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Fußballfans bei Geisterspielen : „Das ist nicht nur verboten, es wäre zugleich unverantwortlich“

Beim bislang einzige Geisterspiel in Mönchengladbach hatten nicht alle Fans Verständnis für die Aussperrung. Bild: dpa

Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, hat zwar Verständnis für die Pläne des Fußballs – doch er sieht vor allen die daraus folgenden Probleme.

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          Herr Radek, die Deutsche Fußball-Liga (DFL) plant den Re-Start der Bundesliga im Mai mit Geisterspielen, die Politik zeigt sich offen. Sie sprechen für etwa 194.000 Polizisten in der größten Polizei-Gewerkschaft der Republik – was halten Sie von den Plänen?

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zunächst einmal will ich festhalten, dass wir als Gewerkschaft der Polizei nicht grundsätzlich gegen Fußballspiele sind. Ich kann auch verstehen, dass bei vielen ein Bedürfnis besteht, Fußballspiele nicht mehr nur aus der Konserve zu sehen, alte Länderspiele oder alte Bundesligaspiele. Aber wir dürfen nicht vergessen, in welcher besonderen Situation wir uns alle befinden – dazu zählt auch die Polizei. Geisterspiele sind eine Gefahr, auch wenn der Veranstalter im Stadion alles tut, damit Hygienevorschriften eingehalten werden, um das Infektionsrisiko so niedrig wie möglich zu halten. Es ist das gute Recht der DFL, einen Plan für den Neustart auszuarbeiten, aber er scheint mir nicht alle Aspekte zu berücksichtigen.

          Was meinen Sie damit?

          Vielleicht ist es möglich zu kontrollieren, was im Stadion passiert. Für den öffentlichen Raum davor gilt das nicht. Die Stadien werden zu einem potentiellen Ziel von Fans, die ihr Team unterstützen wollen. Das wäre verheerend. Es darf während dieser Pandemie nicht zu großen Menschenansammlungen vor den Stadiontoren kommen. Das ist nicht nur verboten, es wäre unverantwortlich.

          Was würde das für die Polizei bedeuten?

          Für uns wird es in diesem Moment polizeilich relevant, wir müssen dann dafür sorgen, dass die Auflagen, die derzeit für das Verhalten im öffentlichen Raum gelten, eingehalten werden: das Abstandsgebot von eineinhalb Metern, das Versammlungsverbot von größeren Gruppen, das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung. Im Sinne der Einhaltung von Sicherheit und Ordnung werden wir einschreiten müssen, wenn das nicht gewährleistet ist.

          Welche personellen Konsequenzen hätten Fußball-Geisterspiele für die Polizei?

          Jörg Radek: „Mein Appell an die Fans lautet: Bleibt zu Hause!“

          Sie wären für uns eine Mehrbelastung. Wir konnten unsere polizeiliche Präsenz bei dieser Pandemielage bisher ja deshalb personell so gut meistern, weil wir von derartigen Großveranstaltungen entlastet worden sind. Weil es eben keine Konzerte gab, keine Demonstrationen – und weil eben auch der Sport, vor allem der Fußball, seinen Betrieb eingestellt hat. Der Ligabetrieb an den Wochenenden ist für uns schon ohne Corona-Pandemie eine große personelle Belastung. Durch das Pausieren haben wir eine personelle Reserve gewonnen, auf die wir zurückgreifen konnten, um dann andernorts präsenter zu sein.

          Beispielsweise in Parkanlagen. Würde das bedeuten, dass die Polizei dort weniger kontrollieren könnte, sollte der Fußball seinen Spielbetrieb wiederaufnehmen?

          Nein, das können wir uns ja nicht leisten in dieser Zeit. Wir müssten alles gewährleisten, weil wir weder das eine noch das andere polizeilich ignorieren können.

          Die Vertreter einiger Ultra-Gruppierungen haben bereits Proteste angekündigt für den Fall, dass die Bundesliga wieder startet. Sie wollen diese Geisterspiele stören.

          Das wäre sicher ein Problem. Und natürlich würden wir dagegen vorgehen, wenn Auflagen nicht eingehalten werden. In dieser Pandemie sind Konflikte für meine Kollegen immer mit Risiken verbunden, weil die Ansteckungsgefahr sehr hoch ist. Am Ende ist deshalb auch egal, welche Art von Konflikt es ist: ein Familienstreit, ein Nachbarschaftskonflikt oder jemand, der vor einem Supermarkt pöbelt, weil er nicht versteht, dass er nur eine Packung Toilettenpapier kaufen darf. Oder eben Fußball-Fans, die gegen Spiele ohne Zuschauer protestieren.

          Wie erleben Ihre Kollegen die Situation gerade?

          Zusammenrottungen vor dem Stadion wie hier beim Geisterspiel zwischen Gladbach und Köln sind dringend zu vermeiden.

          Die meisten Menschen zeigen Verständnis für die Auflagen. Und trotzdem: Die Stimmung wird in Einzelfällen gereizter.

          Was wünschen Sie sich im Falle von Geisterspielen im Fußball?

          Vor allem eines, mein Appell an die Fans lautet: Bleibt zu Hause!

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