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Gabun : Schub aus China

  • -Aktualisiert am

Zeugnis chnesischer Hilfe: Das „Stadion der Freundschaft“ in Gabun Bild: AFP

Gabun macht beim Afrika-Cup auf sich aufmerksam. Der Co-Gastgeber steht im Viertelfinale. Der starke Partner China hat indes handfeste Wirtschaftsinteressen.

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          Das erste Ziel ist erreicht, mit Kampf und mit Leidenschaft: Gabun mit seinem deutsch-französischen Trainer Gernot Rohr hat als Co-Gastgeber des 28. Afrika-Cups auch sein drittes Vorrundenspiel gewonnen, 1:0 gegen Tunesien, ist als Gruppensieger ins Viertelfinale eingezogen und hat dort nun am Sonntag Heimvorteil. Zwei Jahre wurden Spieler gesichtet und vorbereitet auf dieses Turnier. Im Dezember gewann Gabuns U23-Auswahl schon die Afrikameisterschaft des Nachwuchses und sicherte sich einen Startplatz beim olympischen Fußballturnier in London. Staatspräsident Ali Bongo Ondimba erwartet nun von Rohr und dessen Team den Titel.

          Ein Hit in den vielen kleinen Kiosken von Libreville ist unterdessen in diesen Tagen des Afrika-Cups ein Freundschafts-Pin. Das kleine anheftbare Metallstück mit den Nationalflaggen Gabuns und Chinas verkauft sich glänzend - die gabunische Bevölkerung bekennt sich zur Verbundenheit mit China. Spätestens, seit der große Handelspartner aus Fernost nach 20 Monaten Bauzeit im November 2011 feierlich das „Stadion der Freundschaft“ an das kleine Land am Golf von Guinea übergeben hat.

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          Über 60 Millionen Dollar hat China sich dieses Präsent an Gabun kosten lassen. Der große Partner hilft auf vielen Gebieten, auch im Sport, natürlich nicht selbstlos. „China hat natürlich größtes Interesse an den Rohstoffen in Gabun“, erklärt Heiko Schwiderowski, Afrika-Experte der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Gabun ist reich an Öl, Holz und Mangan. Während die reichen Ölvorkommen vor der Küste derzeit noch rund achtzig Prozent der Exporteinnahmen ausmachen, wird zukünftig vor allem der Manganexport für China interessant.

          Desinteresse an Umweltaspekten

          Es kann kein Zufall sein, dass just im August 2009, wenige Monate vor Baubeginn des Fußballstadions, die China National Machinery mit der Regierung von Gabun eine Vereinbarung über die Erzausbeutungsrechte in Belinga schloss.

          Ein Joint-Venture-Unternehmen soll aus der Mine, die rund 600 Kilometer nordöstlich von Libreville im Grenzbereich zu Kamerun mitten im Urwald liegt, in den nächsten 25 Jahren jährlich bis zu 30 Millionen Tonnen Erz fördern. Das gesamt Projekt soll einschließlich Infrastruktur voraussichtlich über 750 Millionen Dollar kosten. Zur Infrastruktur gehören etwa 630 Kilometer Eisenbahnnetz, Staudämme und Tiefwasserhäfen sowie Wasserkraftwerke. Solcherlei Geschäfte kurbeln den afrikanischen Wirtschaftsmarkt derzeit kräftig an.

          Und China beginnt den angedachten Kreislauf zu schließen: Entwicklungshilfe - Infrastruktur - Aufkauf von Rohstoffen für den chinesischen Markt - Export von chinesischen Endprodukten für den afrikanischen Markt. Kritik kommt aus Europa und den Vereinigten Staaten vor allem an Chinas Desinteresse an Umweltaspekten sowie dem kritiklosen Umgang mit korrupten afrikanischen Regierungsvertretern.

          Schlechte Qualität der chinesischen Schnellbauweise

          Bewegen sich europäische Unternehmer in Afrika zu zurückhaltend? „Subsahara-Afrika zeigt ungefähr seit zehn Jahren eine ungeheure Entwicklung mit konstant hohen Wachstumsraten. Es wird auch für deutsche Unternehmen extrem wichtig sein, den Chinesen diesen Markt nicht gänzlich zu überlassen“, sagt Heiko Schwiderowski. „Das große Plus für deutsche Unternehmen ist deren Qualitätsmerkmal. Preislich können deutsche Bauunternehmer nicht mit chinesischen Konkurrenten mithalten. Aber viele afrikanische Auftraggeber lassen chinesische Bauunternehmungen schon jetzt am liebsten von deutschen Partnern kontrollieren. Darin liegt eine große Chance.“

          Gernot Rohr: Deutscher Trainer in Gabuns Diensten

          Die zum Teil schlechte Qualität der chinesischen Schnellbauweise ist auch immer wieder Thema bei den mittlerweile weltweit rund achtzig Sportstätten, die China in Entwicklungsländern errichten ließ. In Angola explodierten vor zwei Jahren beim Afrika-Cup die Abwasserkanäle der Toiletten und gleich Dutzende von VIP‘s mussten in steckengebliebenen Aufzügen verharren. Im neu eröffneten „Stadion der Freundschaft“ in Libreville sollte man sich einen Besuch der verstopften sanitären Anlagen ebenfalls eher verkneifen. Dass bei dem horrenden Bau-Tempo und der Verwendung preisgünstiger Materialien zwangsläufig nicht alles klappen kann, erfuhren die Gabuner bereits im vergangenen November: Da konnte das Eröffnungsspiel der Arena zwischen dem Gastgeberteam und Brasilien wegen eines kompletten Strom-Kollapses in der Arena nur mit Verspätung beginnen.

          Korruption verhindert die gerechte Verteilung

          Solcherlei Kleinigkeiten sind der Bevölkerung Gabuns offenbar weitgehend egal. Die Menschen setzen weiter auf die Freundschaft mit China und einer damit verbundenen Steigerung der Lebensqualität. Obwohl Gabun mit einem Pro-Kopf-Einkommen von fast 7000 Euro jährlich eines der reichsten Länder Afrikas ist, leben drei Viertel seiner Einwohner in Armut. Korruption verhindert die gerechte Verteilung der Einnahmen, der Staat hatte es jahrelang verpasst, in Infrastruktur, das Gesundheitssystem oder das Bildungswesen zu investieren.

          All das soll sich mit Hilfe Chinas und dem Afrika-Cup nun ändern. Zur Afrikameisterschaft hat Gabun eigenen Angaben zufolge mit chinesischer Hilfe rund 750 Millionen Dollar in die Infrastruktur investiert. Da kann man dann auch mal einen gabunisch-chinesischen Freundschafts-Pin kaufen.

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