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Geldquelle Champions League : Mehr für alle, viel mehr für wenige

  • -Aktualisiert am

Ein Pokal für die Vitrine und ein Zahltag für den Verein: Bayern holt die Champions League 2013 Bild: AP

Die Fußballbranche boomt, aber die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Dazu tragen die großen Gelder in der Champions League bei. Wie lange bleibt die Bundesliga ein Erfolgsmodell, wenn nur zwei Vereine Meister werden können?

          6 Min.

          Braucht der Fußball mehr Sozialismus? Heribert Bruchhagen ist viel zu lange im Geschäft, um die plakative Frage mit einem einfachen Ja zu beantworten. Der Vorstandsvorsitzende der Eintracht Frankfurt Fußball AG vermeidet es aus Erfahrung, sich selbst an den Pranger zu stellen.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Als erfolgreiches Mitglied der Kapitalistenvereinigung Fußball-Bundesliga scheut der 65 Jahre alte Funktionär Begriffe wie Sozialismus. Aber Bruchhagen ist mutig genug zu sagen, dass es „so nicht weiter geht.“ Die Schere zwischen Arm und Reich im Fußball werde immer größer. „Der Verteilungsmechanismus bringt die nationalen Wettbewerbe zum Erliegen.“

          Bruchhagen meint vor allem die Champions League, aber auch die Solidargemeinschaft Bundesliga. Im deutschen Profifußball ist man stolz auf die zentrale Vermarktung und die gemeinsam von den Klubs der Deutschen Fußball-Liga (DFL) verabschiedeten Aufteilung der Einnahmen, die einen relativ hohen Fixbetrag für jeden Klub vorsieht und einen relativ geringen Leistungsfaktor beinhaltet.

          So erhielt in der Saison 2012/13 der FC Bayern etwa 36 Millionen Euro aus dem Fernsehtopf, die nächsten, Leverkusen und Schalke etwa 29 Millionen Euro und die fünf schwächsten Klubs zwischen 14,5 und 17,8 Millionen Euro. Bei einer Einzelvermarktung könnten die Bayern wahrscheinlich wie die spanischen Spitzenklubs Real und Barcelona mehr als 100 Millionen Euro erzielen, und ein Verein wie der FC Augsburg käme wohl kaum in den zweistelligen Bereich.

          Der Trend ist schon jetzt eindeutig

          Bruchhagen sieht dennoch den Zeitpunkt erreicht, an der Schraube zu drehen. „Denn ab dieser Saison werden in der Bundesliga nicht mehr 400 Millionen Euro verteilt, sondern 600 Millionen. Und man muss nicht Mathematik studiert haben, um zu wissen, dass mit der größeren Gesamtsumme auch die Unterschiede bei der Spreizung immer größer werden.“

          Der Trend ist schon jetzt eindeutig. Im Jahr 2006/07 betrug der Unterschied, den Marktführer Bayern München in seinen Lizenzspieleretat stecken konnte, zu den Verfolgern elf beziehungsweise 18 Millionen Euro. Den 50 Millionen der Bayern standen 39 Millionen von Schalke und 32 Millionen von Leverkusen gegenüber. 25 Millionen zahlte die neuntplazierte Frankfurter Eintracht ihren Profis, 12 Millionen Mainz 05 auf Rang 16. In der Saison 2012/13 gaben die Bayern 125 Millionen Euro für die Lizenzspielerabteilung aus, Wolfsburg 90 Millionen, Schalke 65 Millionen, Dortmund 50 Millionen. Die Eintracht zahlte wie vor sechs Jahren als Zwölfter der Statistik 25 Millionen Euro, Mainz als 15. der Rangliste 17 Millionen Euro.

          Der Treffer von Arjen Robben im Finale von Wembley war viel Geld wert

          Für Bruchhagen sind solche Vergleichszahlen der Beweis für seine These, dass mit guter Arbeit der sportlichen Abteilung und geschickten Transfers die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten nicht mehr aufzuholen sind. „Wenn ich höre, dass Clemens Tönnies in Schalke die Parole ausgegeben hat, dass er in den nächsten drei Jahren unbedingt noch mal die Meisterschale in der Hand haben will, dann zeugt das von der Naivität dieser ansonsten tollen Persönlichkeit“, sagt Bruchhagen. Für den Frankfurter Funktionär ist es auf absehbarere Zeit nicht möglich, dass es einen Überraschungsmeister geben könne.

          Bruchhagen fühlt sich als einsamer Rufer in der Wüste. Seine Kollegen hätten die Problematik noch nicht erkannt. „Der deutsche Fußballmanager hat so viel mit der Tagesarbeit zu tun, dass er sich mit solchen Gedanken gar nicht beschäftigt. Die Manager sind froh, dass sie immer mehr aus der Zentralvermarktung zur Verfügung haben, dass das ,Mehr, mehr!’ der großen Klubs den Wettbewerb erstickt, sehen sie gar nicht.“

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