es erst dreißig Jahre später wieder raus.

          Zu Hursts Geburtstag wird der Ball nun aus der Vitrine im National Football Museum geholt, um ihn bei einer Wohltätigkeitsgala mit seinem berühmten Schützen zusammenzubringen.

          Hurst war mit 24 ganz oben. Der Rest der Karriere verlief eher unscheinbar. Sein letztes Länderspiel verlor der Wembley-Mann ausgerechnet in Wembley gegen die Deutschen, bei deren legendärem 3:1 auf dem Weg zum EM-Sieg 1972. Seine Trainerkarriere blieb kurz und erfolglos. Doch bis heute lebt Geoff Hurst, ob als Redner, Experte oder als „Fußballdirektor“ einer Fastfood-Kette, vom Ruhm des größten englischen Fußballtages.

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